troublebreathing ♥

Kapitel 13 - Nur einen Kuss... Mehr will ich nicht von dir...

Der Jahrmarkt ging am nächsten Tag in die zweite Runde. Diesmal war ich mit Celina und Sandra verabredet. Wir gingen in der Hauptschule in dieselbe Klasse. Als  Celina und ich weiterhin zur Schule gingen, fing Sandra ihre Ausbildung in einer Bäckerei an, weshalb sie immer weniger Zeit hatte und wir uns kaum noch sahen.
Als ich an der Bushaltestelle, wo wir uns treffen sollten, ankam, warteten meine Freundinnen bereits auf mich. Sandra begrüßte mich sofort mit einer Umarmung, während Celina nur ein leises "Hi" für mich rausquetschte. Es war richtig komisch zwischen uns. Und so blieb es auch den restlichen Abend über. Wobei unser gemeinsamer Abend nicht wirklich lang anhielt. Nach ungefähr einer Stunde wurde sie nämlich von Julian, mit dem sie ebenfalls verabredet war - uns aber nichts gesagt hatte -, abgeholt. Davor gesellte sich auch wieder Katja zu der Runde. Celina hatte Sandra und mir angeblich vergessen zu sagen, dass sie ebenfalls wieder dabei sein würde.
Also saßen wir schließlich zu dritt, abseits der Menge und waren alle wütend auf Celina.
Sandra war wütend, weil sie sich auf einen schönen Mädchenabend gefreut hatte.
Katja war wütend, weil sie sich von Celina verarscht fühlte.
Und ich war wütend… Keine Ahnung… Wegen allem irgendwie. Die vergangenen Wochen hatten wir uns wieder mal auseinandergelebt. Celina hatte keine Zeit mehr für mich. Lieber ging sie mit Katja von einer Party zur nächsten. Wenn ich gefragt hatte, ob wir nicht mal wieder etwas zusammen mit Sandra unternehmen sollten, war ihre Antwort immer dieselbe: "Oh, das tut mir jetzt aber Leid. Aber am Wochenende bin ich schon mit Katja verabredet. Und das kann ich echt nicht absagen. Weißt, die hat zurzeit Liebeskummer. Da kann ich die unmöglich alleine lassen. Aber vielleicht klappts ja beim nächsten Mal."
Es hatte nie geklappt. Und Katja ging es super. Wie konnte die überhaupt Liebeskummer haben? Die hat alles gevögelt, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Vielleicht hatte sie Liebeskummer mit Sexkummer oder so verwechselt. Vielleicht war Katja auf Sexentzug und hatte deshalb Kummer.
Wahrscheinlich war das schon damals keine Freundschaft mehr zwischen uns. Immerhin wusste ich ja auch nichts von ihren angeblichen Gefühlen für Julian. Noch ein Grund weshalb ich wütend war. Sie war nie und nimmer in ihn verliebt! Genauso wenig wie sie damals in Felix verliebt war. Sie wollte nur einen festen Freund. Und es machte mich wütend, dass sie es auch schaffte. Wie alles. Sie bekam immer alles was sie wollte - weil sie ihren Mund nicht aufbekam. Sie ließ alles über sich ergehen. Und ich, die eben eine eigene Meinung hatte, zog immer die Arschkarte. Ich konnte machen was ich wollte - ich war immer der Arsch. Ich hätte mich wahrscheinlich durchs Leben lügen und meine Gefühle unterdrücken sollen. Vielleicht hätte ich dann auch wenigstens einmal Glück gehabt.

Irgendwann machten Katja, Sandra und ich uns schließlich auf den Weg zum nächsten Getränkestand, wo wir Celina Hand in Hand mit Julian, die anscheinend dieselbe Idee wie wir hatten,  trafen. Meinetwegen hätten wir die Beiden ignorieren und weitergehen können, aber Sandra schaffte es nicht. Sie musste unbedingt jetzt wissen, ob die Beiden denn nun zusammen sind: Das möchtegern-Traumpaar bejahte natürlich. Mehr wollte ich nicht hören und versuchte das restliche Gespräch zu ignorieren. Erst als Celina irgendwann eine Anspielung auf den Pommesfritze vom Vortag machte und daraufhin lachte, wurde ich hellhörig. Ich weiß bis heute nicht warum ich damals so ausgetickt bin. Vielleicht weil ich einfach todunglücklich wegen dieser Sache mit Felix war und super glückliche Pärchen überhaupt nicht ertragen konnte. Vielleicht aber auch deshalb, weil ich Celinas Anspielung als Provokation empfand. Vielleicht, weil sich alles mal wieder vermischte. Und das ist nie gut.
So kam es dazu, dass ich sie wutentbrannt anschrie: "Halt einfach nur deine Fresse!"
Das hat gesessen. Erschrocken sah mich meine ehemals beste Freundin an. Ich wiederum sah auf den Boden. Keiner traute sich einen Ton zu sagen.
"Ich muss hier weg…", waren nur noch meine Worte, bevor ich mich von der Gruppe entfernte.
Und etwas was ich nie für möglich gehalten hätte geschah: Ausgerechnet Katja kam mir hinterher! Irgendwas lief an diesem Abend falsch. Das war so verrückt, das konnte nicht wahr sein. Eventuell drehte sich die Erde rückwärts oder ich wurde, ohne, dass ich etwas davon mitbekam, in eine Parallelwelt eingeschleust oder noch schlimmer: Ich war Opfer einer Reality-Show. Das Leben kann schon seltsam sein.
Nach einigen Metern blieben wir schließlich stehen und sahen uns an.
"Ich hab' keine Lust mehr auf sie und ihren ach so tollen Julian, von dem sie nicht mal was will!", war meine Entschuldigung für diesen peinlichen Abgang.
"Ich auch nicht", meinte Katja genervt.
Wow! Wir waren einer Meinung! Bis zu diesem Tag, hätte ich niemals gedacht, dass es jemals zu dieser Sensation kommt. Ich schätze an diesem Abend wurde das achte Weltwunder geschaffen. Und es ging noch weiter: Katja erzählte wie sehr sie von Celina genervt ist und, dass diese schon seit langem keine Zeit mehr für sie hätte, weil diese sich auf Parties nur noch an irgendwelche Typen ranmacht. Kaum zu glauben, dass ausgerechnet Katja mich am besten verstand.
Leider wurde sie durch Sandra, die uns endlich gefunden hatte, unterbrochen.
"Hee, was ist denn mit dir los?", fragte sie mich fassungslos. "Celina musste mich zweimal fragen, ob ich dasselbe wie sie verstanden habe, weil sie es nicht glauben kann."
Ich überlegte gespielt. "Hmm… Nein! Ihr habt richtig gehört!"
"Aha. Und warum hast du das gesagt?", fragte Sandra verwirrt weiter.
"Weil sie mich ankotzt?", war nur meine Antwort. "Aber du, ich hab' grad echt keine Lust noch weiter darüber zu reden, okay?"
"Okay, ich ruf dich morgen mal an, dann reden wir nochmal…"
Ich seufzte. Etwas worauf ich mich nicht freuen konnte.
Während Katja und ich nun noch einen lustigen Abend erleben wollten, verabschiedete sich Sandra bereits - und das nach knappen drei Stunden! Sie meinte, sie hätte sich den Mädchenabend anders vorgestellt und ihr sei die Lust vergangen. Unser Angebot, noch etwas mit uns zu unternehmen, lehnte sie ab. Also blieben nur noch Katja und ich übrig. Die seltsamste Mischung, die es je gab. Und noch seltsamer: Wir hatten tatsächlich Spaß - und das ohne Alkohol.
Wir fuhren einige Fahrgeschäfte ("Fährst du das mit mir?" - "NEIN! Das geht über Kopf!" - "Ne, glaub nicht." - "Doch klar." - "Also ich glaub nicht." - "Okay. Ich fahr mit." - Und es fuhr doch über Kopf!) und hielten Ausschau nach Typen. Von Letzterem wurden wir einmal nach einem Kuss, der auf diesem Fest eine Art Tradition ist, gefragt. Er war ziemlich betrunken und sah höchstens aus wie 15. Ich lehnte ab - Katja natürlich nicht. Sie war ja schließlich Katja. Also küsste sie ihn.
"David! Du hast doch eine Freundin!", schrie eine fremde Stimme.
Hinter uns erschienen fünf Mädchen. Eine davon kannte ich von meiner Cousine. Sie mich natürlich nicht. Ist immer so. Ich erinnere mich an jeden noch so unscheinbaren Menschen - aber ich selbst werde vergessen. Eventuell überlege ich mir das doch mal mit den grünen Haaren.
"Häää?", war Davids Antwort. "Quatsch!"
"Doch klar! Du bist doch mit Anna zusammen!", schrie wieder eines der Mädchen.
"Echt jetzt?"
"Jahaaa! Also hör auf mit dem Scheiß!"
"Na dann…"
Und schon wankte David, begleitet von seinen Aufpassern, wahrscheinlich zum nächsten Mädchen. Auch Katja zog mich lachend weiter. Während wir durch die Menge schlenderten, gestand mir sie mir sogar, dass sie in einen Typen aus meiner Klasse verknallt war und nur darauf hoffte, ihn endlich zu finden. Als wir irgendwann am Pommesstand vorbeiliefen, gestand ich ihr den Grund für den Streit mit Celina. "Da vorne ist der Pommesfritze, über den Celina vorhin geredet hat…"
"Wo?"
"Na im Pommesstand", ich zeigte auf den Pommesfritze. "Der mit dem blauen Pullover."
Katja lachte: "Echt? Von dem willst du was?"
"Neeeiiin", stöhnte ich. "Ich find ihn nur total… Wuah! Und so…"
"Achso… Jaa… Also ich kenn den."
Überrascht sah ich sie an. "Wie du kennst den? Woher denn?"
"Ach, wir haben uns mal auf 'ner Party kennengelernt und gegenseitig getröstet, als wir Liebeskummer hatten. Irgendwann sind wir zusammengekommen. Aber wirklich lang hielt das nicht."
Wie klein die Welt doch ist.
"Mhm… und wie heißt der?"
"Er heißt Michael", grinste Katja. "Soll ich dich ihm vorstellen?"
Niemals!, dachte ich. Zu groß war der Scham wegen Julians Aktion vom Vortag.
"Nee, du… Lass mal lieber", antwortete ich. "Wie schon gesagt: Ich find ihn nur süß und so."
"Okay, dann halt nicht..."
Es war mittlerweile kurz vor zwölf und demnach Zeit für mich zu gehen. Mein Bus kam in wenigen Minuten und so verabschiedete ich mich von Katja, die noch länger bleiben wollte.
Obwohl der Abend seltsamer war, als eine dieser Freak-Shows, hatte ich doch Spaß. Und das ausgerechnet mit Katja. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie "Feinde" durch die gemeinsame Abneigung auf eine bestimmte Person zu "Freunde" werden. Verrückte Welt.

Die nächsten zwei Tage blieb ich Zuhause. Dazu gehörte auch ausgerechnet der Montag, an dem ich wohl besser mit Elena, Sarah und Steffi auf den Jahrmarkt gegangen wäre. Dann hätte ich nämlich Felix gesehen, wie ich durch meine Mutter erfuhr.
"Wir waren gestern mit Felix im Bus", erzählte mir meine Mutter am Dienstagmorgen.
Verdattert sah ich sie an. "Du hast Felix doch noch nie gesehen… Woher willst du dann wissen, dass er bei euch im Bus war?"
Meine Mutter lachte. "Bei uns im Bus war eine Gruppe von Jungs, die auch zum Jahrmarkt wollten. Zufällig sind wir dann denselben Weg wie die gegangen und an so 'ner Mauer hat ein blondes Mädchen einen der Jungs mit Felix angesprochen und nach dir gefragt."
"Hatte die ultra lange Haare und was Schwarzes an?", fragte ich.
"Ja, warum?"
"Elena ist so gut wie tod…"

Am Abend war ich praktischerweise mit Elena verabredet. Kaum hatten wir uns zur Begrüßung umarmt, tobte ich schon.
"Wie kannst du ausgerechnet Felix nach mir fragen?! Woher soll denn der bitteschön wissen wo ich bin? Wir hatten seit Freitag keinen Kontakt mehr! Oh Mann! Das ist sooo peinlich! Der wird was weiß ich was denken!"
Elena lachte. "Franzi?"
"Was hat er denn gesagt, als du ihn gefragt hast? Und wie sah er aus? Bestimmt wie immer: Geil."
"Naja…", fing Elena an. "Er hat nur mit den Schultern gezuckt… Und geil sah er nicht aus… Liegt aber vielleicht daran, dass ich nichts von ihm will… Und ich dachte ja eigentlich, du wärst jetzt endlich über ihn hinweg…"
Ich jammerte. "Jaaa, ich war so gut wie immun gegen ihn und dann kommt so was Beschissenes wie der Jahrmarkt…"
"Was ist denn passiert?"
Auf dem Weg zum Jahrmarkt, erzählte ich ihr die Geschehnisse vom vergangenen Freitag. Elena war total geschockt, über meine wiedergekommenen Gefühle für Felix. Und nachdem wir das Thema Felix fast eine halbe Stunde durchdiskutiert hatten, erzählte ich ihr vom Samstag. Daraufhin war sie noch geschockter. Einerseits weil sie nicht glauben konnte, dass ich DAS tatsächlich zu Celina gesagt habe und andererseits weil sie diese Pommesfritze-Sache ebenfalls verrückt fand. Zu der Sache mit Katja schüttelte sie nur den Kopf.
Nachdem wir endlich alles Wichtige durchgekaut hatten und eine Freundin von ihr noch zu uns stieß, begann der Abend lustig zu werden, was wahrscheinlich vor allem am Alkohol lag, weswegen wir über jeden Mist lachen mussten. Wir fuhren einige Fahrgeschäfte (meistens fuhren Lucia, Elenas Freundin, und ich alleine, weil Elena Angst hatte) und machten peinliche Dinge, wie irgendwelche Leute ansprechen und vor dem Pommesstand einige Male laut nach Michael zu rufen (er hatte sogar zu uns gesehen - und ich hoffte inständig er hatte mich nicht erkannt).
"Wenn ich Felix treffe, dann gestehe ich ihm meine Liebe und frage ihn nach einem Kuss", meinte ich irgendwann.
Elena und Lucia lachten. Sie glaubten mir nicht. Also machten wir uns auf die Suche nach Felix. Wir suchten fast eine Stunde überall nach ihm, fanden ihn aber nicht. Ich war total deprimiert. Das wäre perfekt gewesen: Gleich begann das Feuerwerk, das es immer am letzten Abend des Jahrmarktes gibt, und was wäre da schöner als die Liebes seines Lebens zu küssen? Aber ich wurde wie immer enttäuscht.
Dafür kamen zwei Jungs auf uns zu. Der eine war blond, der andere brünett. Angeblich waren sie so alt wie wir, aber sie sahen eindeutig jünger aus. Sie wollten einen Kuss von uns. Anfangs lehnten wir ab. Doch als die Beiden gehen wollten, rief ihnen Lucia hinterher, sie sollen warten. Sie blieben einen Moment stehen, dachten wahrscheinlich nach und kamen dann zu uns zurück. Lucia fragte sie, ob sie nicht mit uns das Feuerwerk ansehen möchten. Der Blonde fragte: "Kriegen wir dann einen Kuss?"
Die beiden Jungs sahen Lucia herausfordernd an. Und so ließ sie sich überreden und gab erst dem Blonden und dann dem Brünetten einen Kuss auf die Backe.

Während des Feuerwerks fragte mich der Blonde nach meiner Handynummer. Eigentlich gefiel mir der Brünette besser, aber was solls? Ich antwortete, er solle mir seine Nummer geben, dann melde ich mich bei ihm. Er schrieb mir seine Nummer ins Handy und meinte so nennen ihn seine Freunde. Als ich nachsah, wie der Typ denn heißt, musste ich mir ein Lachen verkneifen: Er hatte sich doch tatsächlich als "Stifler" eingetragen. Mir war sofort klar, dass ich mich nie bei ihm melden würde.
Es war kurz vor halb eins, als das Feuerwerk sich dem Ende neigte und wir auf unsere Busse mussten. Wir verabschiedeten uns von dem Brünetten und "Stifler" und fuhren - Elena und Lucia in ihrem und ich in meinem Bus - nach Hause.
Auf dem Weg nach Hause schwor ich mir eins: Nächstes Jahr würde ich einen Kuss von Felix kriegen. Da war ich mir zu hundert Prozent sicher.

 

Kapitel 14 - Der Blickkontakt

Es war soweit. Mit dem Jahrmarkt endete auch einen Tag später mein erstes Schuljahr auf der - mittlerweile nicht mehr allzu - neuen Schule. Ich hatte sechs Wochen Sommerferien vor mir - die Hölle! Wie sollte ich nur sechs Wochen ohne Felix überleben? Und das ausgerechnet jetzt, wo meine verschollenen Gefühle zurückgekehrt waren.
Noch keinen Tag Ferien und mir war bereits klar, dass dies die schlimmsten Ferien meines Lebens werden würden. Und die Tatsache, dass der Kontakt zwischen Felix und mir noch immer nicht existent war, war das i-Tüpfelchen. Dachte ich zumindest.
Doch wer hätte gedacht, dass das alles eine überraschende Wendung nahm? Dass ich nicht jeden Tag heulend am Computer saß, um nur darauf zu warten etwas von Felix zu hören? Denn ich schaffte es tatsächlich Felix zu vergessen. Und das nach bereits einer Woche!
Der Grund dafür war Steffen. Er war damals 21 und hatte noch nie eine feste Freundin. Wir kannten uns bereits seit zwei Jahren aus einem Chat und obwohl wir uns eigentlich ziemlich oft stritten, brach der Kontakt nie endgültig ab. Immer wieder hatten wir für ein, zwei Monaten Funkstille, die aber auch immer wieder durch einen von uns unterbrochen wurde. Schon seit dem Tag, an dem wir das erste Mal miteinander schrieben, fragte er nach einem Treffen. Ich war gerade mal 14, weshalb ich immer ablehnte. Zufälligerweise kam es zwei Jahre später, um genau zu sein vier Tage vor dem Ärzte-Konzert, zu einem ungewollten Treffen:
Celina, Sandra und ich hatten bereits einen schönen Abend in der Stadt hinter uns, als wir uns auf den Heimweg machten. Weil der nächste Bus erst in einer halben Stunde kommen sollte, beschlossen wir die 1 1/2 Stunden in Kauf zu nehmen und gingen, obwohl es schon nach zehn und dunkel war, zu Fuß nach Hause. Wir waren gerade mal 15 Minuten unterwegs, als uns in der Nähe von der Schule eine Gruppe von Jungs entgegen kam. Sie waren zu fünft und pfiffen uns, als sie an uns vorbeiliefen, hinterher. Außer einer: Steffen. Natürlich schickten wir uns in der Zeit, in der wir uns kannten, Bilder, aber es war etwas komplett anderes, wenn man dem Gegenüber dann in der Realität begegnet. Und als Steffen da an mir vorbeilief - anscheinend überlegte er auch, ob ich die bin, für die er mich hielt - sah er mir so intensiv in die Augen, wie es noch kein anderer gemacht hatte. Ich glaube wenn Blicke Sex haben konnten, dann hatten unsere Blicke richtig wilden Sex. Das war eindeutig Blickkontakt der besonderen Sorte.
Und seitdem war es noch schlimmer: Jedes Mal wenn Steffen und ich im ICQ schrieben, fragte er nach einem Treffen. Er meinte immer, wir hätten uns ja sowieso schon getroffen und jetzt müsste man das nur noch gewollt herbeiführen. Bis zu diesen Sommerferien lehnte ich immer ab, diesmal jedoch nicht wegen dem Alter, sondern, weil ich noch immer diese Angst vor einem Date hatte. Angst, dass ich ihn langweilte. Eben dasselbe Angst-Programm, wie auch schon damals bei Felix. Auch schreckte mich seiner Art immer wieder ab. Denn Steffen hatte so eine Art, vor der ich großen Respekt hatte. Er kam im ICQ immer so mächtig, desinteressiert und schweigsam rüber. Ich wusste einfach nicht wie ich mit ihm umgehen sollte. Doch als er  in diesem Sommer anfing Interesse an mir zu zeigen und gesprächiger zu werden, wollte ich ihn ebenfalls treffen. Es fühlte sich damals so an, als wäre ich ihn verliebt. Wie schon mit Felix, schrieben Steffen und ich bis weit nach Mitternacht und auch die Gespräche wurden intensiver und persönlicher. Also trafen wir uns.

An einem wunderschönen Sonntagnachmittag verabredeten wir uns am Bahnhof. Ich war mächtig aufgeregt und beinahe hätte ich wieder abgesagt, aber ich wollte es endlich versuchen. Schon als ich aus dem Bus ausstieg, erkannte ich Steffen, der vor einer riesigen Reklametafel auf mich wartete. Er hatte ein blaues T-Shirt an und sich einen roten Pullover um den Hals gebunden. Er sah recht gut aus.
Ich ging auf ihn zu und wir begrüßten uns. Ohne Händeschütteln oder eine Umarmung. Er lächelte mich zwar selbstsicher an, doch ich denke in diesem Moment waren wir beide gleich aufgeregt und wussten nicht was wir sagen sollten.
"Du bist ja total riesig", bemerkte ich nach kurzem Schweigen.
"Und du dafür so klein", lachte Steffen.
"Hmm... Also, was machen wir jetzt?", fragte ich, während ich Steffen zu seinem Auto folgte.
Steffen überlegte. "Naja, wie wärs, wenn wir in den Wald gehen und dort einen Spaziergang machen?"
"Hmm… Klar. Okay", war nur meine Antwort.
Ich weiß, es war eigentlich ziemlich dumm von mir. Ich alleine, mit einem 21-Jährigen, den ich nur aus einem Chat kannte… Aber heißt es nicht immer, dass man auf sein Bauchgefühl hören soll? Und mein Bauchgefühl sagte mir, dass Steffen weder ein verrückter Mörder, Vergewaltiger noch sonst etwas in dieser Art war. Meine Menschenkenntnisse lassen mich nur selten im Stich und bei Steffen hatte ich absolut keine blöden Gefühle. Meiner Mutter jedoch erzählte ich, dass ich an diesem Tag mit Sandra unterwegs war… Sie hätte mir bestimmt verboten zu diesem Treffen zu gehen.

Wir fuhren also durch die Stadt, auf der Suche nach diesem Wald, den ich nicht mal kannte. Als wir irgendwann tatsächlich an einem Wald vorbeikamen, meinte Steffen: "Hmm… Komisch. Hier konnte man früher eigentlich parken."
"Aha… Und jetzt?"
"Naja, sieht nicht so aus, als wäre hier noch irgendwo eine Parkmöglichkeit", sagte  er mehr zu sich selbst, während er weiter Ausschau nach Parkplätzen nahm. "Wir könnten auch woanders hinfahren… An den See zum Beispiel."
Ich war einverstanden.
Unterwegs quatschten wir über alles Mögliche und hörten Musik. Es war wirklich nicht mal halb so schlimm wie ich dachte. Wir hatten sogar richtig Spaß. Jedoch waren wir noch immer etwas unsicher, was sich bis zum See hinzog.

Am See angekommen (und nach ewig langer Suche nach einem Parkplatz), gingen wir spazieren. Es war eigentlich alles perfekt. Wir hatten richtig Glück mit dem Wetter und Steffen entpuppte sich als überhaupt nicht schweigsam. Er erzählte sogar ziemlich viel und kam nicht mal annährend so mürrisch rüber wie im Chat.
Nach mehr als einer halben Stunde des Gehens, setzten wir uns auf eine Bank und genossen den Moment. Irgendwann legte er jedoch seinen Arm um mich. Einerseits wollte ich das auch, aber andererseits ging mir das zu schnell, da ich keine Ahnung hatte, wo denn nun meine Gefühle waren. Und in diesem Moment wurde mir auch bewusst, dass ich echt ziemlich mutig war. Ich war über dreißig Kilometer von Zuhause entfernt. Steffen hätte mich einfach allein lassen können und ich hätte sehen müssen, wie ich nach Hause komme. So schnell wie dieser Gedanke kam, schob ich ihn auch wieder beiseite. Niemals würde er mich hier alleine lassen. Also genoss ich einfach weiter, dass endlich jemand Interesse an mir zeigte. Nach immerhin 16 Jahren des Single-Daseins und fünf Jahren des Leidens.
Seit ich elf war, war ich nämlich ständig in irgendwelche Typen verliebt. Und nie klappte es. Mit elf verliebte ich mich in den Enkel unseres Nachbarn. Da Letzterer jedoch wegzog, sah ich ihn nie wieder. Trotzdem heulte ich mir noch zwei Jahre später deshalb die Augen aus. Nachdem ich es doch irgendwann schaffte, über ihn hinweg zu kommen, verliebte ich mich in einen 13 Jahre älteren Mann, den ich aus einem Chat kannte und nie gesehen hatte. Er wusste von meinen Gefühlen und natürlich bekam ich einen Korb. Was dachte ich denn? Ich war 14 und er 27. Durch meinen Liebeskummer lernte ich knapp ein halbes Jahr später Oliver - ein Christ aus Leidenschaft - in einem Chat kennen. Wir wohnten zwar fast vier Stunden voneinander entfernt, jedoch knisterte es gewaltig zwischen uns. Dachte ich damals jedenfalls. Er zeigte Interesse an mir und wollte sogar spontan zu mir kommen. Doch als ich ihm von meinen Gefühlen erzählte, meinte er, er lebe nicht für sich, sondern für Gott. Ein Jahr später, lernte ich Felix kennen. Und wieder ein Jahr später saß ich in Steffens Arme am See.

Als ich schließlich irgendwann auf die Uhr sah, erschrak ich: Es war schon sieben durch! Wir saßen seit fast drei Stunden schon auf dieser Bank! Und abgesehen davon, dass Steffen mir dauernd in den Ausschnitt geguckt hat, war es richtig schön. Gerne wäre ich auch noch länger dort sitzen geblieben, doch ich war 16 und meine Mutter dachte, ich sei mit meiner Freundin kurz in der Stadt ein Eis essen. Ich musste also so langsam nach Hause, wenn ich mir nicht noch ne Ausrede einfallen lassen wollte. Steffen fand es zwar schade, verstand es aber und so machten wir uns Arm in Arm auf den Rückweg zum Auto.
Ich setzte mich gerade auf den Beifahrersitz, als Steffen zum Spaß meinte, er würde mich nicht mitnehmen.
"Was?! Nein! Natürlich nimmst du mich mit!", lachte ich.
Mein Date sah mir lange in die Augen, bis er schließlich fragte: "Was krieg' ich dafür?"
Ich wusste genau was er wollte: Einen Kuss. Am See wäre es beinahe schon soweit gekommen, aber ich konnte nicht. Und auch als wir im Auto saßen konnte ich nicht. So blöde es auch klingt, aber irgendetwas hielt mich davon ab. Deshalb antwortete ich gespielt fröhlich: "Was du kriegst? Schläge."
Steffen sah mich enttäuscht an, bevor er losfuhr. Und urplötzlich hätte ich ihn doch liebend gerne geküsst. Oder doch nicht? Es war verrückt! In mir gab es ein ständiges Hin und Her. Im einen Moment wollte ich das Eine und im anderen Moment das Andere. So etwas hatte ich vorher noch nie erlebt. Und trotz dieser komischen Sache zwischen uns, verlief die Heimfahrt, wie auch die Stunden davor, gesprächig.
Endlich am Bahnhof angekommen, saßen wir noch kurz schweigend nebeneinander.
"Also, ich fand den Tag echt sehr schön", durchbrach Steffen schließlich die Stille.
"Ja, doch. War schon echt schön", ich sah ihn unsicher an. "Also, dann… Bis… Dann?"
"Ja, bis dann."
Und schon war ich weg.

Die Tage nach diesem… Date… Sind mir bis heute ein Rätsel. Ich vermisste Steffen und heulte mir bis Mittwoch die Augen aus dem Kopf, weil ich nicht wusste, was er für mich empfand. Als wir am Montagabend miteinander schrieben, schrieben wir nicht sehr lange und auch nur über Banales, aber keinesfalls über den vergangenen Sonntag. Das machte mich so fertig, weil ich dachte, ich hätte ihn mit meinem Farin-Gerede abgeschreckt. Ich mein', da treffen wir uns nach so langer Zeit endlich und dann sagt der nichts dazu! Wer macht denn so was? Also ich nicht. Und er zum Glück auch nicht. Denn am Mittwoch kam es endlich zum langersehnten Gespräch.

Steffen: Hmm… Wie fandest eigentlich den Sonntag wirklich?
Franzi: Also ich fand ich schon schön. Und so.
Steffen: Ja, ich auch.
Franzi: Echt? Naja, ich dachte, ich hätte dich genervt oder so… Weil ich doch soviel über Farin geredet habe…
Steffen: Quatsch. :-)
Franzi: Gut. ^^
Steffen: Wir könnten es ja wiederholen.
Franzi: Klar. Gerne.

Ich war so glücklich! Er mochte mich immer noch und wollte mich sogar wieder treffen! Einzig und allein die Tatsache, dass er mich nicht noch mal, wie er es vor unserem Treffen schon getan hatte, gefragt hatte ob wir zusammen sein sollen, stimmte mich deprimierend. Und ich konnte ihn unmöglich danach fragen… Das ist ja… Nein… Unmöglich. Also blieb mir keine andere Wahl als zu warten.
Zum Glück habe ich gewartet. Denn einige Tage vor unserem zweiten Treffen, das knapp zwei Wochen später stattfand, kam mir etwas dazwischen. Blöderweise wurde ich durch ein Bild, auf einer gewissen Schülerseite, an Felix erinnert. Und meine Gefühle für ihn waren stärker denn je. Keine Ahnung wie die trotz nicht Existenz des Kontaktes so stark werden konnten. Aber nur bei dem Gedanken an ihn, bekam ich Bauchkrämpfe der besonderen Art und ich hatte das Gefühl, als wütete ein Tornado in mir. Ich heulte. Ich heulte, weil ich Gefühle für jemanden hatte, der sie nie erwidern könnte und dafür keine Gefühle für jemanden hatte, der dafür umso mehr für mich hatte. Mir war klar, dass ich unmöglich mit Steffen zusammen sein konnte.
Kurz spielte ich mit dem Gedanken, es trotzdem mit ihm zu versuchen, in der Hoffnungen, die fehlenden Gefühle würden doch noch kommen. Doch was brachte das? Selbst wenn ich doch irgendwann Gefühle für Steffen aufbringen konnte… An die Gefühle, die ich für Felix hatte, würden sie niemals rankommen.
Blöderweise entschied ich mich erst in der Nacht vor dem Treffen für ein Nichtzusammenkommen mit Steffen. Und da ich keine Nummer hatte und er davor nicht online kam, konnte ich ihm nicht mehr absagen. Also musste ich mich in die Hölle des Löwen wagen und ihm persönlich vom aktuellen Stand der Gefühle berichten.
Schon während der gesamten Busfahrt legte ich mir meine Sätze zurecht und spielte die kommende Situation mehrmals im Kopf durch. Mir war natürlich völlig klar, dass das für die Katz' war, da ich, wenn ich erst einmal vor dem Löwen stand, alles wieder vergessen hatte. Aber ich brauchte das um eine gewisse Sicherheit zu haben.
Und dann war es soweit. Ich stand schon eine Weile vor der Reklametafel vom letzten Mal, als Steffen schließlich mit seinem blauen Auto einige Meter von mir entfernt parkte. Er stieg nicht aus, sondern wartete darauf, dass ich zu ihm in den Wagen stieg. Ich atmete tief ein, ging wie in Trance zu seinem Auto und stieg schließlich ein.
Ich hatte sein Gesicht noch keine Sekunde gesehen und hatte schon ein schlechtes Gewissen. Er sah mich richtig verliebt an und sah so glücklich aus. Und in wenigen Sekunden war ich diejenige, die dieses Glück zerstörte.
"Steffen, das tut mir so Leid, aber ich kann nicht mit dir zusammen sein!", ich sprach rasend schnell und hoffte nur nichts wiederholen zu müssen.
Steffen lächelte mich unsicher an. "Ähm, okay."
Verzweifelt quasselte ich weiter: "Weißt du, ich mag dich schon und vielleicht wird das aus uns noch irgendwann etwas, aber im Moment gehts einfach nicht, weil ich jemand anders noch zu sehr liebe."
Ich war den Tränen nahe und auch Steffen sah nicht unbedingt glücklich aus, lächelte aber tapfer: "Okay… Ja… Sollen wir dann trotzdem noch zu mir?"
"Nein, das würde nur komisch werden…", antwortete und ich sah rechts aus dem Fenster.
Ich entdeckte Steffi, die mit einer Freundin einige Meter neben uns stand und überlegte was ich nun tun sollte. Wobei ich weniger überlegte, sondern vielmehr einfach mit den Gedanken weit, weit weg war. Für einen kurzen Moment stand die Zeit still. Ich hörte nichts, ich sah nichts, ich dachte nichts. Für einen kurzen Moment, existierte ich nicht.
"Hallo?", Steffen sah mich fragend an.
"Hmm? Was?"
"Ich hab' gefragt, ob ich dich dann wenigstens nach Hause fahren soll?"
"Ähm, nein… Das ist irgendwie falsch", fing ich an. "Ich… Naja, da vorne steht 'ne Freundin von mir und ich werde kurz da hin gehen und dann mit dem nächsten Bus nach Hause fahren."
"Okay…"
Verzweifelt sah ich Steffen an. "Es tut mir wirklich so Leid. Und ich hoffe du bist mir nicht böse."
"Nein", sagte er zwar, doch ich wusste, dass es eine Lüge war.
Schließlich öffnete ich die Wagentür und ging mit zitternden Knien und Tränen in den Augen auf Steffi zu, während Steffen davonfuhr. Vor Steffis überraschten Augen, brach ich heulend zusammen.


Kapitel 15 - Herz befiehlt - ich gehorche

"Wir könnten ins Schlemmerbuffet gehen."
"Zu zweit? Ohne mich."
Sandra ließ nicht locker. "Wir könnten auch Billard spielen gehen."
"Also weißt du…", fing ich an.
"… Du hast keine Lust zum Weggehen", beendete Sandra meinen Satz. "Ich weiß. Aber wir waren schon solange nicht mehr zusammen weg. Och komm, bitte. Das wird bestimmt toll."
"Zu zweit kann nichts toll werden", sagte ich genervt.
"Hmm… okay. Wie wäre es dann mit einer Grillparty?", schlug meine Freundin vor.
Ich seufzte. "Du weißt doch, dass ich grillen hasse."
"Och, Franzi. Bitte!", quengelte sie.
"Mann, Sandra. Mir ist heute echt nicht danach weg zu gehen. Ich stecke gerade in einem sehr üblen Liebeskummer. Schon vergessen?"
"Du steckst schon seit fast 'nem Jahr im Liebeskummer. Langsam wirds echt blöd."
"Ja, meinst du etwa, ich mach das gerne?", fragte ich aufgebracht.
"Nein, nur… Ach… Egal. Aber wer weiß: Vielleicht lernst du da ja jemand Neues kennen“, versuchte mich Sandra zu animieren.
"Das bezweifle ich…"
"Okay. Wir machen es so: Wir gehn da hin und sobald du keine Lust mehr hast, gehn wir wieder nach Hause", schlug Sandra vor.
Ich zögerte. Ich war alles andere als in Partylaune. Aber vielleicht hatte Sandra ja Recht und ich lerne Jemanden kennen. Und vergesse ganz nebenbei so 'nen blonden Typen.
"Na schön. Aber sobald ich nach Hause will, gehn wir auch."
"Versprochen." Ich konnte ihr Grinsen praktisch durchs Telefon hören. "Also dann treffen wir uns in einer Stunde an der Bushaltestelle."
"Gut… aber Sandra? Was soll ich anziehen?"
"Etwas Hübsches", war nur ihre Antwort, bevor sie auflegte.

Es waren zwei Wochen seit dieser Steffen-Sache vergangen und zwei Tage vor dem ersten Schultag. Und eben diese letzten zwei Wochen waren der absolute Horror für mich. Steffen schrieb zwar noch mit mir, hielt mir diese Sache aber immer wieder vor. Dass ich ein so schlechtes Gewissen hatte, dass es mir nachts den Schlaf raubte, interessierte ihn nicht. Zudem ging es mir auch noch beschissen, weil ich Felix ja wieder vermisste. Es war eine echt verzwickte Situation, wodurch vor allem mein Essverhalten und meine sozialen Kontakte litten. Und es war ein Wunder, dass Sandra mich überhaupt noch fragte, ob ich mit ihr weggehen wollte, denn schließlich ließ ich meine schlechte Laune hauptsächlich an ihr aus. An wem auch sonst? Zwischen Celina und mir herrschte noch immer Funkstille, mit Elena telefonierte ich zwar ab und zu, jedoch hatte sie zu dieser Zeit eigene Probleme und was Sarah und Steffi betraf… Naja, wir hatten hauptsächlich während der Schulzeit und ab und zu im ICQ Kontakt.
Jedoch hatte Sandra ebenfalls nur noch mich. Celina schrieb Katja (die die Jahrmarktsache vergessen hatte und nun wieder Celinas Busenfreundin war) auf einer gewissen Schülerseite, dass sie sich an einem bestimmten Tag zum grillen treffen würden. Schön und gut, jedoch fand an diesem bestimmten Tag die Geburtstagsparty von Sandra statt, auf der Celina eingeladen war. Celina hatte sie zuerst gefragt, ob sie Katja zu ihrer Party mitbringen könnte, doch nachdem Sandra dies ablehnte, meinte Celina sie müsste an diesem Abend babysitten. Ich erzählte Sandra - fairerweise natürlich - was ich wusste und von da an war Celina ebenfalls für sie gestorben. Und was andere Kontakte anging, so hatte Sandra, seit sie ihre Ausbildung angefangen hatte, ebenfalls nicht mehr allzu viele, die sie als richtige Freunde bezeichnen konnte.
In einem pinken und etwas zu dünnen Pullover hetzte ich zur Bushaltestelle und erwischte den Bus gerade noch rechtzeitig. Es war erst Anfang September und obwohl der Tag sommerlich warm war, wurde es gegen Abend immer kühler, wenn nicht sogar richtig kalt. Doch irgendwie wird es immer erst dann kalt, wenn man außer Haus und nur mit einem dünnen Stück Stoff bekleidet ist. Und man denkt immer wieder, dass dieses dünne Stück Stoff bestimmt reicht und man keine Jacke braucht. Natürlich denkt man immer falsch.
Der Typ, bei dem die Grillparty stattfand, wohnte gerade mal zwei Minuten von der Bushaltestelle, wo wir ausstiegen, entfernt. Wir kamen an einem der teuersten Hotels in der Gegend vorbei und bogen irgendwann in eine Einfahrt ab. Links war eine große Wiese und rechts Schickimicki-Familienhäuser, bei denen man das Geld schon aus der Hauswand herauswachsen sah. Nach ungefähr sieben solcher Schickimicki-Häuser kam ein älter aussehendes Haus, das gar nicht zu den vorherigen Häusern passte. Es war umringt von Gebüschen und einem kleinen Gartentor dazwischen. Vor dem Gartentor und noch immer auf dieser großen Wiese war einer dieser Plastik-Pavillons aufgebaut. Er war so groß, dass zwei Bierbankgarnituren und ein großer Tisch darin Platz hatten. Auf der offenen Seite des Pavillons stand ein großer Anhänger eines Getränkemarktes und davor war ein Tisch, auf dem ein Laptop aufgebaut war. Gut, Gegenstände gab es schon mal. Aber wo waren die dazugehörenden Menschen? Es war viertel vor sechs Uhr. Wir waren natürlich viel zu früh. Sandra ging durch das Gartentor und marschierte einfach so in das Haus. Ich folgte ihr. Von innen sah das Haus noch älter aus. Die alten Holzstufen unter unseren Füßen knarrten, als wir die Treppe in den zweiten Stock hinaufstiegen. Oben angekommen, folgte ich Sandra durch eine Tür. Wir gingen durch einen Flur, an dessen Ende ein etwa 20-jähriger Typ mit einer Kehrschaufel in der Hand, im Türrahmen stand.
"Hi", begrüßte ihn Sandra.
"Hi."
"Jan?"
"Müsste gleich wieder kommen."
"Okay, wir warten unten."
Keine Ahnung was das war, doch Sandra schob mich nun wieder aus der Wohnung heraus und die Treppe herunter. Unterwegs fragte ich: "Wer warn das?"
"Michael. Mein Ex", war Sandras Antwort.
Ich sah sie mit großen Augen an. "Dein Ex? Wann warst du denn mit dem zusammen?"
Sandra überlegte: "Hmm… das war glaub im Juni oder Juli dieses Jahr."
"Ähm… da warst du doch mit Andi zusammen…"
Man konnte erkennen, dass Sandra nur ungern darüber sprach. "Jaaaa… ich war doch eine Woche mit dem auseinander und da war ich dann mit Michael zusammen."
Warum wusste ich davon nichts? Jedenfalls war ich zu schockiert über mein Nichtwissen, dass ich nichts dazu sagte.
Mittlerweile waren wir auch wieder im Garten angekommen, wo sich zwei Typen unterhielten. Obwohl der eine höchstens 1,65 m, also nicht viel größer als ich, war, sah er irgendwie unheimlich aus. Als käme er gerade aus dem Gefängnis oder so.
Der andere aber sah… Hammer aus! Es war, als hätte ich ihn selbst erschaffen. Er hatte braune Haare, die weder zu lang, noch zu kurz waren, eine Brille, die bei mir irgendwie jeder Typ haben muss, damit ich ihn zumindest annährend attraktiv finde (Farin ist natürlich eine Ausnahme), er war größer als ich und auch die Gesichtszüge haben gestimmt.
Ich war hin und weg von ihm.
"Hey ihr zwei", begrüßte uns der gutaussehende Typ, umarmte Sandra und während er mir die Hand reichte, machte uns Sandra miteinander bekannt.
"Ich glaube, wir sind viel zu früh da", entschuldigte sich Sandra.
"Nö, die anderen müssten auch bald kommen", meinte Jan während er mit dem anderen Typen etwas am Laptop machte. "Aso, ja, setzt euch doch. Wollt ihr was trinken?"
"Ja, ich nehm 'ne Cola", war Sandras Antwort.
Jan sah mich fragend an.
"Ach, ne… Ich will nichts."
"Sicher?", fragte er, während er Sandra die Cola reichte.
"Jaa…"
Er zuckte mit den Schultern und widmete sich wieder seinem Kumpel und dem Laptop. Irgendwann mischte sich auch Sandra in das Gespräch der Beiden ein, während ich daneben saß und mich fragte, wie ich mal wieder in eine so bescheuerte Situation kommen konnte. Kurz: Ich fühlte mich total fehl am Platz. Erst nach gefühlten zehn Stunden, trudelten so langsam die anderen Gäste ein. Aber es machte den Abend nicht spannender. Im Gegenteil. Bereits um acht, bat ich Sandra darum zu gehen.
"Ach, komm. Nur noch kurz", war Sandras Antwort.
Und so langweilte ich mich weiter. Ab und an, durfte ich den anderen Gästen erklären, was ein Pescetarier ist und warum ich einer bin. Die Meisten waren jedoch schon so dicht, dass ich bezweifle, dass sie das noch am Tag darauf wussten. Auch Jan war nicht mehr ganz nüchtern. Dafür war ich in diesem Moment dabei, höhere Gefühle für ihn zu entwickeln und war total deprimiert, weil er die ganze Zeit bei jemand anderem saß. Aufgrund des Nichtvorhandesseins meines Selbstvertrauens, nahm ich das persönlich und deutete es als Hass seinerseits mir gegenüber.
Einmal fragte er mich zwar, ob er mir eine Decke bringen sollte, doch anstatt ehrlich zu sagen "Ja, bitte! Ich bin nämlich grad dabei zu erfrieren, weil ich zu blöd bin, mir etwas Anständiges anzuziehen", antworte ich total gelassen: "Och nö. Mir ist grad ziemlich warm." Ein anderes Mal saß er sogar für einen kurzen Moment neben mir und mein Herz schien sich aus meinem Brustkorb befreien zu wollen. Immer wieder legte er mir aus Spaß den Arm um die Schulter oder kniff mich in die Seite, doch nachdem ich nicht darauf ansprang, stand er wieder auf und setzte sich neben einen Mann, der sein Vater hätte sein können. Und wieder einmal gab ich mir die Schuld: Ich war zu langweilig. Wusste nicht worüber ich mit ihm reden oder wie ich auf so was reagieren sollte. Schon klar, dass er dann kein Interesse an mir hatte.
Um neun bat ich Sandra erneut zu gehen. Die Antwort war dieselbe wie auch schon um acht. Warum sollte sie auch gehen wollen? Sie unterhielt sich gerade sehr lebhaft mit Marco - ihrem super Kumpel, den sie so selten sah, weil ihr Freund es nicht mochte.
Da ich aber in der Kunst des Nervens unschlagbar bin, schaffte ich sie um halb zehn zum Gehen zu überreden. Beim Verabschieden umarmte Jan uns beide und meinte zu Sandra, sie könne mich ruhig da lassen. Wieder bildete ich mir ein, dass er ja betrunken war und deshalb so 'nen Schrott von sich gab.

Wir waren kaum unterwegs, da fragte mich Sandra: "Und? Hast heute jemanden gefunden, der dir gefällt?"
Ich seufzte. "Ja, aber ist eh egal."
"Was?"
"Ich seh' den eh nie wieder und selbst wenn, er hätte null Interesse an mir."
"Wer?"
"Na, dieser Jan."
"Woher willst du das wissen?"
"Weil es immer so ist. Und er ist so… Cool und so. Und ich? Ach das passt einfach nicht", erklärte ich betrübt.
"Hast jetzt 'nen Schaden?", fragte Sandra ungläubig. "Wer weiß? Vielleicht hats ja bei ihm auch gefunkt?"
"Was heißt hier auch? Ich find ihn nur süß!"
"Ja und er dich vielleicht auch… Ich frag ihn morgen mal."
"Och… Manno. Nein!"
"Doch das mach ich! Und wenns sein muss, verkuppel ich euch!"
Ich stöhnte. "Okay… Aber du sagst ihm nicht, dass ich ihn süß finde! Du fragst ihn  total neutral, wie er mich fand und fertig!"
"Jaja…", grinste Sandra.

Am darauffolgenden Tag hatte ich vor, mich so wenig wie möglich zu bewegen. Es war der letzte Tag der Sommerferien und bereits später Nachmittag als Sandra anrief.
"Er findet dich auch süß!"
"Was? Wer?"
"Na, wer wohl?"
"Jan? Oh mein Gott! Woher weißt du das? Hat er dir das gesagt?", mein Herz flatterte wie verrückt.
"Er hat es erst Marco erzählt, der es wiederum mir erzählt hat und als ich Jan gerade angerufen hab', hat er es mir noch mal bestätigt."
"Oooh… Mein Gott! Ich weiß gar nicht… Hat er sonst noch etwas über mich gesagt?"
Sandra überlegte. "Naja, nur, dass er dich sehr schüchtern fand, aber er hat gemeint, das geht sicher noch weg."
"Äh… Was?!"
Ich wusste es. Ich war zu schüchtern, was gleichzeitig bedeutete, dass ich zu langweilig war.
Arschloch!, dachte ich. So bin ich nun mal.
Wir waren noch nicht einmal zusammen, und schon hatte dieser Jan etwas an mir auszusetzen. Wie krank war das denn? Und schon war ich dabei ihn zu hassen.
"Aso, ja, wir treffen uns in 'ner halben Stunde am Hallenbad", bestimmte Sandra schließlich.
"Wie jetzt? Warum?"
"Jan hat gefragt, ob wir heute etwas machen sollen."
"Achja?"
"Ja und Marco holt uns nachher ab und dann gehen wir zusammen zu Jan."
Ich stutzte. Wann hatte mich irgendjemand gefragt, ob ich das überhaupt wollte?
"Ähm, Sandra", fing ich an. "Es ist überhaupt kein Problem für mich, diesen Typen nie wieder zu sehen."
"Red' keinen Scheiß", kommentierte Sandra. "Also zieh dir jetzt etwas Schönes an und komm ans Hallenbad."
Und aufgelegt.
Ich kam mir vor wie bestellt und nicht abgeholt. Auf keinen Fall wollte ich zu diesem Jan. Das kam alles zu spontan. Ein Treffen in fünf Jahren? Perfekt. Da hätte ich genug Zeit gehabt, mich emotional auf diese Sache vorzubereiten. Aber jetzt hatte ich eine halbe Stunde Zeit. Eine halbe Stunde ist verdammt wenig Zeit, wenn der Magen gerade dabei war Purzelbäume zu schlagen. Dazu kam, dass ich überhaupt keine Ahnung hatte, was ich anziehen sollte. Ich wollte keinesfalls so tussimäßig wie am Vortag rüberkommen. Nicht zu schick, aber auch nicht, dass man denkt, ich käme vom Bauernhof. Etwas, mit dem man mich unmöglich falsch einschätzen könnte. Wo man sofort weiß, welchen Standpunkt ich im Leben vertrete. Und dann hatte ich das perfekte Outfit.

Außer Atem vom Rennen, weil ich - mal wieder - zu spät dran war, quetschte ich mich schließlich in den winzigen, schwarzen Nissan Micra von Marco. Während der mich freundlich begrüßte, musterte mich Sandra ungläubig. "Hättest du dir nicht etwas mit mehr… Farbe… Anziehen können?"
Ich blickte an mir herunter. Ich trug meine neuen schwarzen Chucks, mit meiner Lieblingshose, die zufällig ebenfalls schwarz war und dazu meinen schwarzen Ärzte-Pullover. Okay, einerseits könnte er denken ich wäre total besessener Ärzte-Fan und trage gerne schwarz, weil es mir einfach am besten steht - was auch der Wahrheit entsprach. Oder er dachte, ich wäre ein Emo. Furchtbar! Daran hatte ich noch gar nicht gedacht!
Egal. Solange ich wusste, was richtig ist, kann mir die Meinung dieses Typen egal sein.
Während der Fahrt zu ihm, wünschte ich mir, sie würde nie enden. Ich war so aufgeregt. Ich war nur froh, dass ich nicht alleine war. Sandra und Marco gaben mir etwas Sicherheit. Denn ich kannte diesen Jan nicht mal. Über was sollte ich denn mit ihm reden? Fußball? Hass' ich! Seine Party? War langweilig. Meinen Lieblingsfilm? Kennt keiner. Meine Lieblingsband? Mag keiner. Meine Gedanken? Scheiße!
Der Wunsch, nach einer endlosen Autofahrt, wurde leider nicht erhört und so standen wir zehn Minuten später vor seiner Haustür. Anfangs war es nicht wirklich spannend bei ihm. Die meiste Zeit redeten er, Marco und Sandra. Immer mal wieder wurde ich zwar etwas gefragt, aber das wars auch schon. Zwischendurch sind wir zu McDonalds gefahren. Sandra und Marco saßen vorne - Jan und ich saßen hinten.
Als wir im McDonalds saßen, wurde die Stimmung etwas aufgelockert. Und als wir wieder auf dem Weg zu Jan waren, kniff er mir, wie am Vorabend, dauernd in die Seite. Ich hasste es.
Dann endlich waren wir wieder bei Jan und nach langer Diskussion, welche DVD wir nun ansehen sollten (ich war ja für Mädchen Mädchen), fiel die Wahl auf Hostel. Auf diesem riesigen Ecksofa, machten wir es uns zu viert bequem. Es war eigentlich sinnlos den Film laufen zu lassen, da wir sowieso dauernd quatschten.
Der Film lief schon seit fast einer Stunde, als Jan seinen Arm um mich legte. Ich hoffte nur, er spürte nicht mein Herz, das wie wild schlug. Einige Zeit später, gab er mir einen Kuss auf die Wange. Das war alles so irreal für mich. Ich konnte kaum glauben, was da gerade passierte. Er schien mich tatsächlich zu mögen. Gut, irgendwie fand ich es schon krass, dass das alles so schnell ging. Aber ich mochte ihn immer mehr und wenn er mich auch mochte, dann war es ja okay. Oder?
Ich wollte ihm schließlich auch einen Kuss auf die Wange geben, jedoch drehte er seinen Kopf - wahrscheinlich mit Absicht - in meine Richtung und so wurde aus dem "Bussi" ein richtiger Kuss auf den Mund! Und dann fing es an. Er gab mir nun einen sanften Kuss auf den Mund und irgendwann ging der "harmlose" Kuss in einen Zungenkuss der besonderen Art über. Und mein erster Gedanke war: Geil! Der hat 'en Zungenpiercing!
Ich spürte wie Sandras und Marcos Blicke auf uns hafteten und ich beendete den Kuss. Jan sah mir verliebt in die Augen. Keine Ahnung was mein Blick ihm wohl verriet.
Für den restlichen Film, saßen wir einfach nur nebeneinander und küssten uns hin und wieder. Kurz bevor der Film sich endlich dem Ende neigte, verschwand Jan in seinem Zimmer. Sandra tippte daraufhin etwas in ihr Handy und zeigte es mir schließlich.

Seid ihr jetzt zusammen?

Ich holte mein Handy raus und tippte:

Keine Ahnung.

Marco bekam zwar die Aktion mit, starrte aber weiterhin auf den Bildschirm. Sandra stand nun auf und verschwand ebenfalls in Jans Zimmer. Keine zehn Sekunden später kam sie wieder ins Wohnzimmer und meinte zu mir: "Du sollst mal zu Jan kommen."
Mein Herz… Unglaublich, dass ich keinen Herzschaden hab'. Ich war bereits bis zu diesem Zeitpunkt sehr nervös gewesen, aber als ich mich auf den Weg zu Jan machte, übertraf das alles. Meine Beine fühlten sich an wie Gummi. Ich hatte Angst, sie würden mich enttäuschen und nachgeben.
Ich schaffte es aber und stand schließlich vor Jan. Er schloss die Tür hinter mir und küsste mich. Es war, als würden wir uns schon immer kennen. Und doch war er mir fremd. Nach einiger Zeit (Sandra kam zwischendurch mal ins Zimmer, um zu fragen ob wir noch lange hätten) saßen wir auf seinem Bett.
"Wie siehts denn jetzt mit uns aus?", fragte er mich einerseits erwartungsvoll und andererseits schüchtern.
"Keine Ahnung. Ich muss erst noch darüber schlafen", war meine Antwort. "Ich war irgendwie noch nie in so 'ner Situation."
"Also, ich hab' mich in dich verliebt."
Wuuuuah! Mein Herz machte Purzelbäume! Es ist echt der Hammer so was gesagt zu bekommen. Mir hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch niemand gesagt, dass er in mich verliebt sei. Immer war ich diejenige, die in jemanden verliebt war. Aber nun war es andersrum. Es war unglaublich. Ich dachte mir zwar, dass es unmöglich der Wahrheit entsprach, aber wenn ich so was aus dem Mund eines total süßen Typen höre, dann setzt mein Verstand aus.
Fast zitternd sagte ich: "Wie schon gesagt: Bei mir braucht das etwas Zeit."
"Okay", war Jans Antwort. "Wie lange bist du denn schon single?"
Ich hätte lügen können. Die Wahrheit war nämlich zu peinlich. Aber wenn das echt was wird, dann wär' das kein gutes Omen, wenn ich die Beziehung mit einer Lüge beginne. Also antwortete ich wahrheitsgemäß: "Seit 16 Jahre und 9 Monate…"
Er sah mich überrascht an, sagte aber nichts.
"Du?", fragte ich irgendwann, als er keinen Anstand machte, etwas zu sagen.
"Seit drei Monaten."
Autsch. Drei Monate sind nicht lang. Oder doch? Ich glaube nicht. Wer weiß? Vielleicht war er nicht mal über seine Ex hinweg. Aber um ehrlich zu sein, war es mir in dem Moment egal. Ich hatte die Chance mein Leiden endlich zu beenden. Da war mir alles andere egal.
Er küsste mich immer wieder und wir einigten uns darauf, dass ich ihn am nächsten Abend anrufen würde.
Als wir wieder ins Wohnzimmer kamen, saßen Sandra und Marco auf dem Sofa und sahen uns grinsend an. Sie hatten uns durchs Schlüsselloch beobachtet, wie mir Sandra später gestand. Nachdem niemand den Anstand machte, etwas zu sagen, fragte Marco: "Soll ich euch jetzt nach Hause fahren?"
Sandra sah mich fragend an. "Ja, oder Franzi? Oder willst du noch bleiben?"
"Äh, was? Ich? Wieso?", fragte ich erschrocken. "Nö, quatsch. Ähm, gehn wir."
Jan verabschiedete sich noch von Sandra und Marco und als ich an der Reihe war, gab er mir zum Abschied einen Kuss. Als wäre es selbstverständlich. Als wären wir bereits zusammen. Die Welt stand auf dem Kopf.




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