troublebreathing ♥

Kapitel 25 - Nur einen Kuss… Mehr will ich nicht von dir… II.

"Scheiße, es regnet!"
"Ja… Schon irgendwie… Aber vielleicht haben wir ja Glück und es hört bis in vier Stunden wieder auf", versuchte mich Elena zu beruhigen.
"Mhm… Ja, vielleicht… Aber was ist wenn nicht? Gehn wir dann trotzdem?"
"Ja, natürlich! Wir können doch nicht einfach nicht hingehen! Wobei es natürlich sein kann, dass es dann nicht ganz sooo toll wird, wie es eigentlich wird wenn es nicht regnet."
"Es hört noch auf."
"Natürlich."
Es hörte nicht auf. Jedenfalls nicht richtig. Im ersten Moment regnete es und im Nächsten wieder nicht. Aber besser so, als ein Unwetter. Denn es war der 24. Juli. Der Tag, an dem der Jahrmarkt wieder in der Stadt war. Elena, Sarah und ich ersehnten schon seit Monaten diesen Tag herbei. Und nun war er gekommen. Und ausgerechnet da, spielte das Wetter nicht mit und statt Juliwetter, gab es Aprilwetter. Aber mir sollte es egal sein. Ich hatte mir für diesen Abend ein Ziel gesetzt und konnte es mir nicht leisten meine Pläne in den Wind zu schießen. Ich wollte es riskieren und Felix nach diesem besonderen Kuss fragen. Jedoch wusste ich ganz genau, dass ich mich niemals im nüchternen Zustand trauen würde, ihn nach einem Jahrmarktskuss zu fragen (Dank Felix wusste ich ja bestens Bescheid über die Sache mit der Hemmschwelle). Worauf das hinausläuft, kann man sich ja nun sicher denken… Das Gute war, dass mir gar keine andere Wahl blieb, da Elena und Sarah ebenfalls Pläne für den Abend hatten.
Doch bis ich mich im Kreis meiner beiden Freundinnen befand, war es ein langer und beschwerlicher Weg. Denn schon das aus-dem-Haus-Kommen, erwies sich als äußerst schwierig. Zuerst hatte ich Schwierigkeiten dabei, die Haustür aufzubekommen. Dann war die Hintertür abgeschlossen und auch die Gartentür wollte sich nicht öffnen lassen. Und erst nachdem ich beinahe auf den nassen Fließen ausgerutscht wäre, schaffte ich es, über den Gartenzaun und somit in die Freiheit zu gelangen. Die Ironie bei alldem ist, dass ich mir während meinem "Fluchtversuch" ständig dachte, dass vielleicht irgendwas oder irgendwer nicht möchte, dass ich auf den Jahrmarkt geh'. Irgendeine höhere Macht wollte mich davon abhalten. Der Regen, der es beinahe schaffte, mir die Lust zu nehmen, die vielen Türen, die sich nicht öffnen ließen und dann mein fast-Unfall - das konnte doch nie und nimmer Zufall sein! Das sollte mir eine Warnung sein. Aber ich hörte nicht darauf. Leider.

"Also, ich erklär' dir mal den Plan, den Elena und ich uns für heute ausgedacht haben", fing Sarah an, nachdem wir uns am vereinbarten Treffpunkt begrüßten und nun langsam in Richtung eines kleinen Parks, der direkt an der Hauptstraße lag, liefen. "Wir setzen uns jetzt in den Park und warten bis Elena kommt. Die muss nämlich noch arbeiten. Danach holen wir sie von der Bushaltestelle ab und setzen uns wieder in den Park, wo wir… Ähm… Etwas trinken… Du weißt ja, dass mitgebrachte, alkoholische Getränke auf dem Jahrmarktgelände nicht erlaubt sind… Naja, wie auch immer. Da trinken wir halt unser Zeug und gehn danach langsam aber sicher Richtung Jahrmarkt."
"Mhm… Okay… Klingt doch alles sehr logisch..."
"Eigentlich schon, ja. Aber duu…?"
"Mh?"
"Trinkst du jetzt eigentlich wieder Alkohol? Du hast ja seit dieser Sache mit deinem Freund letztes Jahr nichts mehr getrunken, aber versprochen, dass du das auf dem Jahrmarkt nachholst. Trinkst du jetzt mit?"
"Wofür hätte ich wohl sonst die hier?", fragte ich grinsend und holte eine rote Flasche aus meiner Plastiktasche hervor.
"Reddy!", schrie Sarah und lachte. "Na, dann sind wir ja bestens versorgt. Elena bringt auch noch was mit und ich hab' hier zwei Sixpacks Bier. Das heißt, jeder muss vier Flaschen trinken, weil ich die sonst mit auf den Jahrmarkt nehmen muss."
Ich hasse Bier. Hab' ich schon immer und werde ich auch immer hassen. Es gibt nichts Abscheulicheres als Bier. Aber schließlich war es auch Alkohol. Und den brauchte ich ja für meinen Plan.

Um kurz vor neun tauchte Elena auf - mit viel "Gepäck"...  Anscheinend wollte sie verhindern, dass wir zu schnell auf dem Trockenen saßen.... Hab' ich schon mal erwähnt, dass ich ziemlich schnell betrunken werd'? Dadurch, dass ich eigentlich nichts von Alkohol halte, bin ich überhaupt nichts gewohnt und schon nach einer Flasche Reddy und vier Bier total betrunken. Aus diesem Grund weiß ich das Nachfolgende eher Dank Erzählung, statt meiner eigenen Erinnerung.
Nachdem wir die Sixpacks und die anderen Getränke geleert hatten, machten wir uns auf den Weg zum Jahrmarkt. "Ich muss euch was gestehen!", lallte ich unterwegs. "Das hier war alles geplant."
Elena und Sarah lachten. Obwohl die Beiden bestimmt genauso viel getrunken hatten wie ich, waren sie nur etwas mehr als leicht angeheitert. "Nein, jetzt ohne Scheiß", lallte ich weiter. "Ich will ihn heute Fragen, ob ich einen Jahrmarktskuss krieg'."
"Wen? Felix?", fragte Sarah. "Und was ist mit deinem Freund?"
"Wir sind so gut wie getrennt. Das kann man ja wohl keine Beziehung nennen."
"Ja, das schon, aber das ist trotzdem… Wow!", meinte Elena.
"Ich weiß, aber ich muss das tun. Sonst werd' ich mich mein ganzes Leben lang fragen, wie es wohl ist und… Ich muss das tun!"
Und so fing es an. Wir suchten den gesamten Jahrmarkt nach Felix ab. Dort waren mehrere tausend Menschen und wir glaubten tatsächlich ihn in dieser Menge zu finden. Aber natürlich fanden wir ihn nicht.
"Oh Gott! Wir finden ihn nie!", heulte ich und setzte mich auf den Boden. "Und wenn ich ihn heute nicht fragen kann, dann niemals. Soviel Mut werde ich doch nie wieder aufbringen können!"
Elena und Sarah knieten sich neben mich und versuchten mich zu trösten, was aber dazu führte, dass ich immer mehr heulte.
"Ist hier alles in Ordnung?", fragte schließlich einer der Polizisten, die sich dort in Scharen aufhielten.
Elena und Sarah standen sofort auf. "Jaja, die hat nur Liebeskummer", sagte Elena schnell. "Die hat Probleme mit ihren Eltern", sagte Sarah beinahe zeitgleich. Jeder Idiot hätte gemerkt, dass da was nicht stimmte. Okay, das mit dem Liebeskummer stimmte zwar, aber wäre ich nicht betrunken gewesen, hätte ich nicht in der Öffentlichkeit so geheult. Doch trotz dieser offensichtlichen Lüge meinte der Polizist nur: "Okay, kümmert euch bitte um sie." Und schon verschwand er wieder.
Danach setzten wir uns in eine Seitenstraße, wo Elena eine glorreiche Idee hatte. "Du hast doch sicher die Nummer von Felix, oder?"
Ich nickte nur und schon kramte sie in meiner Tasche nach meinem Handy. Sie gab Felix' Nummer in ihrem Handy ein und rief ihn tatsächlich an!
"Felix? Ja, hi, hier ist Elena. Ähm, Franzi sucht dich. Wo bistn du?", fragte Elena ins Telefon und es entstand eine kurze Pause. "Ah, okay… Ja, wir sind in so 'ner Seitenstraße in der Nähe vom Riesenrad… Genau… Also bis dann."
"Und?", fragte Sarah.
"Er ist noch woanders, wo vorgeglüht wird, kommt aber bald."
"Aaah Franzi! Ist das nicht toll?", versuchte Sarah mich aufzuheitern.
"Ja", brachte ich gerade noch so hervor, bevor ich wieder anfing zu heulen.
Im Zeitfenster zwischen Elenas ersten Anruf bei Felix und seinem Erscheinen lag bestimmt höchstens eine Stunde. Doch trotzdem war ich jede Minute der Verzweiflung immer näher, weshalb Elena Felix bestimmt alle zehn Minuten anrief, wo er denn nun eigentlich bliebe. Zwischendurch schlichtete sie dann auch noch einen Streit zwischen einigen Möchtegern-Gangster (sie selbst ist total überzeugte Metallerin, die nichts mehr verabscheut, als diese Hopper und Möchtegern-Gangster, was bedeutet, dass sie niemals etwas dagegen hätte, wenn diese sich die Köpfe einschlagen. Und das wiederum zeigt nur, dass sie an diesem Abend auch nicht mehr die Nüchternste war) und währenddessen suchte ich (ohne jemandem Bescheid zu geben - mir hörte in meinem betrunkenen Zustand sowieso niemand zu) das stille Örtchen auf. Hätte ich gewusst, was Elena für einen Terror machte, als sie bemerkte, dass ich weg war, hätte ich ihr wohl doch lieber Bescheid gesagt. Laut Sarah fragte Elena wildfremde Menschen, ob sie wüsste wo ich sei.
"Hast du Franzi gesehn?!", fragte sie total aufgebracht einen etwa 19-jährigen Typen, der gerade zufällig in ihrer Nähe stand.
"Ähm… Nee… Aber soll ich dir bei der Suche helfen?", fragte er tatsächlich.
"Jaaaa! Das wär' echt super nett."
Als ich wieder in unserer Straße auftauchte, hörte ich nur ein "Da! Das ist Franzi!" und sofort kam Elena auf mich zugerannt! "Wo warst du?!", schrie sie mich an.
"Aufm Klo."
"Warum?"
"Weil ich musste."
"Warum hast du dann nix gesagt?"
"Du warst ja beschäftigt und… Wer ist das? Warum steht der bei uns rum?", erst jetzt bemerkte ich den Typen.
"Hi, ich bin Piet. Ich hab' geholfen dich zu suchen", stellte er sich mir vor.
"Du kennst mich doch gar nicht!"
Und so ging es ewig weiter. Keine Ahnung warum, aber Piet wurden wir nicht mehr los. Ich mein', ich fands nicht schlimm oder so. Er war nett, sah gut aus und hatte anscheinend keine Lust auf seine Kumpels, die auch irgendwo auf dem Jahrmarkt waren. Zum Schluss bekam ich dann sogar seine Handynummer. Warum ausgerechnet ich und nicht Sarah, die sowieso auf ihn stand, versteh' ich bis heute nicht.
Ich war so in das Gespräch mit Piet (den schreibt man übrigens wirklich so. Und das weiß ich deshalb, weil ich ihm dabei zugesehen hab', wie er seine Nummer in meinem Handy eingetippt hatte. Ich war zwar ziemlich betrunken und hatte einige Blackouts, doch DAS konnte ich mir seltsamerweise merken.) versunken, dass ich gar nicht bemerkte, wer hinter mir erschien.
"Franzi!", schrie Sarah. "Kuck mal wer da kommt!"
Und dann kam er auf mich zu: Felix! In seiner vollen Pracht. Und er hatte ein rotes T-Shirt an. Und seine Locken sahen noch besser aus als sonst. Und alles war schön. Außer, dass er einen Kumpel im Schlepptau hatte. Aber das versuchte ich einfach zu verdrängen.
Ich stürmte auf ihn zu und umarmte ihn. "Was habt ihr denn mit der gemacht?", fragte er Sarah und Elena.
"Franzi sucht dich schon seit Stunden", meinte Sarah. "Die will dich nämlich unbedingt was fragen."
Bevor ich jetzt hier weiterschreibe, muss ich noch erwähnen, wie süß mich Felix die ganze Zeit angekuckt hat. Es war ein amüsiertes und zugleich… Unbeschreibliches Lächeln. So liebevoll, zärtlich… Verliebt. Ja, irgendwie sah er mich bisschen verliebt an.
"Was willst du mich denn fragen?", fragte mich Felix, während ich ihn noch immer umarmte. Auch er hatte nun seine Arme um mich geschlungen. Er roch nach Schweiß. Doch noch nie roch Schweiß so wunderbar wie bei ihm.
"Oh Gott", fing ich nicht nur mit sprechen, sondern auch mit heulen an. "Ich wollte dich fragen, ob ich einen Jahrmarktskuss krieg'."
"Aber du hast doch einen Freund", sagte Felix liebevoll.
"Ich will doch nur diesen einen Kuss von dir, weil… Oh Gott… Ich liebe dich", schluchzte ich.
"Oh mein Gott!", sagte Elena gerührt und war ebenfalls den Tränen nahe.
"Jetzt küss' sie doch bitte einfach", meinte Sarah flehend.
"Ja, bitte!", brachte auch ich gerade noch so hervor.
"Aber sie hat doch noch einen Freund!", wiederholte Felix aufgebracht - geguckt hat er aber immer noch so süß, wie schon die ganze Zeit.
"Mit dem läufts aber scheiße, also…" Sarah kniete sich vor ihm auf den Boden und flehte noch mal: " Bitte, gib' ihr den Jahrmarktskuss! Bitte! Ich fleh' dich an!"
"Ja, aber wenn dann will ich mit ihr woanders zum Reden hingehn."
Und schwupp! - Blackout!
Das Nächste was ich weiß ist, dass wir die Seitenstraße hoch liefen - noch immer Arm in Arm. Er hatte glaub' auch mit mir geredet, doch in diesem Moment war ich nicht nur besoffen vom Alkohol, sondern auf besoffen vor Liebe.
Wir liefen eine Weile, bis wir an einer Bushaltestelle ankamen, die wie ein Vogel heißt. Dort setzten wir uns auf Stufen, die etwas im Dunkeln und abseits lagen, sodass wir ungestört waren.
"Also, willst du das wirklich?", fragte mich Felix schließlich. Er redete sehr leise und liebevoll. Noch nie hatte er so mit mir geredet. Nur in diesem kurzen Moment auf den Stufen.
"Ja, ich warte da schon seit Ewigkeiten drauf und ich will nicht länger warten und doch nur wissen wie es ist und… Ich liebe dich." Als ich das sagte, fing ich wieder an zu heulen und legte meinen Kopf auf seine Brust. "Oh Mann, ist das peinlich. Ich hoffe nur, dass ich mich morgen nicht mehr daran erinnern kann."
Felix lachte… Zärtlich. Kann man zärtlich lachen? Naja, also er konnte es jedenfalls. "Ach, komm', ist doch alles halb so schlimm."
"Nein, es ist schrecklich. Und ich bin so blöd! Und ich liebe dich. Aber ich will dich nicht mehr lieben. Ich will dich hassen. "
"Du bist nicht blöd", versuchte er mich zu beruhigen.
"Doch und wie und ich will nur diesen einen Kuss. Ich warte da schon so lange drauf."
"Bist du dir wirklich scher, dass du das willst?"
"Mehr als alles andere", war nur meine Antwort.
Für einen kurzen Moment war es so, als wäre ich völlig weggewesen. Und plötzlich waren seine Lippen auf meinen. Mein Herz klopfte wie wild. Ich hörte auf zu atmen. Das war der Moment, auf den ich fast zwei Jahre lang gewartet hatte. Und das Warten hatte sich gelohnt. Es war der schönste Kuss, den ich je bekam. Er war zärtlich, sanft… Unglaublich. Und er war noch schöner, als ich ihn mir die ganze Zeit vorgestellt hatte.
Er dauerte bestimmt zehn Sekunden, was für meine Verhältnisse natürlich viel zu kurz war, aber was sollte ich auch von einem Jahrmarktskuss erwarten?
Was nach dem Kuss passiert ist, kann ich leider nicht mehr sagen. Ich bin ja schon froh, dass ich mich überhaupt an soviel erinnern kann. Ich glaube mich aber zu erinnern, dass ich mich tausendmal für mich und meinen peinlichen Auftritt entschuldigte und Felix - natürlich - ständig gesagt hat, dass das alles doch überhaupt nicht schlimm sei. Und dann war alles vorbei.
Als wir wieder bei den anderen ankamen (ich hing noch immer an Felix wie 'ne Klette), fragten Elena und Sarah wie aus der Pistole geschossen: "Und?"
"Ja, ich hab sie geküsst", antwortete Felix lässig.
Ich weiß noch, dass sein Kumpel mit Elena und Sarah redete (Piet war übrigens bereits weg). Kurz danach löste Elena Felix ab und nahm mich in den Arm. Als ich mich dagegen wehrte, meinte sie: "Felix geht jetzt weiter."
"Nein, ich wollte doch noch Riesenrad fahren", meinte ich schmollend.
"Heute nicht mehr. Aber vielleicht fährt er ja morgen mit dir."
"Nein, heute."
"Wenn wir uns morgen wieder sehen, dann fahr' ich mit dir, versprochen", meinte Felix. Ich glaubte ihm. Und dann waren er und sein Kumpel weg.
Kurz danach machten wir uns schließlich auf den Weg zur Bushaltestelle. Da Elena und Sarah in eine andere Richtung fahren mussten, wollten sie mich eigentlich nur an meiner Bushaltestelle absetzen und dann zu ihrer weitergehen. Doch irgendwie trauten sie mir nicht zu, dass ich noch alleine Busfahren konnte. Also rief Elena mit meinem Handy Jan, der ebenfalls mit einem Kumpel auf dem Jahrmarkt war, an. Zufälligerweise wollten er und sein Kumpel ebenfalls gerade nach Hause gehen und waren deshalb ganz in der Nähe. Als sie dann schließlich bei uns ankamen, verschwanden Elena und Sarah. Und mit ihnen auch mein Handy.
"Mein Handy is' weg!", rief ich.
"Wie das ist weg?", fragte Jan.
"Ich hatte es eben noch in der Hand, um auf die Uhr zu gucken und jetzt is' es weg!", erklärte ich verzweifelt. "Vielleicht hat es ja Elena eingepackt."
Jan versuchte sie noch einzuholen und währenddessen suchte ich die gesamte (gut gefüllte) Bushaltestelle nach meinem Handy ab. Alles drehte sich, ich konnte kaum was erkennen, also fragte ich die wartenden Leute, ob sie mein Handy gesehen hatten. Aber selbst wenn: Es war gerade mal zwei Monate alt. Keiner würde es mir freiwillig zurückgeben. Und auch bei Elena hatte Jan kein Glück. Mein Handy war weg.

Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Einerseits wegen der Sache mit Felix und andererseits wegen meinem verschwundenen Handy. Jedoch war ich damals tatsächlich so naiv zu glauben, es würde doch irgendwann wieder auftauchen, was bedeutet, ich habe einen Tag deshalb getrauert und mich schlecht gefühlt. Doch schon nach kurzer Zeit war mir das Handy völlig egal und ich musste wieder nur an Felix denken. Ständig bekam ich eine Gänsehaut, wenn ich auch nur an diesen Kuss gedacht hatte. Am Tag nach dem besagten Kuss, schrieb mich Felix schließlich auch im ICQ an.

Felix: So alles wieder klar?
Franzi: Fuck nein.
Franzi: -.-
Franzi: Ich hab voll die Erinnerungslücken und mein Handy verloren. T_T
Felix: Dein Handy?
Franzi: Japp. Irgendwie echt scheiße. >_>
Felix: Kannst es ja orten lassen.
Franzi: Es ist seltsamerweise aus.
Felix: Das ist doof.
Franzi: Tja... Ist halt jetzt so. -.- Schon doof wegen den Bildern und so, aber naja. Mir fehlt halt irgendwie der Wecker. Das wird jetzt das größte Problem sein. T_T
Felix: Bist wenigstens noch gut Zuhause angekommen?
Franzi: Ich bin nirgends runter- oder hochgeflogen falls du das meinst. Also joa.
Felix: Na also.
Felix: Und weißt noch alles?
Franzi: Mhm... nein. Hab paar Blackouts. Aber das was ich weiß ist mehr als peinlich und da wäre es mir eig. lieber wenn ich das auch noch vergesse...
Franzi: Sorry... Ich war gestern echt... Irgendwie richtig blöd...
Felix: Kein Ding. ;-)
Franzi: Doch. Das war echt beschissen. Und sorry, dass Elena und Sarah dich dauernd angerufen haben und so. Die haben deine Nummer aus meinem Ex-Handy, das ich ihnen bestimmt nicht freiwillig überlassen habe.
Felix: Nichts hat mir gestern geschadet.
Felix: Mach dir jetzt kein Kopf drüber.
Franzi: Doch. Mach ich aber. Und ich bin echt zum ersten Mal mehr als total froh, dass keine Schule mehr ist, weil mir das soooo peinlich ist.
Felix: Ich will aber nicht, dass du dir drüber Gedanken machen sollst.
Franzi: Oh Mann. Wenn ich wenigstens noch alles wissen würde, dann hätte sich das alles immerhin gelohnt. -.-
Felix: :-) Was weißt denn nicht mehr?
Franzi: Das wahrscheinlich Beste vom ganzen Abend.
Felix: Das wäre?
Franzi: Du weißt was ich meine.
Felix: Des weißt nicht mehr?
Franzi: Da hab ich nur so Erinnerungsfetzen. Also ich weiß es natürlich schon. So was vergesse ich sicher nie. Aber die Erinnerung ist jetzt echt nicht die Beste.
Felix: Und sonst alles weißt noch?
Franzi: Mhm naja geht so.
Felix: Was hast den getrunken?
Franzi: Eig. gar nicht soviel... >_> Paar Biere und Reddy.
Felix: Du warst halt nix mehr gewöhnt.
Franzi: Tja wahrscheinlich. Ich glaub Alkohol ist echt nix für mich. -.- Man hat ja gesehen, was dann dabei rauskommt.
Felix: Du musst halt nicht so viel trinken.
Franzi: Aber ich wollte soviel trinken.
Franzi: Da verschwindet dann die Hemmschwelle und so...
Felix: Jap des stimmt.
Felix: Das hab ich dir erklärt. ;-)
Franzi: Ich weiß. ^^
Franzi: Dass sie SO verschwindet hätte ich aber nicht gedacht.
Felix: Ich sollte Lehrer werden. :-)
Franzi: Lehrer? In was?
Felix: Äm Alkohollehre
Franzi: Sehr wichtiges Fach. Kannst ja dann mich als Beispiel nehmen. >_>
Felix: Ne sicherlich nicht :-)
Franzi: Warum nicht?
Felix: Ich erkläre es an den Schülern selbst
Franzi: Ist ja blöd. Aber okay, du bist der Lehrer.
Felix: Genau. ^^
Franzi: Na dann. ^^

Oh Gott! Ich war bereit! Bereit mich ins Ungewisse fallen zu lassen. Bereit für Felix. Ich wollte es wirklich wagen. Felix und ich - in diesem Moment war es so nahe. Er liebte mich - ich liebte ihn. Es war perfekt. Nach so langer Zeit des Kummers, des Leidens würden wir nun doch endlich zueinander finden. Ich war überglücklich.

Am nächsten Tag machte ich mit Jan Schluss. Aus unerklärlichen Gründen, schlief ich von Samstag auf Sonntag bei ihm. Am Sonntagmorgen erledigte sich die Sache beinahe von selbst. Wir lagen noch im Bett und redeten über dies und das, als mal wieder zur Sprache kam, dass ich ja noch immer keinen Ausbildungsplatz hatte. Das war damals ein großes Streitthema in unserer Beziehung. Doch als er dann an jenem Sonntagmorgen mit Sprüchen wie "Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich" kam, reichte es mir. Es war nicht so, dass ich dem nicht zustimmte, jedoch gibt es Situationen im Leben, auf die ich keinen Einfluss habe, in denen ich von anderen abhängig bin. Jan verstand das nicht. Wenn es nach ihm ginge, hätte ich die Ausbilder hypnotisieren sollen, um einen Ausbildungsplatz zu kriegen. Für ihn war das alles so leicht. Er war schon seit Jahren ausgelernt und hatte eine feste Arbeitsstelle. Er kannte solche Probleme nicht. Oder nicht mehr. Und dann war es aus.

Noch am selben Abend gingen Elena, Sarah, diesmal auch Steffi und ich auf den Jahrmarkt. Ich war natürlich nur aus einem einzigen Grund dort: Felix.
Egal, ob wir nur in unserer Straße abhingen oder mit dem angeblich größten Kettenkarrussel Deutschlands fuhren, ständig hielt ich die Augen offen, in der Hoffnung ihn endlich zu entdecken. Aber ich wurde enttäuscht. Weit und breit war kein Felix zu sehen und mittlerweile war es auch schon halb elf. Meine Stimmung war bereits am Erdkern angekommen, was auch die anderen bemerkten. Schließlich war es Steffi, die ohne mein Wissen Felix anrief. Sie erzählte mir später, dass sie ihn kaum verstehen konnte, er aber etwas von "abgesperrter Platz" erzählte. Das ist ein Platz, der am Jahrmarkt immer abgesperrt ist und auf den man nur kommt, wenn man sich vorher von Securitys befummeln lässt. Dort finden immer viele Veranstaltungen statt und es gibt auch eine Bühne, auf der richtig coole Bands spielen.
Elena, Steffi und ich (Sarah war bereits auf dem Heimweg) machten uns also auf den Weg zum abgesperrten Platz. Wir standen eine Weile in die Nähe von einem Eingang und lauschten der Musik. Und dann kam er tatsächlich. Ich freute mich riesig, denn jetzt konnte ich ihm endlich sagen, dass das Leben toll ist, weil ich glaube, endlich für ihn bereit zu sein und natürlich, dass ich ihn über alles liebe. Und so. Aber ich schaffte es nicht mal zu einem "Hi". Im Schlepptau hatte er nämliche einige Mädchen und sehr wenig Jungs. Eine von den Mädchen hatte er im Arm. Einige Meter bevor er auf mich zukam, ließ er sie los. Er begrüßte mich wie sonst auch. Okay, er umarmte mich. Aber ziemlich gleichgültig. Und so als wäre nie etwas vorgefallen. Als wäre ich nur irgendjemand. Und nicht sie. Nicht die, die er will. Was bildete ich mir auch ein? Felix und ich? Ein Paar? Nicht mal in einem schlechten Liebesfilm. Ich wusste es doch. Ich wusste doch, dass das nicht funktionierte. Dass er jemand anderes brauchte. Jemand, der nicht so viele Probleme mit sich rumschleppte wie ich. Jemand Perfektes.
Er fragte mich, ob es mir wieder besser gehen würde. Und das wars schon wieder.
"Felix, komm", rief ihm das Mädchen, das er eben im Arm hatte, zu.
"Also ich muss weiter", verabschiedete sich Felix.
"Ja, okay. Ähm… Viel Spaß noch", brachte ich gerade noch hervor. Und schon war er weg.
"Was soll das?!", fragte mich Elena aufgebracht.
"Was denn?"
"Wir haben den ganzen Abend nichts anderes gemacht, als Felix zu suchen… Du hast uns ständig damit genervt und dann steht er direkt vor dir und du machst… Nix!"
"Was hätte ich denn deiner Meinung nach machen sollen?", fragte ich. "Er wollte nicht zu mir. Er hatte was Besseres zu tun. Ach Mann, das ist doch scheiße."
"Das kannst du laut sagen."
Da waren sie schon wieder. Die Tränen. "Mann, was soll ich denn machen, wenn er hier mit wem anders auftaucht?"
Elena drehte sich daraufhin von mir weg und hörte der Band zu. Ich sah sehnsüchtig zu Felix, der mit seinen Freunden nur wenige Meter von uns entfernt stand. Er hatte schon wieder eines der Mädchen im Arm. Ich konnte nicht erkennen, ob es dasselbe wie vorhin war, aber mir wurde in dem Moment klar, dass er zu allen so ist. Er behandelt seine weiblichen Freunde alle gleich. Er nimmt sie alle in den Arm, bringt sie alle so zum Lachen, wie er es immer bei mir getan hatte und sagte womöglich zu jedem Mädchen, dass sie eines der wichtigsten Mädchen in seinem Leben ist. Und das, was ich als Zuneigung empfand, war für ihn so normal wie das tägliche Duschen. Hat er all die schönen Worte nur gesagt, weil er eben so ist? Wusste er tatsächlich nicht, was er damit bei mir auslöste? Hatte er deshalb nie damit aufgehört, obwohl ich ihn darum bat? Aber warum hatte er mich dann geküsst? Weil wir so gebettelt hatten? Er hätte auch einfach nein sagen und verschwinden können. Oder war ich vielleicht eine von vielen, die einen Jahrmarktskuss von ihm bekommen hatte?
Fragen über Fragen, jedoch keine Antworten. Ich fühlte mich so allein und einsam wie schon lange nicht mehr. Ich hielt es einfach nicht mehr aus. "Ich kann nicht mehr. Ich geh'", sagte ich zu Elena und verschwand Richtung Ausgang.
Doch bevor ich den Ausgang erreichte, setzte ich mich auf die Wiese davor und heulte. Wie konnte ein einziges Leben nur so scheiße sein? Als ich mich das fragte, sah ich wie Elena den abgesperrten Platz verlies. Sie sah sehr sauer aus. Ich wollte ihr schon nachgehen und mich für mein dummes Verhalten entschuldigen, aber dazu war ich in diesem Moment zu schwach. Ich wollte einfach nur dasitzen, heulen und mich schlecht fühlen. Doch während ich mich immer und immer wieder fragte, wie ich nur auf den Typen reinfallen konnte, bemerkte ich gar nicht, dass ich Gesellschaft bekommen hatte. "Alles klar bei dir? Siehst nicht so toll aus", meinte ein Typ, der plötzlich neben mir saß.
Erschrocken von seinem plötzlichen Erscheinen, brachte ich nichts hervor.
"Ich heiße Daniel", stellte er sich vor. "Wie heißt du?"
"Ähm... Franzi…"
"Hallo, Franzi. Sagst du mir denn jetzt, was mit dir los ist?"
Ich seufzte. "Typen halt…"
Ich bemerkte, dass er mich anstarrte. "Also, wenn es dir was hilft, dann kannst du es mir gerne erzählen."
Ganz egal, was ich auf dieses Angebot erwiderte, meine Tränen hatten sich bereits entschieden und flossen, als hätten sie das schon ewig nicht mehr getan.
"Heey…", sagte Daniel und nahm mich tröstend in den Arm.
"So ein scheiß verdammtes Arschloch!", schluchzte ich.
"Wer?"
"Dieser Arsch, der mich die ganze Zeit nur verarscht hat!"
"Wenn er dich verarscht hat, dann hat er dich nicht verdient", versuchte dieser Daniel mich zu trösten.
"Er will mich ja nicht mal… Und wegen diesem Arsch hab' ich mit meinem Freund Schluss gemacht."
"Warum bist du jetzt traurig? Weil du mit deinem Freund Schluss gemacht hast oder weil dich dieser Typ verarscht hat?", fragte Daniel, der anscheinend schon zu sehr angetrunken war, um so eine komplizierte Geschichte noch zu verstehen.
"Oh Gott!", sagte ich. "Ich hab' keine Ahnung, warum ich heule. Aber ich glaube, weil ich so blöd war auf ihn reinzufallen. Und weil ich ihn trotzdem noch liebe. Und weil ich meinen Freu…- Ich meine Ex liebe, aber wegen diesem Arschloch in den Wind geschossen hab'."
"Also liebst du beide?"
"Ach… Das verstehst du sowieso nicht…", sagte ich und wischte mir die letzten Tränen mit dem Ärmel aus dem Gesicht.
Erst jetzt musterte ich Daniel genauer. Er hatte seine schulterlangen, schwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und wenn man nach seinem Kleidungsstil ging, war er ein Punk. Zudem sah er zwar nett, aber etwas zugekifft aus. Dieser Eindruck bestätigte sich, als er einen Joint aus seiner Jacke kramte, ihn anzündete, einen Zug nahm und mir vor die Nase hielt. "Willste auch mal? Das beruhigt und macht dich locker."
Einerseits erschrocken und andererseits total fasziniert starrte ich den Joint an. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie gekifft oder sonstige Drogen genommen. Wahrscheinlich auch nur, weil sich mir nie die Möglichkeit bot. Doch als sie damals zum Greifen nah war, dachte ich mir nur: Why not? Jeder tuts. Warum ich nicht?
Mein Leiden wegen Felix kam noch erschwerend hinzu und ich wollte einfach nur wissen, ob es stimmt, was man so Tolles darüber berichtet. Selbst die vielen Securitys und Polizisten, die scharenweise nur wenige Meter von mir entfernt standen, schreckten mich nicht ab.
Gerade als ich Daniel den Joint abnehmen wollte, erinnerte ich mich an ein Gespräch mit Felix. Darin waren wir uns einig, dass wir gar niemals rauchen oder Drogen nehmen würden. Wasserpfeife rauchen, ja. Aber alles andere, nein. Es war doch so dämlich. Das alles. Was tat ich da nur? Ich und Drogen? Seit wann tat ich das was alle tun? Und seit wann, erzählte ich wildfremden Drogenjunkies von meinem Leiden? Seit wann ließ ich mich so von einem Typen verarschen? Und seit wann betrog ich meinen Freund mit jemand anderem? Ausgerechnet ich. Diejenige, die immer und ständig von der großen Liebe redete. Die immer glaubte, niemals zu den Leuten zu gehören, für die Treue ein Fremdwort ist. Die selbst in ein großes Loch fallen würde, wenn ihr eigener Freund sie betrüge.
Bei mir lief in diesem Moment so einiges falsch. Und ich hasste mich dafür. Ich war so, wie ich nie werden wollte. Die vergangenen Wochen war ich ein Monster in Person. Selbst wenn Jan ein Arschloch war, wenn er mich nicht so behandelte, wie man von seinem festen Freund behandeln werden wollte, so hatte er es trotzdem nicht verdient, hintergangen zu werden. Er hatte mich so oft angelogen und angeschrien - aber ich hatte ihn betrogen. Ich war nicht besser als er. Es war nur ein Kuss. Aber das reichte schon, um sämtliches Vertrauen zu verlieren. Um alles kaputtzumachen. Ich war scheiße. Ich hasste mich so sehr.
"Lass mal", lehnte ich den Joint schließlich ab.
Daniel zuckte mit den Schultern und nahm selbst einen weiteren Zug. "Willst denn wenigstens was davon?" Nun hielt er mir seinen Bierbecher, den zwischen seinen Füßen abgestellt hatte, vors Gesicht. Da ließ ich mich nicht zweimal bitten und nahm zwei große Schlücke.
"Ich wird' jetzt mal 'ne Runde um den Platz gehn", verkündete Daniel und stand auf. "Passt du solange bitte auf mein Bier auf?"
Und dann war ich wieder alleine. Ich hatte keine Lust mehr. Eigentlich wollte ich einfach nur noch nach Hause gehn und den Jahrmarkt hinter mir lassen. Die vergangenen drei Tage hatte ich nur Pech. Handy verloren, mit Jan war schluss, Elena war sauer auf mich und Felix entpuppte sich als das Arschloch, das er immer versprochen hatte, nie zu werden. Und nun war ich alleine. Noch nie fühlte ich mich so einsam wie in diesem Moment. Es war das schlimmste Gefühl, das ich je empfand. Und ich freute mich mehr denn je auf mein Bett und darauf, dass auch dieser Jahrmarkt irgendwann endete und damit vielleicht auch meine Pechsträhne. Doch ich musste ja auf das Bier aufpassen. Keine Ahnung warum, aber sobald mir jemand (auch wenn es sich hierbei um einen angetrunkenen Drogenjunkie handelte) etwas anvertraut, passe ich darauf auf, wie eine Vogelmama auf ihre Küken. Erst nach einer gefühlten Stunde kam der Bierbecherbesitzer zurück. Im Schlepptau hatte er einen Kumpel. Als sich beide neben mir ins Gras fallen ließen, drückte ich Daniel sein Bier in die Hände, stand auf, murmelte noch etwas von wegen "Ich geh' auch mal 'ne Runde" und verschwand. Zwar ging ich tatsächlich noch einige Male über den abgesperrten Platz (wollte ja noch unbedingt einen letzten Blick auf Felix erhaschen), jedoch schien es mir dann letztendlich doch zu aussichtslos zu sein. So ging ich nach Hause, ohne Felix noch ein letztes Mal gesehen zu haben. Und leider auch ohne ihm eine reingeschlagen zu haben.

Franzi: Hey
Felix: Hey
Franzi: Na wie gehts?
Felix: Gut gut dir?
Franzi: Eig. total scheiße, aber dadurch dass es jetzt nicht mehr schlimmer kommen kann, super.
Franzi: Und wir war der Jahrmarkt noch so die letzten Tage?
Felix: Ganz cool. Warst jeden Tag?
Franzi: Nein. Gestern nicht mehr und heute auch nicht. Ich hasse den Jahrmarkt.
Franzi: Aber immer wieder schön, die detailliert du das beschreibst... ^^
Felix: Ja ich hab hab
Felix: Aui
Felix: Äm
Felix: Ich hab halt en bisschen viel erlebt die paar Tage seit Freitag
Franzi: Naja, soviel Details wollt ich ja auch wieder nicht. ^^
Felix: :-D
Felix: Und heut Abend bleibst daheim oder was?
Franzi: Japp.
Felix: Ist ja langweilig.
Franzi: Ja naja, hab eh niemanden zum hingehen. Weil Elena und Sarah sind sauer auf mich... >_>
Felix: What warum das?
Franzi: Ich war blöd. -.- Naja, ich sag ja, dass mir der Jahrmarkt nur Pech gebracht hat.
Felix: Erzähl.
Franzi: Handy verloren, Streit mit Sarah und Elena, Freund weg und paar so andre Sachen.
Felix: Ist ja doof.
Fanzi: Du hast ne Freundin? ^^
Felix: Noch nicht
Felix: Wieso?
Franzi: SVZ Status? o_O
Felix: Verliebt?
Felix: Heißt noch nicht vergeben.
Franzi: Bei manchen schon.
Felix: :-)
Franzi: Na dann
Felix: Joa.
Franzi: Weißt du noch was ich dir am 22. Juni um 21:27:25 gesagt hab?
Felix: Ne was?
Franzi: Hast keinen Verlauf?
Franzi: Manchmal sind die Teile echt praktisch. ^^
Felix: Franzi (22.06. 21:27): Mir würde es schon helfen, wenn du nicht dauernd Dinge sagst, die du gar nicht so meinst
Franzi: Damit meine ich auch Dinge, die man tun kann. Nicht nur was man sagen kann. Oder so.
Felix: Was hab ich jetzt falsch gemacht?
Franzi: Freitag?
Felix: Ja und?
Franzi: Ich war betrunken.
Felix: Ich auch.
Franzi: Nein nicht mal annährend so wie ich.
Felix: Blöd dass ich über 1,1 Promille in mir hatte.
Franzi: Wie hast du das nachgemessen?!
Felix: Mein Kumpel hat sich für 60 Euro ein Promillemessgerät gekauft des bis 4 Promille geht.
Felix: Ich war im Gemeindehaus trinken
Felix: dann hab ich gemessen als ich gegangen bin.
Felix: Ne halbe stunde später hab ich dich getroffen.
Franzi: aha
Felix: Jap
Franzi: oh mann
Felix: mhm?
Franzi: ich glaub ich fahr heut Riesenrad. -.- Das ist schön hoch.
Felix: und dann?
Franzi: Was kann man denn in nem Riesenrad machen, das schön hoch und kaum abgesichert ist?
Felix: solche Gedanken find ich übelst scheiße darum denke ich darüber gar nicht nach
Franzi: nein weil ich das grad einfach total peinlich und beschissen finde und so drücke ich meine Gefühle aus. sterben würde ich so nie wollen. das ist mir zu brutal. Und das weißt du auch. Du kennst mich doch.
Felix: muss dir gar nix peinlich sein
Felix: es ist halt nun mal passiert
Felix: fertig
Franzi: scheiße wars ja
Franzi: also alles
Franzi: Gott wie dumm ich bin.
Felix: man kann eh nix mehr ändern
Felix: also vergessen wir die Sache einfach
Franzi: nichts lieber als das

 

Kapitel 26 - Weil Herzen lautlos brechen

Ich sitze in der Fahrschule. Da ich kurzfristig länger arbeiten musste und es sich nicht gelohnt hätte nach Hause und wieder in die Stadt zu fahren, bin ich mal wieder viel zu früh dran. Eigentlich wollte Jan mitkommen, aber ihm geht es nicht gut, weshalb ich dort nun alleine sitze. Als ich gerade eine SMS an ihn schreibe, öffnet sich die Tür. Durch das SMS-Schreiben bin ich jedoch so abgelenkt, dass ich nicht bemerke, wer die Fahrschule betritt. Erst als die Person gegenüber von mir Platz nimmt, heb' ich meinen Blick: Felix sitzt mir gegenüber. Mein Herz fängt natürlich sofort an zu pochen. Felix bemerkt meine Anwesenheit zwar ebenfalls, doch außer einem Nicken und ein leises "Hi" bekomme ich nichts.
So sitzen wir uns gegenüber. Und das für mehr als zwei Stunden. Während dem ganzen Unterricht versuchen wir zu vergessen, dass wir uns gegenüber sitzen. Es ist seltsam. Als wären wir Fremde. Seit dem Jahrmarkt hatten wir keinen Kontakt mehr. Und dann so was.
Nach dem Unterricht stehen wir beide am Empfang und füllen das Kärtchen aus, wo notiert ist, wie oft jemand schon im Unterricht war. Ich hab' nicht mehr viel Zeit und nehm' schließlich meinen ganzen Mut zusammen. "Alles klar bei dir?", frage ich Felix.
Einerseits überrascht und andererseits erleichtert sieht er mich an und meint: "Ja klar, und bei dir?"
"Ja, passt schon", antworte ich. "Und? Bist du heute zum ersten Mal hier?"
"Ne, eigentlich zum zweiten Mal, aber habs die letzten Wochen nicht wirklich geschafft hierher zu kommen. Und du?"
"Ähm, ne, bin schon seit etwas mehr als einem Monat hier."
"Mhm…"
Nun sagt keiner mehr etwas.
"Fährst du gleich mit dem Bus nach Hause?", fragt mich Felix.
"Leider nicht gleich. Der nächste Bus kommt erst wieder in einer halben Stunde", stöhne ich.
"Ist ja blöd… Aber weißt du was? Ich bin heute so sozial und warte mit dir auf deinen Bus", schlägt Felix vor.
Während wir zusammen auf den Bus warten, gestehen wir uns gegenseitig, dass wir uns total vermisst haben und, dass das Alles ein einziger Irrtum war. Von diesem Augenblick an, sind wir wieder die besten Freunde und das halbe Jahr Funkstille ist vergessen…

So und so ähnlich hab' ich mir immer ein Treffen mit Felix vorgestellt. Aber natürlich kam es nie zu einem solchen Treffen. Wir sahen uns nicht mehr. Wir schrieben nicht mehr. Aus uns wurde das, wovor ich immer Angst hatte: Fremde.

*****

Das Reddy-Schild hing nach dem Jahrmarkt nicht mehr an der üblichen Stelle. Über ein halbes Jahr hing es dort und hielt mir immer und ständig vor Augen, wie sehr ich mich auf den Tag freute, an dem ich wieder aus einer Reddy-Flasche trinken würde. Denn es sollte der Tag sein, an dem der Jahrmarkt wieder in der Stadt war. Reddy war für mich ein Zeichen für den Jahrmarkt. Dass es schließlich die Hölle werden würde, konnte niemand ahnen.
Als das Schild nicht mehr hing, war es für mich so, als würde jemand lachen und ein "Haha, reingefallen" rufen, "umsonst gefreut".

Nach dem Jahrmarkt war nichts mehr so wie es vorher war. Keine Woche nach dem Kuss, hatte Felix auf dieser gewissen Schülerseite ein neues Bild hochgeladen. Darauf waren er und seine Freundin zu sehen. Er hatte sie im Arm und beide lachten in die Kamera. Allen anderen sollte das wahrscheinlich auch nur sagen, wie froh Felix doch war, dass er seine Freundin hatte. Mir aber wollte er damit sagen: Guck mal, Franzi, ich hab' ne Freundin! Wir sind super glücklich! Na, merkst du jetzt endlich, dass ich dich die ganze Zeit nur verarscht habe und gar nicht brauche? Wie konntest du nur glauben, dass ich tatsächlich Gefühle für dich haben könnte? Du bist mir so was von scheißegal und ich bin so froh, dass ich dich nun endlich losgeworden bin!
Genau das wollte er mir mit diesem Bild sagen. Zumindest empfand ich das damals so.
Zwar schrieb mich Felix einmal nach fast drei Wochen und ein andermal irgendwann im September an, jedoch waren das Gespräche, die kaum der Rede wert waren. Beim ersten Mal meinte er, er könne so tun, als sei nichts gewesen. Da ich aber gerade auf dem Sprung und übrigens immer noch sauer und verletzt war, ließ ich ihn das auch spüren und verschwand schließlich nach einer Minute schreiben mit einem schlichten "Ich muss gehen. Bye."
Beim zweiten Mal fragte er lediglich wie es mir ginge und ob ich noch zur Schule gehen würde. Das dauerte zehn Minuten und dann verschwand er. Und das wars.
Die Monate vergingen und von Felix hörte ich noch immer nichts. Obwohl es immer heißt, die Zeit heilt alle Wunden, wurde es mit jedem Monat schlimmer. Die Tatsache, dass ich mich so von einem Typen verarschen ließ und das auch noch von Felix, nagte zu sehr an mir.

Als es mir zuviel wurde, schrieb ich Felix einen Brief, in der Hoffnung, endlich darüber hinweg zu kommen.

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Lieber Felix,

ich schreibe das hier, um endlich darüber hinwegzukommen. Um vielleicht auch zu verstehen, was genau passiert ist. Und warum. Ich will Dir soviel erzählen und Dich soviel fragen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.
Ich versteh' immer noch nicht, warum das alles so gekommen ist. Du wusstest die ganze Zeit, dass ich noch Gefühle für Dich hatte. Du wusstest, dass ich bei jedem Kompliment von Dir schwach werden würde. Und Du wusstest auch, dass ich alles für Dich getan hätte. Ich war in Dich verliebt, wie in noch keinen anderen. Und Du hast es ausgenutzt.

Die ganze Zeit hast Du mir erzählt, wie toll ich doch sei. Immer wieder wolltest Du mich in Deiner Nähe haben. Du warst sogar so hinterhältig und hast mir meinen Freund schlecht geredet.
Wie oft hast Du mir eingeredet mein Freund hätte mich nicht verdient, würde mich scheiße behandeln und ich sollte doch einfach nur Schluss machen? Am Ende hab' ich es sogar getan... Um dann festzustellen, dass es ein großer Fehler war.

Warum hast Du mir immer und immer wieder Hoffnungen gemacht?
Warum hast Du nicht einfach vor drei Jahren gesagt, dass aus uns nie was wird?
Warum hast Du mich vor einem halben Jahr geküsst?
Und warum bin ich Dir dann so egal, dass Du mir sagst, der Kuss sei ein Fehler gewesen und wir sollten das alles vergessen?
Und warum warst Du keine drei Tage später mit einem anderen Mädchen zusammen? Warum hast Du mir erzählt, ich sei eines der wichtigsten Mädchen in Deinem Leben, wenn ich Dir doch sowieso scheißegal bin, sobald Du eine Freundin hast?
Warum ignorierst Du mich?
Warum können wir heute keine Freunde mehr sein?
Und warum macht es Dir Spaß mir weh zu tun?
Fragen, die Du mir mit großer Wahrscheinlichkeit nie beantworten wirst. Über die ich mir noch ewig den Kopf zerbrechen werde...

In letzter Zeit geht es mir ziemlich beschissen. Es gibt zwar noch andere Gründe für meine Gefühlslage, jedoch bist Du - wie immer - der Hauptgrund.
Seit einem halben Jahr haben wir nun schon keinen Kontakt mehr und man sollte eigentlich annehmen, dass ich so langsam mal darüber hinweg kommen würde. Tu ich natürlich nicht. Es ist ein ständiger Wechsel zwischen Gleichgültig- und Abhängigkeit. Einerseits denke ich nicht mehr 24 Stunden am Tag an Dich wie früher. Ich kann so langsam wieder Lieder hören, die mich an Dich erinnern, ohne, dass ich sofort in Tränen ausbreche. Ich überlege mir nicht mehr dauernd, was Du wohl gerade machst. Ich interessiere mich nicht mehr für Deine Hobbies. Du interessierst mich nicht mehr. Und ich nehme mir vor, dass das auch so bleibt. Aber das Alles ist vergessen, sobald Du vor mir stehst. Dann hab' ich das Gefühl, mein Herz explodiert gleich und all meine guten Vorsätze lösen sich in Luft auf. In den letzten Monaten kam es zum Glück nur viermal vor, dass ich Dich sah. Einmal kam ich gerade vom Arbeiten. Es war November und Du bist mit dem Fahrrad an mir vorbeigefahren. Ich hab' mich noch gewundert, warum Du im November mit dem Fahrrad zur Schule fährst. Das hast Du früher nie gemacht. Dir wars so kalt, dass Du sogar lieber auf den Bus gewartet hast, der direkt an der Schule hält, statt zu laufen. Ich werde es Dich wohl nie fragen können.

Wenn Du es dann tatsächlich schaffst, mich wieder an Dich denken zu lassen, läuft bei mir das volle Programm ab. Ich werde depressiv und trauere der Vergangenheit nach. Ich lese die alten Chatgespräche mit Dir immer und immer wieder durch. Manchmal kommen mir dabei die Tränen. Einerseits deshalb, weil der Frühling letztes Jahr so wunderschön war und mich beim Lesen jedes einzelne Gefühl von damals wieder durchströmt. Andererseits, weil ich mich bei jedem zweiten Satz von Dir nun frage, wie viel Ehrlichkeit wohl dahintersteckte, ob Du tatsächlich tiefere Gefühle für mich hattest. Wahrscheinlich will ich es nicht wissen. Manchmal ist eine schöne Lüge doch besser, als eine traurige Wahrheit, die meine Seifenblasenwelt zum Platzen bringen würde.

Am liebsten würde ich jetzt sagen, dass alles gut ist, so wie es jetzt ist, aber das wäre eine Lüge. Denn die Wahrheit ist, ich vermisse Dich. Ich vermisse das Schreiben mit Dir. Ich vermisse Deine Art mich zum Lachen zu bringen. Ich vermisse Dich als Freund.
Du warst mein bester Freund. Und ich würde gerne meinen Gefühlen die Schuld daran geben, dass es heute nicht mehr so ist, aber ich denke das ist eine Lüge. Ich glaube die Tatsache, dass Du nun eine Freundin hast, ist genauso daran schuld.
Du hast mich behandelt wie ein Spielzeug. Solang Du keine Freundin hattest, war ich Dir gut und recht. Vielleicht war ich so etwas wie eine Notlösung. Oder ich war nie Etwas für Dich. Vielleicht hat es Dir nur Spaß gemacht in meinem Leben alles durcheinander zu bringen. Vielleicht habe ich mich die ganze Zeit in Dir getäuscht und Du warst in Wirklichkeit genauso wie alle anderen Typen. Nur ich war blind vor Liebe.
Und das Schlimmste ist: Das glaub' ich nicht.
Nicht mal, wenn Du es mir selbst gestehst. Ich würde nie glauben, dass das alles Absicht war. Ich würde nie glauben, dass Du mir mit Absicht so weh getan hast. Aber ich würde es gerne wollen.

Und weißt Du was? Ich bin fies. Bescheuert. Einfach nur scheiße. Denn ich wünsche mir im Moment nichts sehnlicher, als dass es zwischen Dir und Deiner Freundin aus ist. Aber das nicht, weil ich eifersüchtig bin. Nein, einfach nur, weil ich meinen besten Freund wieder haben will. So wie er früher war und heute hoffentlich noch ist. Mir ist natürlich bewusst, dass Frauen die Besten sind, was die Manipulation von Männern betrifft. Deshalb... Wer weiß, was sie aus Dir gemacht hat?
Du warst ja schon ein Arsch mir gegenüber, als Du nur in sie verliebt warst. Wie bist du dann jetzt, wo ihr doch zusammen seid?

Ich denke, als wir damals im Sommer schon einmal ungewollt keinen Kontakt mehr hatten, hatte das schon seine Richtigkeit. Aber nein, ich hab' Dich ja sooo vermisst und musste den Kontakt unbedingt wieder aufbauen. Hätte ich es damals so belassen, wie es war, wären wir das zweite Schuljahr wie Fremde aneinander vorbeigegangen. Ich könnte mich dafür Ohrfeigen! Aber ist es nicht immer so, dass man am Ende schlauer ist? Ich bin es auf jeden Fall.

Wie sinnlos das Alles ist... Am Meisten die Hoffnung... Die wie immer umsonst ist.
Ich sollte endlich aufhören so viel zu hoffen. Nur leider hat mein Verstand nicht so ein gutes Durchsetzungsvermögen wie mein Herz.

Ich wollte nur, dass Du das alles weißt. Dass du Dir zumindest annährend vorstellen kannst, wie es in mir aussieht. Ob es Dich interessiert oder nicht, ist mir egal. Du hast Dich ja auch nicht dafür interessiert, ob Du mir mit Deinen Bemerkungen oder Deinem Handeln wehgetan hast.

Franzi

P.S.: Letztens hab' ich mich gefragt, ob Du wohl noch Klavierstunden nimmst. Oder ob Du mittwochs Mittagschule hast und sie deshalb nicht mehr nehmen kannst.
Du wolltest mir auf dem Klavier mal etwas vorspielen. Vorgespielt hast Du mir viel. Nur nie auf dem Klavier. Erinnerst Du Dich an Die fabelhafte Welt der Amelié? An Lied Nummer 4 aus dem Soundtrack? Du hast mal gesagt, Du kannst es spielen. Es sei ja so einfach. Ich hätte Dir dabei gerne mal zugehört. Jetzt ist es zu spät. Und mir bleibt einzig und allein die Erinnerung an Dich, wenn ich dieses Lied höre.

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Ich habe den Brief niemals abgeschickt.
Stattdessen versank ich immer mehr im Selbstmitleid. Besonders schlimm wurde es gegen Ostern und Pfingsten hin. Denn das war ein Jahr zuvor unsere Zeit. Es war die Zeit, in der wir oft bis weit nach zwei Uhr morgens im ICQ schrieben. Die Zeit, in der sich unzählige Chatlogs ansammelten. Die Zeit, in der ich so glücklich war. Und mir nicht vorstellen konnte, jemals ohne Felix leben zu können.
Und dann, ein Jahr später war es soweit. Felix gehörte nicht mehr zu meinem Leben. Alles war anders. Und ich wusste, dass es niemals mehr so wie früher werden würde und ich trauerte der Vergangenheit nach.
Auch in dieser Zeit gab es wieder Songs, die mich während meiner Depriphase begleiteten.
Entweder erzählte mir Gloria Gaynor, was mir durch den Kopf gehen sollte…

At first I was afraid I was petrified
Kept thinking I could never live without you by my side,
But then I spent so many nights thinking how you did me wrong
And I grew strong and I learned how to get along…

… Weren't you the one who tried to hurt me with goodbye
You'd think I crumble you'd think I'd lain down and died
Oh no, not I, I will survive
For as long as I know how to love I know I'll stay alive,
I've got all my life to live,
I've got all my love to give
And I'll survive, I will survive.
It took all the strength I had not to fall apart
Kept trying' hard to mend the pieces of my broken heart,
And I spent oh so many nights
Just feeling sorry for myself. I used to cry
But now I hold my head up high
And you see me somebody new
I'm not that chained up little person still in love with you,
And so you feel like droppin' in
And just expect me to be free,
Now I'm savin' all my lovin' for someone who's lovin' me

Oder Christina Stürmer erinnerte mich daran, wie es wirklich in mir aussah.

… Kommst auf mich zu,
ich tu ganz kalt und werd dich 100% ignorieren.
Du sollst dir denken
ich werd mich für deine Worte gar nicht interessieren.
Es tut mir leid ich muss jetzt wirklich bald nach Haus',
und überhaupt ist diese Party für mich aus…

… Ich will dich einfach nur berühren,
möchte dich ganz nah' hier bei mir spüren.
Und wir lachen und weinen zusammen.
dabei ist mir bewusst,
dass ich wieder zurück muss,
zurück ins hier…

… Denn es spielt ein Orchester in mir,
wenn ich dich nur seh' sind da 1000 Melodien.
Und ich will es nicht mehr hören,
ich kann nicht mehr,
denn du gehörst zu ihr doch in all dem Lärm hier
spielt ein Orchester in mir…

Und natürlich Mika, der anscheinend ein Lied nur für mich  geschrieben hat.

This is the way you left me,
I'm not pretending.
No hope, no love, no glory,
No Happy Ending…

… Wake up in the morning, stumble on my life
Can't get no love without sacrifice
If anything should happen, I guess I wish you well
A little bit of heaven, but a little bit of hell…

This is the hardest story that I've ever told
No hope, no love, no glory
Happy endings gone forever more
I feel as if I'm wasted
And I'm wastin' every day

This is the way you left me,
I'm not pretending.
No hope, no love, no glory,
No Happy Ending.
This is the way that we love,
Like it's forever.
Then live the rest of our life,
But not together.

Two o'clock in the morning, something's on my mind
Can't get no rest; keep walkin' around
If I pretend that nothin' ever went wrong,

I can get to
my sleep
I can think that we just carried on…

… A Little bit of love, little bit of love
Little bit of love, little bit of love…


Er fehlte mir so sehr. Ich konnte nirgendwo, wo ich jemals mit ihm war, hingehen, ohne sofort an ihn denken zu müssen. Der Weg an der Schule, den wir mitten in der Nacht hochgelaufen sind, alle Läden in der Stadt, die wir damals besuchten, der Ort an dem unsere Abschlussfeier stattfand, das Kino, die Eishalle, dieses Café, indem wir damals, als wir zu fünft auf dem Weihnachtsmarkt waren, saßen, die Bushaltestelle, wo es geschah und natürlich und vor allem die Schule, die uns erst verband.
Manchmal, wenn ich an einem dieser Orte bin, überlege ich, wie nah sich doch Vergangenheit und Gegenwart sind. Wenn ich jetzt hier an Ort und Stelle stehen bleiben würde und die Zeit zurückdrehen könnte, dann könnte ich nicht nur die unzähligen Menschen, die in all der Zeit an dieser Stelle waren, beobachten, sondern auch mich selbst. Ich stelle es mir immer wie in den Filmen vor, in denen jemand im Zentrum von Etwas steht und die Menschen rasen in einer enormen Geschwindigkeit an einem vorbei. Und ich wäre wie der Fisch im Aquarium, der als stiller Beobachter sein Umfeld betrachtet.
Ja, wenn man die Zeit zurückdrehen könnte, dann könnte ich mich selbst dabei beobachten, wie ich zum Beispiel Felix beobachtete, als dieser sich in der Umkleidekabine im New Yorker umzog. Oder wenn ich an unserer Bushaltestelle stehe und zu der Stelle sehe, an dem es geschah, dann spielt sich vor meinen Augen immer derselbe Film ab. Immer sehe ich mich total betrunken in Felix' Arme liegen und Felix, der mich tröstet und schließlich küsst. Und manchmal sehe ich mich dann zu mir selbst hinlaufen. Ich sehe wie mein eines Ich das andere Ich ohrfeigt und dann von dieser schrecklichen Stelle wegzerrt. Oder ich stehe einfach nur daneben und guck mir mein Leben an, als wäre es ein Film.
Tja, wenn man doch nur die Zeit zurückdrehen könnte…

*****

Eines Nachts hatte ich einen Traum. Ich weiß nicht mehr genau um was es ging. Ich weiß nur noch, dass darin eine riesige Explosion vorkam. Und ein Blick in mein Traumdeutungsbuch verriet mir folgendes:

Explosion: In einer Sache ist es dringend notwendig, dass es zu einer Aussprache kommt, da Sie sonst zu "platzen" drohen.

Natürlich musste ich da sofort an Felix denken. Warum? Einerseits weil ich damals sowieso ständig an ihn dachte und andererseits weil es zum damaligen Zeitpunkt nichts anderes in meinem Leben gab, dass eine Aussprache nötig hatte. Und nach ewig langem Hin und Her konnte ich tatsächlich soviel Verzweiflung und Mut für die folgende Mail aufbringen…

------------------------------------------------------------

Hey du,

wie gehts so? Denk mal gut.

Erinnerst du dich noch an meine "1oo Fragen, die ich unbedingt loswerden muss"-Liste? Naja, wohl eher nicht… egal, aber Überraschung! - die letzte dieser Fragen geht auch noch an dich. Nämlich die Frage, wie ich zu der Ehre komme. Von "jeden Tag schreiben" runtergestuft zu werden auf "gar keinen Kontakt". Ich weiß, dass das letztes Jahr alles total scheiße gelaufen ist, aber deshalb gleich den Kontakt ganz abbrechen? Und das auch noch ohne irgendein Wort. Hättest ja sagen können, dass du nie wieder etwas mit mir zu tun haben willst, aber gleich die feige Art? Du konntest mir ja nicht mal zum Geburtstag gratulieren.

Ich weiß es ist dir scheißegal, aber nach dem von letztem Jahr, gings mir danach ewig lang total dreckig und auch heute muss ich noch oft an diese Scheiße denken.
Weißt du, am Anfang war ich einfach nur wütend und verletzt. Und ich hab echt nur gedacht: Jetzt bist du genau so, wie du immer versprochen hast nie zu sein.
Aber mittlerweile denk ich mir, ich bin selbst Schuld. Wer so naiv und dumm ist und zum zweiten Mal einem Typen so bescheuert vertraut und ihm selbst die dümmsten Lügen abgenommen hat, hats nicht anders verdient. Die Sache ist jetzt hoffentlich endlich gegessen und ich hoffe wirklich, dass du glücklich bist und, dass es dir gut geht.

Aso, ja, wollte dich noch darum bitten, das Bild von mir, von Köln, zu löschen. Werde mich demnächst vorerst ausm SVZ löschen, weil ich nicht mehr dauernd an die Scheiße erinnert werden will, und da will ich nicht, dass noch Bilder von mir im Internet kursieren.

 

Franzi

------------------------------------------------------------

Am 22. Juni schickte ich im diese Mail. Er war jeden Tag mehrmals online. Jedoch verflogen trotzdem weitere zwei Wochen ohne eine Antwort von ihm. Erst war ich sauer und natürlich traurig… Ich machte ihm sozusagen ein Friedensangebot und dem Idioten schien das egal zu sein. Ich schien ihm egal zu sein. Doch dann war es mir irgendwann egal. Er war mir egal. Ich glaubte mich am Ziel zu sehen. Ich glaubte ihn endlich aus meinem Leben, aus meinem Herzen verbannt zu haben. Und dann löschte ich mich aus dem SVZ und die Hoffnung, jemals wieder etwas von ihm zu hören, verschwand.
Bis zum jenem Mittwoch.

Ich war gerade dabei Google zu fragen, wie lange Eintagsfliegen leben, als ich im ICQ eine Nachricht von jemandem, der nicht in meiner Kontaktliste war, bekam. Dachte natürlich sofort an diese ganzen Spams, die ich Dank meinem russischen ICQ-Clienten im Überfluss bekam. Als ich mit der Maus auf das Postzeichen ging und dann die ICQ-Nummer erschien, klopfte mein Herz wie wild: Es war die einzige ICQ-Nummer, die ich auswendig konnte. Die ICQ-Nummer, die ich mir immer und immer wieder ansah, während ich auf eine Antwort von ihm wartete. Es war Felix' ICQ-Nummer.

Felix: Hallo? Jemand da?
Franzi: Hey
Felix: Ich wollte mir dir eher im ICQ wegen dem Thema das du im SVZ angesprochen hast reden.
Franzi: Okay.
Felix: Also
Felix: ich dachte eig. du willst den Kontakt mit mir abbrechen.
Franzi: Warum sollte ich so was wollen?
Felix: An dem Tag danach haben wir ja im ICQ geschrieben
Felix: und dann hast du gesagt, dass es ein Fehler war und dass es dir Leid tut
Felix: und dich hab glaub auch gesagt, dass es mir Leid tut.
Felix: Und ab da an hab ich nix mehr von dir gehört.
Felix: Also dachte ich eher, dass du keinen Kontakt mehr willst.
Felix: Und ich konnte das verstehen und hab dich in Ruhe gelassen.
Franzi: Naja, ne du hast mich ca. ne Woche oder so danach angeschrieben und da konnte ich ja nicht schreiben und war gleich weg und dann hast du mich mal noch mal angeschrieben und da hab ich, dachte ich eig., nicht den Eindruck gemacht, dass ich noch irgendwie böse oder sonst was in der Art wäre. Aber da warst du ja dann gleich wieder weg.
Franzi: Und da ich nicht wusste, wies in dir aussieht, bin ich mal davon ausgegangen, dass du nie wieder Kontakt willst und so.
Felix: Ja, siehste. Ich glaub wir sind da irgendwie aneinander vorbei geraten.
Franzi: Mhm, wahrscheinlich.
Felix: Also von mir aus gesehen wollte ich den Kontakt nicht beenden.
Franzi: Ich eig. auch nicht.
Felix: Na dann. :-)
Franzi: Mhm jo.
Felix: Erzähl mal was. Was hast denn das letzte Jahr alles gemacht?
Franzi: Zuviel, als dass es hier in ein Fenster passt.
Franzi: Und du?
Felix: Kann ich auch sagen.

Dass er mich angeschrieben hatte, kam so überraschend, dass ich gar nicht wusste, was ich schreiben sollte. Ich war echt überfordert. Da war ich doch fast ein Jahr lang der festen Überzeugung, Felix sei doch das Arschloch, dass er immer versprochen hatte nie zu werden. Und dann schreibt er mir einfach so und alles Schlechte was ich über ihn gedacht hatte, scheint falsch zu sein. Alles war nur ein Missverständnis.
Zwar war ich anfangs schon ziemlich glücklich darüber wieder mit ihm zu schreiben und so, jedoch blieb ich diesmal auf dem Boden der Tatsachen. Ich wusste, dass dieses Schreiben mit ihm eine einmalige Sache war und machte mir keine Hoffnungen, dass wir doch jemals wieder zueinanderfinden würden. Und ich behielt Recht.
Felix schrieb mich nach unserer "Versöhnung" nochmals an und danach war es so wie auch schon die Monate zuvor. Selbst als ich ihm nach fast zwei Monaten zum Geburtstag gratulierte, kam kein Danke oder ähnliches. Es war nicht mehr so wie früher und es würde nie wieder so wie früher werden.

*****

Jan und ich sind mittlerweile wieder zusammen. Noch am selben Abend (naja, eigentlich war es schon Nacht), an dem ich die Begegnung mit Drogen-Daniel hatte, haben wir nochmals über alles geredet und bereits am nächsten Tag waren wir wieder zusammen. Als ich dann am darauffolgenden Tag die Unterhaltung mit Felix führte, war ich mehr als glücklich über meine Entscheidung.

Auch reden Celina und ich wieder miteinander. Als wir zufällig mit demselben Bus fuhren, es war Mitte Oktober oder so, setzte ich mich einfach neben sie und fragte, wie es denn so geht. Seither schreiben wir wieder im ICQ und setzen uns im Bus nebeneinander. Mehr aber nicht. Auch aus uns werden nie wieder die Freundinnen, die wir mal waren. Zuviel ist schon passiert und zuviel haben wir voneinander verpasst. Jeder lebt sein eigenes Leben - ohne den jeweils anderen.

*****

Früher war es unvorstellbar für mich, ohne Felix zu leben. Früher war ein Tag, ohne mit ihm geschrieben zu haben, ein verlorener, ein sinnloser Tag. Heute ist es Alltag. Und es ist besser so.
Felix hatte mich daran gehindert mich zu entfalten. Ich wollte immer so sein, wie es ihm gefallen könnte. Fühlte mich teilweise als Schauspielerin, wenn ich in seiner Nähe war. Und durch seine undefinierbare Art verunsicherte er mich ständig und ich hatte das Gefühl mich ändern zu müssen. Einfach nur für ihn interessant sein. Das war mein einziger Wunsch. Und letztendlich versagte ich. Zum Glück.
Ich denke nicht, dass er mich hätte glücklich machen können. Die ganzen Mädchen, die er ständig um sich herum hatte, seine kindische Art, die ein ernstes Gespräch nur sehr selten möglich machte und… Es passte einfach nicht. Für mehr als Freunde waren wir einfach nicht bestimmt. Und ich wusste es von Anfang an. Bei meinem Tagebucheintrag vom September 2007, in dem sein Name zum ersten Mal erwähnt wird, steht direkt daneben: Das mit uns wird aber nie was. Was ich auch gut finde. Allein schon wegen Celina. Und wenn nicht das: Die Tatsache, dass er sich null für mich interessiert, verhindert sowieso schon jegliches Zusammenkommen. Im Moment bleibt mir also nichts anderes übrig, als abzuwarten, dass die Gefühle nachlassen, ich merke, dass Felix ein Arschloch ist und ihn schließlich nicht mehr mag. Nein, im Ernst. Er und ich? Niemals!
Jan hingegen ist toll. Er ist das komplette Gegenteil von damals. Und das Wichtigste: In seiner Gegenwart bin ich, ich selbst. Ich fühle mich wohl in seiner Nähe. Er lässt mich so wie ich bin und ich habe auch nicht das Bedürfnis mich ändern zu müssen.

*****

Elena hatte mal gesagt: "Felix war schon immer die große Liebe und er wird es auch immer bleiben." Und da Elena meine Seelenverwandte ist und mich und mein Ich besser kennt als irgendjemand anderes, darf sie auch einen so gewagten Satz in den Raum stellen.
Denn ich denke sie hat Recht.
In meinem Leben hatte ich noch nie diese Gefühle, die ich bei Felix hatte. Doch trotz diesen Gefühlen, muss ich loslassen. Ich kann ihm schließlich nicht ewig hinterher trauern.
Jedoch wird es wahrscheinlich noch sehr, sehr lange dauern, bis ich über ihn hinweg bin. Falls ich das jemals schaffe. Und selbst wenn ich es schaffe - an ihn denken, werde ich mein Leben lang.

Ich bereue es nicht, ihn kennengelernt zu haben. Und ich bereue auch nicht, was damals auf dem Jahrmarkt passiert ist. Jan gegenüber tut es mir zwar leid, aber ich weiß ganz genau, wenn es nicht passiert wäre, dann würde ich mich wohl heute noch fragen, wie es ist.
Jedoch bereue ich, dass ich auf ihn hereingefallen bin. Dass ich ihm alles glaubte, ihm blind vertraute. Dass ich ihm soviel Macht über mich gab. Dass ich letztendlich nur seine Marionette war.
Und es tut so weh. Zu wissen, dass das was dir so wichtig war, eine einzige Lüge ist. Dass du so leicht beeinflussbar bist. Dass er sie wahrscheinlich küsst, während du heulend auf dem Bett liegst und euer Lied anhörst. Dass er sich nicht einmal mehr an dich erinnert. Es tut einfach nur weh, dass ihm egal ist, wie sehr du leidest. Und, dass er es auch niemals wissen wird - weil Herzen lautlos brechen.

 




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