troublebreathing ♥
Kapitel 8 - Liebe verblödet

Ich habe ein - für mich - ziemlich großes Problem. Dank diesem Problem ist mir schon vieles (wahrscheinlich Tolles) entgangen. Mein Problem ist nämlich, dass ich Angst vor mehr oder weniger neuen Situationen habe. Egal um was es geht. Aber am Schlimmsten ist es beim Thema Liebe. Deshalb hatte ich auch 16 Jahre lang keinen festen Freund. Denn ich habe Angst vor Verabredungen mit Typen, die ich noch nicht so gut kenne. Dass mein Gegenüber und ich uns nur anschweigen, er mich langweilig findet oder noch schlimmer: Mir wieder was total Peinliches passiert.
Diese Angst verschonte mich auch nicht vor dem Treffen mit Felix. Und da es im Kino stattfand, kamen einige Punkte, die schief gehen und damit Ängste in mir auslösen konnten, hinzu. Dabei war meine größte Angst, dass ich mal wieder so viel Pech und nervige Typen hinter mir sitzen hatte. Denn die Kinobesuche davor war es immer so, dass irgendwelche Typen in meiner Nähe saßen und meinen Kinobesuch zum Horror machten. Entweder beschmeißen sie dich mit Popcorn, schlagen mit den Füßen gegen deinen Sitz oder blamieren dich anders.
Celina hatte, als sie damals mit Felix ins Kino ging, Glück. Das Einzige was für sie peinlich war, war das Kommentar zweier Jungs hinter ihnen, die meinten, Celina und Felix sollen während dem Film nicht soviel rumknutschen. Ich wäre froh gewesen, wenn das jemand bei Felix und mir gesagt hätte. Vielleicht hätte er es dann extra gemacht.

Die Zeit blieb nicht stehen, keiner bekam die Masern und auch die Kinos gingen nicht urplötzlich bankrott. Kurz: Es war soweit.
Ich überlegte noch, ob ich Colaflaschen-Gummibärchen mitnehmen sollte (im Kino sind die ja sauteuer), entschied mich aber dagegen. Wahrscheinlich würde ich im Kino so aufgeregt sein, dass ich gar nicht mehr zum Essen kommen würde.
Also saß ich am Abend ohne Gummibärchen, dafür aber mit Teenager Liebe von den Ärzten in den Ohren im Bus und wartete darauf, dass Felix an seiner Station einstieg. Zwei Stationen vorher stieg er jedoch bereits ein. Ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet. Gerade war ich noch in Gedanken dabei, mir total tolle Sätze zurechtzulegen und dann stieg der Depp schon ein! Das war zuviel. Ich war verklemmt, hatte alle Sätze vergessen und wusste echt nicht was ich sagen sollte. Nach knapp fünf Minuten des Anschweigens, ging es aber los. Er quatschte mich voll. Er erzählte von seiner Schwester, was er heute gemacht hatte, was er machen wollte, aber nicht konnte und so weiter. Eigentlich fand ich das gut. Er redete, ich hörte zu. Sollte eigentlich andersrum sein, aber mein Gott! Die Welt emanzipiert sich eben. Allerdings ging er mir auch auf die Nerven. Er hat wirklich nur von sich geredet! Und trotzdem fand ich ihn toll. Ich war echt krank vor Liebe.

Stunden später - so kam es mir jedenfalls vor - standen wir im Kino. Über unseren Köpfen waren alle Filme die an diesem Abend gezeigt wurden auf Bildschirmen aufgelistet. Mir wurde übel. Juno ist doch eigentlich ein Mädchenfilm, dachte ich mir. Was ist, wenn er sich langweilt? Oh mein Gott! Gerade das wollte ich doch auf jeden Fall vermeiden!
"Ähm… wir können auch in einen anderen Film gehen…", schlug ich schließlich vor.
Felix lachte: "Ich dachte du willst diesen Film unbedingt noch mal sehen?"
"Ja, schon", gab ich zu. "Aber mir fällt grad ein, dass das ja eigentlich mehr son Mädchenfilm ist…"
"Hmm… na dann mal kucken, ob sonst noch was Interessantes kommt", Felix ging alle Titel auf den Bildschirmen durch.
"Step up to the streets… hmm… nee… Daddy ohne Plan… naja… nee… ooooh! Jumper!"
"Och nööö. Das ist ein Actionfilm", kommentierte ich.
Felix kniff seine Augen zusammen. "Also da steht, dass es ein Actionthriller ist."
Ich runzelte die Stirn.
"Okay, wir gehen einfach wie geplant in Juno", meinte Felix nach kurzer Überlegung.
"Sicher?"
"Japp", antwortete er nur und zog mich mit.
Als wir an der Kasse standen fiel mir ein, dass Celina unbedingt wissen wollte, ob er mich eingeladen hatte oder nicht. Er war vor mir dran… und… zahlte nur für sich. Zählt das dann überhaupt als richtiges Date? Keine Ahnung. Aber ich hatte in dem Moment andere Probleme. Meine Angst hing mir nämlich immer noch im Nacken. In weniger als 10 Minuten würden wir nämlich nebeneinander im Saal sitzen. Die Werbung würde noch auf sich warten lassen und in der Zeit musste ich mich endlich zusammenreißen und lockerer werden.
Reiß dich zusammen, dachte ich mir. Aber hallo? Ich saß neben Felix im Kino! Wenn das mal kein vernünftiger Grund war aufgeregt zu sein dann weiß ich auch nicht. Aber nach einiger Zeit hatte sich mein Hormonhaushalt zum Glück einigermaßen beruhigt, was auch an meiner Sitznummer liegen konnte. Ich hatte endlich die Nummer 13 erwischt. 13 war meine Glückszahl und bis zu diesem Tag hatte ich es nie geschafft diesen Sitz zu kriegen. Aber es war endlich soweit. Und er erfüllte sogar seinen Zweck. Während Felix auf Sitznummer 14 saß und fast nix von der Leinwand sah, weil sich jemand sehr Großes vor ihn gesetzt hatte, hatte ich zum ersten Mal die beste Sicht. Ich dachte mir, wenn das mal kein gutes Zeichen für einen tollen Abend ist…
Kurz vor der Werbung kramte Felix ewig in seiner Jackentasche herum, holte schließlich eine Packung Colaflaschen-Gummibärchen hervor und öffnete sie.
Ich lachte: "Zwei Seelen, ein Gedanke."
Felix sah mich verwirrt an: "Wieso? Hast auch Gummibärchen dabei?"
"Nein, aber ich hatte es vor."
"Und wieso hast du doch keine mitgenommen?"
"Dachte ich esse es sowieso nicht", antwortete ich. "Ich esse eigentlich nie was im Kino. Ich hasse das voll. Weil dann kau ich so laut und krieg nichts mehr vom Film mit."
"Dann kaust du aber echt komisch", lachte Felix daraufhin. "Willste trotzdem was von mir?"
Er hielt mir die Packung vor die Nase und nach kurzem Überlegen nahm ich mir auch eine Colaflasche heraus.
"Kannst dir schon mehr nehmen", grinste Felix. "Der Film hat ja noch nicht angefangen und somit kannste durch zu lautes Kauen auch nichts verpassen."
So und so ähnlich gingen die nächsten Gespräche weiter. Zwischendurch habe ich noch seine alten Kinokarten nach Datum sortiert und irgendwann fing dann die Werbung an. Und nach endlosen Stunden schließlich der Hauptfilm.
Während des Films verflog meine Unsicherheit allmählich, denn das "Schlimmste" hatte ich ja überstanden. Der Abend wurde sogar richtig schön. Denn auch die Kleinkinder hinter mir waren nicht existent.
Die schönen Dinge enden leider viel zu schnell. So auch der Film. Ich hätte zu gern die Zeit angehalten und die Momente mit Felix verlängert. Ich war süchtig nach ihm und seiner Nähe. Und ich hätte den Moment zwar tatsächlich verlängern können, wurde aber durch die Schule am nächsten Tag, davon abgehalten.
"Alsooo… der nächste Bus kommt in…", Felix studierte den Busfahrplan, während ich mich auf die Bank an der Haltestelle setzte. "Einer Stunde…"
"Was?!", ich sah ihn entsetzt an. "Nee, oder?"
Felix setzte sich neben mich. "Doch."
"Super. Und jetzt?"
"Hmm… wir könnten Heim laufen", schlug er vor.
Jaaaaaaaaa!, war mein erster Gedanke. Leider wurde er sofort wieder von meiner Vernunft beiseite geschoben. Felix hatte zwar am nächsten Tag zwei Stunden später Schule, jedoch musste ich pünktlich um halb 8 meiner Geschichtslehrerin etwas über die Weimarer Republik erzählen können.
Ich seufze: "Nein."
"Was nein?"
"Ich hab morgen keine zwei Stunden später Schule so wie du…"
"Ach komm schon", bettelte Felix.
Ich dachte noch mal nach. Es war halb elf. Bis ich bei mir Daheim gewesen wäre, wäre es ungefähr Mitternacht. Nein. Zu spät. Zudem schmerzten meine Füße wegen den neuen Chucks.
"Es geht wirklich nicht. Das wird sonst zu spät."
Ich sah Felix an, dass er für das Folgende eigentlich keine Lust hatte, aber ich hatte keine andere Wahl.
"Soll ich meinen Vater anrufen, dass er uns holt?"
Kannst dich ja melden, wenn ich euch holen soll, waren die letzten Worte meiner Mutter. Sie wollte uns nur aus einem einzigen Grund abholen: Damit sie endlich Felix kennenlernte. Obwohl ich ihr keinerlei Informationen über mein Leben aushändigte, wusste sie oftmals viel zu viel. So anscheinend auch von meinen Gefühlen für Felix. Ein Grund mehr sie nicht darum zu bitten uns abzuholen.
"Ähm, ja… wenns okay ist…", antwortete ich unsicher.

Während wir auf seinen Vater warteten, erzählte mir Felix einen Witz nach dem anderen. Die Meisten kannte ich und fand sie eigentlich ziemlich langweilig - ich musste trotzdem lachen. Ohja, Liebe verblödet echt.
Nach ungefähr 20 Minuten des Wartens, kam sein Vater angefahren. Wenn man die Beiden zum ersten Mal so sieht, könnte man sich kaum vorstellen, dass sie Vater und Sohn sind. Auf der einen Seite steht Felix, für den etwas nie schnell genug gehen kann und der einfach so lustig ist und auf der anderen Seite sein Vater, der für einen Satz von 20 Wörtern bereits zwei Minuten braucht und einfach total langweilig ist. Achja, er ist außerdem Lehrer… Ich durfte (zum Glück) nie die Erfahrung machen, bei ihm im Unterricht zu sitzen (was vor allem daran lag, dass er in der Nachbarschule unterrichtete), konnte mir aber während der Autofahrt nur zu gut vorstellen, dass sein Unterricht nicht unbedingt der Spannendste ist… Wobei mir Felix später versicherte, dass sein Vater eigentlich schon ziemlich cool ist. Aha. Na dann. Diese coole Seite blieb mir leider verborgen.
Die Autofahrt endete glücklicherweise vor meiner Haustür und nicht in der nächsten Stadt ("Biegen Sie bitte nach rechts ab - da wohn ich nämlich… nein, rechts… neeeiiin! Rechts!" - "Papa, nicht gerade aus, sondern nach rechts, bitte." ) .
Die Verabschiedung fiel zwar spärlich aus (was wohl vor allem an der Anwesenheit meines Schwiegervaters in Spé lag) und obwohl ich später bemerkte, dass meine Füße bluteten, war ich überglücklich an diesem Abend. Und das solange bis ich in meinem Bett lag, Cat Powers Sea Of Love immer und immer wieder hörte… und heulte.

18.1.10 13:28


Kapitel 9 - Wenn Liebe so einfach wäre...

Zugegeben, Kino mit Felix war mal wieder halb so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte. Jedoch machte mich die Gesamtsituation fertig. Denn ich wusste überhaupt nicht, wo genau ich denn nun bei Felix stand. Im einen Moment war er stinknormal zu mir und behandelte mich wie jeden anderen auch. Und im anderen Moment war er… Irgendwie anders. Netter. Total verwirrend einfach.
Die Tage nach dem Kino waren erdrückend. Ich dachte rund um die Uhr an Felix. Ging seine Handlungen und unsere Gespräche im Kopf noch einmal durch und analysierte sie. Natürlich kam ich auf keinen grünen Zweig, was mich immer verrückter machte.
Dazu kam noch, dass ich mal wieder Probleme mit Celina hatte, die, wie auch schon damals, mit Felix zu tun hatten. Denn immer wieder erzählte sie mir, dass sie ihn eigentlich überhaupt nicht mag, hing aber trotzdem dauernd wie eine Klette an ihm dran. Ich war tierisch eifersüchtig.
Weil ich natürlich keine Lust mehr auf dieses Gefühlschaos hatte, wollte ich mich entlieben. Ich gebe zu, wenn man das jetzt so hört, klingt es zum Einen ziemlich absurd und zum Anderen naiv. Aber weil es schon mal geklappt hat (gut, ich war zwar in den Typen damals nicht ganz so verliebt wie ihn Felix, aber beide Male waren es sehr starke Gefühle), wollte ich es noch mal versuchen. Wie? Eine ganze Nacht wach bleiben. Eine ganze Nacht, in der man über alles in Ruhe nachdenken kann. In der völlig neue Perspektiven sichtbar werden. Und man einfach alles in einem völlig anderem Licht sieht.
Naja, diesmal sah das Resultat nicht ganz so positiv aus, wie beim letzten Mal. Denn am nächsten Tag hatte ich Schule und war todmüde. Zur Folge hatte das, dass ich fünf Minuten an einer Tür zerrte, um dann irgendwann zu merken, dass die Tür verschlossen war und überhaupt nicht auf die Toilette führte. Auch ansonsten kam ich leicht betrunken rüber. Man merkt: War eine schlechte Idee.

Knapp zwei Wochen nach dem Kino und stundenlangen Hören von Farin Urlaubs Immer noch, konnte ich soviel Mut, Verzweiflung und Lebensmüdigkeit aufbringen, um Felix endlich zu fragen, was denn nun Sache ist. Mein ursprünglicher Plan war der, dass ich ihn am Mittwochnachmittag in der Pause darauf anspreche. Jedoch hatte er scheinbar bereits gespürt, dass von meiner Seite etwas Unangenehmes kommt, denn an diesem Nachmittag sah er immer öfter unsicher in meine Richtung und hatte eine Fußballmannschaft um sich herum platziert, die ein Vieraugen-Gespräch unmöglich machten.
Also wurde nichts aus dem Gespräch. Mir ging es deshalb so beschissen, dass ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Steffi und Elena waren so perplex mich in dieser Verfassung zu sehen, dass sie erstmals gar nicht wussten was sie sagen sollten.
Irgendwann kam von Elena nur: "Dann redest halt ein andermal mit ihm, hm?"
Ich schluchzte: "Ein andermal? Ich halt das nicht mehr aus! Diese scheiß Ungewissheit! Warum kann der nicht einfach mal sagen, was Sache ist?"
Steffi nahm mich in den Arm und meinte tröstend: "Och Süße, das ist nur ein Junge. Und noch dazu ein ziemlich Unreifer. Also vergiss den einfach. Wenn der dich so unglücklich macht, dann hat der dich gar nicht verdient."
Schön. Mach das mal meinen Hormonen klar. Aber die wollten von so was gar nichts wissen und laießen mich lieber weiter leiden.
Nach der Schule - ich lief mit Celina und Felix zur Bushaltestelle - ging es mir nicht unbedingt besser. Im Gegenteil. Felix' Nähe machte mich krank. Es war dieses "Er ist mir so nah und doch so fern"-Gefühl. Aus diesem Grund, setzte ich mich auf die Bank an der Bushaltestelle, als unser Bus kam. Celina wollte gerade hinter Felix einsteigen, als sie bemerkte, dass ich nicht vorhatte mit diesem Bus zu fahren. Sie verabschiedete sich von Felix und setzte sich neben mich. Nachdem wir uns einige Minuten anschwiegen, fragte sie schließlich: "Alles okay?"
"Nein", antwortete ich leise.
"Warum?"
"Wegen Felix", und da kamen sie wieder - die Tränen.
"Wieso? Was ist denn los?"
Und schon sprudelte es aus mir heraus. Dass ich heute eigentlich mit ihm reden wollte, weil ich nicht wusste, wie das alles jetzt weitergeht. Dass es mir wegen ihm so scheiße geht. Und, dass diese Ungewissheit so weh tat.
Als ich fertig war, fühlte ich mich einerseits befreit und andererseits war es mir peinlich. In letzter Zeit erzählte ich Celina nicht so offen von meinen Gefühlen. Dafür waren eher Steffi, Elena und Sarah zuständig. Die wiederum den Nachteil hatten, dass sie Felix kaum kannten. Celina und Felix jedoch waren, obwohl Celina ihn angeblich nicht mochte, zu dieser Zeit fast unzertrennlich. Beim Thema Felix war sie also die bessere Adresse.
Nur an diesem Nachmittag konnte sie mir nicht weiterhelfen. Sie versuchte mich zwar aufzumuntern, aber wirklich geklappt hatte es nicht. Im Gegenteil. Je mehr wir über Felix redeten, umso schlimmer wurde alles. Ich hatte das Gefühl, als würde ich platzen, wenn ich nicht sofort mit Felix reden konnte.
Wir nahmen den nächsten Bus. Ich konnte es kaum erwarten zu Hause anzukommen, mich im ICQ einzuloggen und endlich mit Felix zu reden. Während der Busfahrt konnte ich mich gut auf mein bevorstehendes "Gespräch" vorbereiten, da Celina und ich uns anschwiegen.
Schließlich war es soweit. Ich war Zuhause, konnte mich sogar noch dazu aufraffen zu duschen und loggte mich dann endlich im ICQ ein. Eine Enttäuschung kommt selten allein: Felix war nicht online. Okay, jetzt nur nicht die Nerven verlieren, dachte ich mir. Er kommt schon noch.
Also wartete ich. In dieser Zeit ging ich noch mal im Kopf durch, was ich ihm wie sagen wollte. Ich ging wie jedes Mal alle Optionen durch und schaute währenddessen gebannt auf den Bildschirm. Gefühlte zehn Stunden später erschien die ersehnte Mitteilung, dass Felix online ist - und mein Herz blieb für einen Moment stehen. Zudem hatte ich (wie immer in solch einer Situation) nun völlig vergessen, was ich mir zurechtgelegt hatte.
Nach einer kleinen Panikattacke und einem Zitteranfall schrieb ich ihn schließlich an.

Franzi: Hey…
Felix: Hey na alles klar?
Franzi: Joa und bei dir?
Felix: Immer doch. ^^
Franzi: Na dann… und was machst grad so?
Felix: Och schau mir grad im Internet paar Videos an. Sonst eigentlich nichts. Und du?
Franzi: Ich blamier mich gleich mal wieder.
Felix: Wegen? Wie meinst das?
Franzi: Naja, ich wollte eigentlich heute in der Schule mit dir reden, aber ich war mal wieder zu feige.
Felix: Aha?
Franzi: Ja und ich weiß auch, dass das ICQ nicht unbedingt der beste Ort ist, um das zu besprechen. Aber wenn ich das jetzt nicht loswerde, dann platze ich vielleicht, weil ich das alles nicht mehr aushalte.  Mir gehts im Moment echt scheiße wegen dir, weil ich überhaupt nicht weiß, was denn nun Sache ist. Ich mein' hallo? Ich sag dir, dass ich dich mag und du? Du sagst gar nichts! Diese Ungewissheit bringt mich noch um!
Felix: Hmm…
Felix: Dass ich nichts dazu gesagt habe, hat den Grund, dass du damals so schnell weg warst.
Franzi: Oh Mann.
Felix: Ja, und weißt, ich mag dich schon. Ich find dich echt witzig und mit dir kann man super Spaß haben.
Franzi: Aber?
Felix: Ja, aber weil du in meiner Para-Klasse bist, kenn ich dich halt noch nicht sooo gut. Deshalb will ich auch mehr mit dir unternehmen, dass ich dich besser kennenlerne.
Franzi: Okay.
Felix: Verstehst was ich meine?
Franzi: Mhm...
Franzi: Aber muss los. Bis dann.

Und schon verschwand ich wieder im Loch, das es ja Internet sei Dank gibt. Fertig wie ich war legte ich erstmal, wie so oft in den letzten Monaten, Clueso mit Keinen Zentimeter in den CD-Player, schmiss mich aufs Bett und heulte ausgiebig.
Okay, für Außenstehende in das wahrscheinlich unverständlich, immerhin bekam ich ja keinen 100 %igen Korb. Eigentlich war es ziemlich vernünftig von Felix. Jedoch dachte ich in dem Moment, aufgrund meines geringen Selbstwertgefühles, dass er zu nett war um mir zu sagen, dass er null für mich empfand und mir deshalb etwas erzählte von wegen wir kennen uns noch nicht gut genug. Es hatte alles keinen Sinn mehr.
Aus diesem Grund, gab es für mich nur noch eine Lösung: Ich musste Felix mehr als unbedingt vergessen.

18.1.10 21:25


Kapitel 10 - Verstand vs. Gefühle

An dem Tag nach dem "Korb" ging es mir nicht sonderlich besser, weshalb ich etwas tat, was ich in meiner Schulzeit bis zu diesem Tag noch nie gemacht hatte: Ich schwänzte die Schule.
Auf keinen Fall wollte ich an diesem Tag Felix begegnen. Das wäre zu peinlich geworden. Außerdem brauchte ich einiges an Abstand, wenn ich ihn vergessen wollte.
Meine Mutter half mir dabei leider nicht wirklich weiter. Jede halbe Stunde kam sie in mein Zimmer, um nach mir zu sehen. Keine Chance da irgendwie einen klaren Gedanken fassen zu können Schließlich musste ich auch noch krank spielen. War echt typisch. Sonst interessiert sie sich überhaupt nicht für mich und dann wenn ich es überhaupt nicht gebrauchen konnte, machte sie eine auf fürsorgliche Mutter. Seinen Zweck - nämlich Felix' nicht über den Weg zu laufen - hatte der geschwänzte Tag ja dann trotzdem erfüllt, weshalb ich über die nervige Mutter hinweg sehen konnte.
Leider vergehen solche Tage zu schnell und es kommt der nächste Tag. Und ich konnte mir unmöglich leisten noch einen Tag blau zu machen. Aber weil ich auch nicht unbedingt sofort wieder Felix sehen wollte, fuhr ich mit einem Bus früher als er und Celina. Ich saß schon seit zehn Minuten vor meiner Klassenzimmertür, als die beiden schließlich eintrafen und mir verwirrte Blicke zuwarfen. Ich dachte schon das wärs gewesen und ich hätte einen unbeschwerten Schultag vor mir. In der ersten Pause aber bat mich Celina nach draußen an die gewohnte Gesprächs-Ecke an den Schließfächern.
"Also was ist los?", fing Celina sofort an.
Schon nach dieser Frage hatte ich keine Lust mehr auf dieses Gespräch und stellte mich blöd: "Wegen? Was soll los sein?"
"Felix hat mir von eurem Gespräch erzählt."
"Aha?"
"Ja und der hat sich voll Sorgen gemacht, weil du voll komisch geworden bist und gestern warst du ja dann auch nicht in der Schule…"
"Mhm…"
Celina durchbohrte mich mit ihrem Blick: "Also? Was ist mit dir los?"
"Ich weiß es nicht", antwortete ich nur.
Sie seufzte: "Weißt er will dich echt besser kennenlernen… Aber wenn du weiterhin seltsam drauf bist, hat er irgendwann auch keine Lust mehr…"
Total verzweifelt und den Tränen nahe, meinte ich schließlich: "Es ist echt zum Kotzen! Jedes Mal wenn wir Kontakt haben, mag ich ihn noch mehr. Und das tut so weh. Und ich will das nicht mehr!"
"Aber warum wartest du denn nicht einfach ab?", versuchte mich Celina zu beruhigen. "Jetzt unternehmt ihr erst mal mehr miteinander und dann…"
"… Nein! Ganz schlecht!", unterbrach ich sie.
Irritiert sah mich meine Freundin an: "Warum?"
Nach kurzem Zögern antwortete ich: "Ich hab Angst… Angst, dass er mich, wenn er mich erstmal besser kennt, vielleicht zu langweilig findet oder so…"
"Was? Quatsch! Wie kommst du denn darauf?"
"Das ist so. Und ich will ja auch nicht mehr. Ich hab' keine Lust mehr, mich wegen dem Typen so fertig zu machen… Ich will ihn einfach nur noch vergessen."
Celina sah mich schweigend an.
"Okay", meinte sie nach einiger Zeit schließlich. "Aber versprich mir, dass du dann auch wieder normal wirst."
Sie lächelte mich aufmunternd an.
"Ich versuchs", war noch meine Antwort bevor ich Felix um die Ecke kommen sah. "Ich geh dann mal wieder ins Klassenzimmer. Bis später."
Celina umarmte mich noch zum Abschied: "Okay, bis dann."

Gut, der Plan war eigentlich einfach: Felix vergessen. Wie aber sollte ich das schaffen, wenn der mir nicht die Möglichkeit dazu gab? Über das Wochenende war Felix auf einer Hütte. Er machte damals ziemlich oft so was mit. Um genau zu sein, war er fast jeden Monat auf so 'ner komischen Hütte. Und leider hatte die Hütte damals keinen Fernseher.
Es war Samstag beziehungsweise Sonntag und kurz nach Mitternacht, als mein Handy lachte - ich hatte eine SMS bekommen. Weil ich eigentlich schon schlief und dementsprechend auch todmüde war, wollte ich die SMS eigentlich ignorieren. Blöderweise bin ich so neugierig, dass ich es nicht mal abwarten kann, so 'ne bescheuerte SMS erst am nächsten Morgen zu lesen. Also griff ich - verschlafen wie ich war - zu meinem Handy, um nachzusehen, wer mir geschrieben hatte. Als ich endlich verstand wer mir geschrieben hatte, war ich hellwach und mein Herz fing an wie wild zu schlagen. Scheiße. Zitternd öffnete ich sie.

Felix 00:08
Hi du. Na was machst du grad? Ich kann nicht schlafen. Hdl

Was sollte das denn? Was werde ich wohl um diese Zeit machen? Egal, ich schrieb ihm trotzdem zurück.

Franzi 00:11
Ähm, ich mache eigentlich nicht viel. Warum kannst du denn nicht schlafen?

Erst eine halbe Ewigkeit später bekam ich eine neue SMS von ihm.

Felix 00:32
Bin grad auf der Hütte und alle schlafen schon außer mein Kumpel und ich.

Durch das lange Warten wurde ich wieder müde und konnte mich so nicht darauf konzentrieren, was ich nun zurückschreiben sollte. Da war es dann gut, dass mir Felix diese Entscheidung abnahm.

Felix 00:41
Du kannst du mir die Fußballergebnisse sagen? Wäre echt Hammer von dir.


Obwohl ich todmüde war, zögerte ich nicht lange und sprang auf, schaltete den Fernseher an und suchte im Teletext nach den Ergebnissen. Es dauerte ewig bis ich endlich das Richtige gefunden, im Handy eingetippt und auf 160 Zeichen beschränkt hatte. Keine zehn Minuten später, kam sogar schon seine Antwort.

Felix 01:06
Bist echt der Hammer! Danke! Voll lieb von dir. Hast was gut bei mir.

Franzi 01:09
Passt schon. Aber ich geh jetzt langsam mal ins Bett. Gute Nacht und bis dann.


Er schrieb mir schließlich noch eine SMS, in der er mir ebenfalls eine gute Nacht wünschte. Kurz danach schlief ich sofort wieder ein.

Erst am nächsten Tag oder vielmehr gesagt einige Stunden später, war ich wach genug um über die SMS nachdenken zu können. Ich fragte mich, warum er ausgerechnet mir geschrieben hatte. Und warum ausgerechnet jetzt? Jetzt wo es zwischen uns eigentlich seltsam sein sollte.
Ich hatte keine Ahnung was in seinem Kopf vor sich ging und ich versuchte mir keine Gefühle seinerseits aufgrund seiner SMS einzubilden. Natürlich klappte das nicht wirklich.
Die Wochen danach schaffte ich es dann aber tatsächlich endlich den Kontakt zu Felix zu reduzieren. Das gelang mir vor allem deshalb, weil es mittlerweile Anfang Mai war und mein langersehnter Mallorca-Urlaub bevorstand. In drei Wochen sollte es soweit sein und die Zeit davor beschränkte ich meine Gedanken hauptsächlich auf meine Urlaubsaktivitäten.
Der Urlaub hatte echtes Traumurlaub-Potential, wenn es meine Blödheit (und vor allem meine Mutter und ihre Freundin, die nerviger als Klingeltonwerbungen waren) nicht gegeben hätte. Denn am Tag zuvor schrieb ich Celina noch eine lange E-Mail in der ich ihr erklärte, dass ich krankhaft eifersüchtig auf sie bin, weil sie so ein super Verhältnis zu Felix hatte, weshalb ich die letzten Wochen auch so seltsam ihr gegenüber war.
Wobei das noch nicht so blöd war, wie das was ich am nächsten Tag gemacht hatte. Seit gerade mal knapp drei Stunden da und schon packte mich die Neugier wieder und ich checkte am Computer in der Hotellobby meine E-Mails. Eine Antwort von Celina wartete bereits in meinem Postfach. Ihre E-Mail war ebenfalls sehr lang. Sie meinte, dass sie nicht sauer ist, dass ihr das Alles mit uns Leid tut, dass ich nicht eifersüchtig sein muss, weil sie tatsächlich nur noch Freunde sind und so weiter und so fort. Das Meiste interessierte mich nicht sonderlich. Was aber bei mir hängen blieb, war folgender Satz: Ja und dann hab ich ja auch noch mal mit Felix geredet und er meinte halt, du seist voll komisch. Diesen Satz las ich wahrscheinlich hunderte Male durch, bis mir bewusst wurde, was ich da eigentlich las. Hallo?! Komisch? Wie sollte ich denn das bitte verstehen?
Ich hatte keine Ahnung was er damit meinte, aber ich empfand es nicht wirklich positiv und war kurz vor der nächsten Heulattacke.
Als ich das Alles jedoch einige Minuten auf mich einwirken ließ, waren die ersten Gedanken verschwunden. Und nicht nur das: Es war mir sogar irgendwie… egal. Findet Felix mich eben komisch. Na und?
Ich loggte mich aus und verschwand in der einen Woche Urlaub kaum einen Gedanken mehr an Felix. Kein einziges Mal vermisste ich ihn. Ich glaubte es endlich überstanden zu haben und war überglücklich.

19.1.10 18:37


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