troublebreathing ♥
Kapitel 4 – Das dritte Rad am Fahrrad

"Alsooo… ich wollte dich fragen, ob du Lust hast mit Felix, Katja und mir am Samstag bei mir zu kochen und danach auf den Weihnachtsmarkt zu gehen", fragte mich Celina, während wir nebeneinander auf dem Boden vor den Klassenzimmern saßen.
Felix und Celina waren nun schon seit zwei Wochen zusammen. In dieser Zeit hingen sie fast jeden Tag zusammen rum, weshalb Celina kaum noch Zeit für mich hatte. Die Zeit, die wir zusammen verbrachten, hatte jedoch allgemein abgenommen, seitdem wir auf dieser Schule waren. Mit Felix hingegen hatte ich nach wie vor – meistens abends - ständig Kontakt per ICQ.
"Ähm… naja… ich weiß nicht… mal sehen", war nur meine Antwort.
"Ach komm, Franzi. Bitte!", bettelte Celina, als Felix gerade zu uns stieß.
"Jaaa, komm Franzi! Bitte!", äffte Felix Celina zum Spaß nach.
"Mann, Felix. Du weißt doch gar nicht um was es geht", lachte Celina.
"Nee, um was geht's denn?"
"Samstag. Ich versuche Franzi gerade dazu zu überreden, mit uns zu kochen."
Felix sah erst Celina und dann mich an und meinte übertrieben: "Ja, aber natürlich musst du mitkochen! Es sei denn, du kannst einen wichtigeren Termin nachweisen."
Er sah mich so freundlich an, wie es noch kein Junge gemacht hatte und Celina fügte zur Sicherheit ein weiteres "Bitte" hinzu.
Ich hatte schwer mit mir zu kämpfen, was die beiden merkten und einen gespielten Hundeblick aufsetzen ließ.
Ich seufze. "Ich muss mit dem Hund raus."
"Da kommen wir dann einfach mit", bestimmte Felix zufrieden. "Also ist es abgemacht: Du kochst mit."
Eigentlich hatte ich echt keine Lust den Beiden den ganzen Tag beim Abschlabbern zuzuglotzen, aber ich dachte mir, zur Not hätte ich ja immer noch Katja.
Falsch. Ganz falsch.
So langsam mit der Zeit sollte ich eigentlich wissen, dass meine Vorstellungen von einer bestimmten Situation in der Zukunft zu 107 % nicht mit der Realität übereinstimmen. Aber trotzdem gehe ich dann immer wieder die gesamte Situation im Kopf durch – jede Handlung und jeder Dialog wird dabei von meinen Gedanken geschaffen und geprobt. Und in dem damaligen Koch-und-Weihnachtsmarkt-Szenario gab es einfach nur Celina, Felix, Katja, Herd, Punsch und mich. Selbstverständlich war das falsch gedacht.

Am Freitagmorgen kam Celina zu mir ins Klassenzimmer und teilte mir mit, dass am nächsten Tag auch Chris kommen würde. Und da schrillten schon die Alarmglocken. Chris war nämlich Katjas Ex. Die Beiden waren erst seit einer Woche oder so getrennt. Ob das dann so gut war? Mein Gefühl schrie ein eindeutiges Nein.
"Äh… Celina… Ich weiß nicht, ob das dann so 'ne gute Idee ist…", meinte ich unsicher.
"Ich weiß, du machst dir Sorgen, weil du denkst, dass da dann nur Paare sind, aber die Zwei sind ja gar nicht mehr zusammen", versuchte mich meine Freundin zu beruhigen.
Ich überlegte. "Sind die denn echt nicht mehr zusammen?"
"Jaa, natürlich. Das weißt du doch. Die sind jetzt nur noch gute Freunde."
Die Stimme in meinem Kopf schrie ein lautes Nein, doch die Stimme, die aus meinem Mund kam, sagte: "Naja, okay… Wenn die echt nicht mehr zusammen sind…"
Nach diesem Satz hätten eigentlich alle Herde der Stadt kaputt gehen und diverse Weihnachtsmarktstände verbrennen sollen. Vielleicht hätte mich das vor einem der schlimmsten Tage in meinem Leben bewahrt.
Als ich am nächsten Tag um 13 Uhr bei Celina erschien, waren bereits alle Eingeladenen anwesend und führten eine angeregte Diskussion, welche Soße man nun zu den Spaghetti machen sollte. Tomatensoße hatte schließlich die Nase vorne und somit gab es an diesem Tag Spaghetti mit Tomatensoße und Salat.
Anfangs lief alles eigentlich noch ganz okay. Felix und Katja kochten die Spaghettis und Soße, Celina und ich kümmerten uns um den Salat und Chris… war einfach da.
Doch nachdem wir gegessen hatten, fing es so langsam an: Katja und Chris hielten immer mal wieder Händchen und warfen sich verliebte Blicke zu. Währenddessen alberten Felix und Celina auf eine verliebte Art miteinander rum. Wo war nur das Loch, das unter den Füßen auftaucht und einen aus beschissenen Situationen verschwinden lässt, wenn man es mal braucht?
Gegen später gingen wir dann endlich zu mir, damit ich mit meinem Hund, den ich übrigens Lucy taufte, ’ne kleine Runde laufen konnte. Während die anderen vor der Haustür warteten und Lucy (die damals erst ein halbes Jahr alt war) begrüßten, musste ich noch schnell etwas aus meinem Zimmer holen und hörte auf dem halben Weg Felix fluchen.
Ich konnte mir schon denken warum er fluchte. "Aso, passt auf! Die pinkelt, wenn sie sich freut!"
"Super", hörte ich Felix nur trocken sagen. Ich musste grinsen.
Nachdem ich wieder bei den anderen war, die mit meinem Hund im Garten herumtobten, schimpfte Felix mehr oder weniger ernst: "Dein Hund hat meinen Schuh angepisst!"
Ich lachte. "Ich hab’ euch doch gewarnt, dass sie ihre Blase noch nicht so unter Kontrolle hat."
"Zu spät, ja", regte sich Felix gekünstelt auf.
Damals wusste ich noch nicht, dass Felix mich dauernd damit aufziehen würde.

Hinter unserem Haus lag eine große Wiese wo ich öfter mit Lucy spazieren ging. Während ich also mit Lucy in die Wiese ging, warteten die Anderen an der Feldstraße und ich entfernte mich immer weiter von ihnen. Lucy war gerade mit fremde-Hundehaufen-beschnüffeln beschäftigt, als ich mich zu den Anderen umdrehte und feststellen musste, wie alleine ich doch wieder war. Celina und Felix umarmten sich, redeten über etwas und sahen sich dabei sehr verliebt an und Katja und Chris, waren mitten in einer wilden Knutscherei. Ich hätte mich am Liebsten im Schnee eingebuddelt, in der Hoffnungen ich würde erfrieren. Als zweite Auswahl, bestand auch wieder der Wunsch nach einem schwarzen Loch. Beides wurde mir verwehrt und so blieb mir nichts anderes übrig, als die Runde zu beenden und zu den Anderen zurück zu kehren. Natürlich hätte ich auch einfach sagen können, dass ich keine Lust auf den Weihnachtsmarkt hatte, aber dann hätten sie mich gefragt warum und ich hätte ihnen unter Tränen gestehen müssen, wie einsam ich mich gerade fühlte, woraufhin sie mich getröstet hätten und ich somit noch mehr geheult hätte. Kurz gesagt: Es wäre einfach zu peinlich geworden.
Ich ließ das Grauen also weiter über mich ergehen und schaffte es, während wir über den Weihnachtsmarkt spazierten, mich immer schlechter zu fühlen. Das war so eine irreale und gleichzeitig traurige Situation: Vorne liefen händchenhaltend Katja und Chris und hinter ihnen Felix und Celina – ebenfalls händchenhaltend. Und wiederum hinter ihnen trottete ich her. Alleine. Einsam. Ich kam mir vor wie das dritte Rad am Fahrrad. Keiner braucht es. Es ist so unwichtig, dass es nicht mal existiert. Am Wagen gibt es wenigstens noch ein Ersatzrad, aber am Fahrrad wäre das einfach bescheuert. Kein Mensch kommt auf die Idee, ein Ersatzrad irgendwo am Fahrrad anzubringen.
Ich hatte ziemlich mit mir zu kämpfen, um nicht gleich los zu heulen. Und als die Anderen dann schließlich einen Turm, einen von vielen, die es in unserer Stadt gibt, besichtigen wollten, wartete ich am Eingang.
Was für eine beschissene Situation. In mir herrschte tiefste Eiszeit. Ich fühlte mich wie eine Fliege - gefangen in einem Spinnennetz. Zudem hatte die Situation etwas Filmähnliches, richtig Dramatisches an sich. Denn direkt vor mir drehte sich ein Karussell und leuchtete in den verschiedensten Farben. Lachende Kinder drangen in mein Ohr. Und überall fröhliche Menschen, die der weihnachtlichen Stimmung verfallen waren. Dadurch wurde meine Einsamkeit verstärkt. Bis es unerträglich wurde und ich aufsprang. Und lief. Ohne Ziel lief ich durch die Stadt.
14.9.09 18:57


Kapitel 5 - Funkstille

Nachdem ich mich einfach so aus dem Staub gemacht hatte, rief mich Celina kurze Zeit später zwar noch an um sich nach mir zu erkunden, klang aber sichtlich erleichtert, als ich ihr mitteilte, dass ich mich nun auf den Heimweg machte. Wahrscheinlich zerstörte ich ihr mit meiner Trauermiene den Abend. Am darauffolgenden Montag rieb sie mir schließlich noch unter die Nase, dass Felix meine Abwesenheit erst nach über 'ner halben Stunde bemerkte. Ich glaube nicht, dass sie damals wusste wie sehr ich in dieser Zeit wegen ihr und Felix litt und, dass mir so eine Information mehr weh tat, als das Fleischessen einem Vegetarier.
Aber das konnte ihr egal sein, denn dieser Samstag veränderte so Einiges: Chris und Katja waren seither wieder zusammen und da beide auch irgendwie mit Felix und Celina befreundet waren, gab es nun öfter Viererdates. Für mich blieb da keine Zeit mehr und ich wurde immer unwichtiger für Celina. Einerseits war das Balsam für meine Seele, da ihre Gesprächsthemen sich nur noch um Felix drehten und mir es natürlich immer das Herz brach, von meiner besten Freundin zu erfahren, wie toll doch der eigene Schwarm als fester Freund ist. Andererseits habe ich mir geschworen, dass nie ein Wesen des anderen Geschlechts irgendeine meiner Freundschaften zerstören würde. Aber Celina wendete sich immer mehr von mir ab und entweder traf sie sich mit Felix, zu einem Viererdate oder mit Katja. Ich, die ja null Ahnung von Typen hatte, wurde da einfach zu uninteressant.
Kurz nach Weihnachten und am Tag vor unserem Geburtstag, bekam ich das Bedürfnis  Celina endlich mal meine Meinung zu sagen. Also rief ich sie an.

"Hallo?", meldete sich Celina.
"Ähm… Hi!", begrüßte ich sie mit zitternder Stimme. "Ich bins. Franzi."
"Ja?"
Oh Mann. Jetzt musste ich was sagen. Ich hasse solche Situationen, in denen ich irgendwem meine Meinung sagen und dann mit Kritik rechnen musste.
"Jaa… also… ich wollt' mit dir mal über die derzeitige Situation reden."
"Aha… ja?", so langsam hörte sich auch Celina etwas unsicher an.
"Ja, also ich find alles grad echt scheiße. Wir machen gar nichts mehr zusammen. Du bist nur noch mit Felix oder Katja unterwegs und ich habe nicht mehr das Gefühl, dass wir befreundet sind."
Geschafft. Ich atmete tief ein und wieder aus. Jetzt kommt die Kritik.
"Ich frag' dich doch dauernd, ob du mit uns mitkommen willst und du sagst immer nein!", meinte Celina aufbrausend. "Irgendwann hab’ ich da eben auch keine Lust mehr dich zu fragen!"
Mein Herz schlug wie wild. "Du hast mich einmal gefragt, ob ich mit dir und Felix an den See mitkommen will! Und du weißt ganz genau, dass ich auf diese Pärchenscheiße keine Lust habe!"
"Ja, dann sag halt mal was!"
"Tu ich doch jetzt!", ich schloss kurz meine Augen, um mich auf meine nächsten Worte zu konzentrieren. "Aber weißt du was das Schlimme ist? Es ist immer dasselbe. Wir sind immer nur solange irgendwie richtig gut befreundet, bis jemand anders kommt. Jemand Neues, der für dich interessanter ist. Ich komm' mir vor wie 'ne Puppe, mit der du immer nur dann spielst, wenn die anderen Spielsachen verschwinden. Ich bin praktisch die Notlösung."
Stille. Ich hatte schon Angst, dass Celina einfach so auflegt.
Doch als sie ihre Stimme wieder gefunden hatte, antwortete Celina: "Das stimmt nicht. Aber wenn du das so empfindest, dann tuts mir Leid. Und ich werde eben versuchen, das irgendwie zu ändern."
"Nein", bevor ich weitersprach, dachte ich noch mal genau über meine nächsten Worte nach. "Ich will erstmal Funkstille. Da kannst du ja dann mal über alles nachdenken und vielleicht ist es danach echt besser."
Wieder kurze Stille.
"Mhm… okay. Wenn du das so willst", sagte sie mit leiser Stimme.
"Ja, ist echt besser so."
"Okay."
"Also bis dann."
"Jaa… tschüss."
"Ciao", beendete ich schließlich das Gespräch.

Geschafft! Ich fühlte mich befreit, aber nicht wirklich viel besser. Celina und ich kannten uns nun seit dem Kindergarten und waren schon seither mehr oder weniger beste Freundinnen. Und jetzt so was. Am liebsten hätte ich noch mal angerufen und das alles rückgängig gemacht, aber so wie vorher konnte es auch nicht weitergehen. Ich sagte mir, dass es so am Besten war und wir ignorierten uns. Anfangs war es aber noch komisch. Also schrieb ich ihr wie jedes Jahr – trotz der Funkstille – kurz nach Mitternacht eine SMS, in der ich ihr zum Geburtstag gratulierte. Sie bedankte sich und gratulierte mir ebenfalls per SMS.
Nach zwei Wochen trafen wir uns dann zufällig im Rathaus. Wir hatten unsere Ausweise am selben Tag beantragt und bekamen somit vermutlich auch am selben Tag den Brief, dass wir ihn nun abholen könnten. Und natürlich wollten wir ihn so schnell wie möglich haben, weshalb wir uns am Montag nach den Weihnachtsferien gleich nach Rathausöffnung im Foyer dieses hässlichen Gebäudes trafen. Ich hatte mir schon überlegt noch etwas zu warten, aber nein. Also kam ich in unser potthässliches Rathaus und stand schließlich hinter Celina und ihrem Bruder. Was passierte? Nichts! Die beiden bemerkten meine Anwesenheit gar nicht. Gut. Ich hatte nun zwei Optionen: Entweder versuchte ich ein kleines, sehr schwaches "Hi" aus mir herauszuquetschen oder ich sag' gar nichts. Beim Zweiten käme ich mir irgendwie sehr komisch vor, also wählte ich die erste Option. Und… Trommelwirbel… es wurde kalt. Beide quetschten zwar ebenfalls ein leises "Hi" heraus, sahen mich aber an als wäre ich ein Schwerverbrecher. Naja, immerhin reichten ihre Stimmen beim Gehen noch für ein "Tschüss" aus.
Die nächsten Wochen ging es dann in der Schule weiter. Keine Blicke. Keine Wörter. Als hätten wir uns nie gekannt.
An einem Tag kam dann Kevin, der sich nach einiger Zeit als Lügner und total nervig entpuppte, in mein Klassenzimmer.
"Ich hab' gehört du und Celina habt Streit."
Ich sah vom Mathebuch auf. "Sowas in der Art. Warum?"
Kevin grinste. "Du sollst mal rauskommen."
"Warum?", fragte ich erneut.
"Damit ihr euch aussprechen könnt und wieder miteinander redet."
"Nö", war nur meine Antwort.
Während Kevin versuchte mich zu überreden mit ihm vor die Tür zu kommen, sammelte ich meinen Papiermüll auf und machte mich auf den Weg zum Papierkorb, der direkt neben der Tür stand.
"Och man, Franzi", fing Kevin an. "Dann sag mir wenigstens warum ihr nicht mehr miteinander redet."
Ich war schon wieder auf dem Rückweg an meinen Platz und ziemlich genervt. "Nein! Also lass mich doch einfach damit in Ruhe!"
Und schon zerrte Kevin mich an den Armen raus. Ich versuchte mich zu wehren, aber gegen Kevin, der fast einen Kopf größer war als ich, hatte ich keine Chance und so stand ich schließlich vor Celina, Felix und fünf anderen aus ihrer Klasse.
"Soo, jetzt redet ihr euch aus und dann ist wieder alles gut", versuchte Felix weniger ernst zu schlichten.
Celina sah mich unsicher lächelnd an. Fast so als glaubte sie ich würde ihr nun tatsächlich um den Hals fallen. Die anderen aus ihrer Klasse drängten mich nun immer mehr zu ihr und sagten so was wie "Vertragt euch doch wieder" – alles war natürlich nur Spaß. Für sie vielleicht. Mich machte das wütend und traurig zugleich. Was sollte das? Warum erzählte Celina jedem von unserem "Streit"? Und was sollte das mit diesen Deppen aus ihrer Klasse?
Jedenfalls war ich so sauer, dass ich dieses Bill Kaulitz-Double aus Celinas Klasse, das hinter mir stand, zur Seite stieß und wieder in meinem Klassenzimmer verschwand.
Meine Wut hielt auch über den Mittag an, bis mich schließlich Felix im ICQ anschrieb.

Felix: Hey jo alles klar?
Franzi: Ach verpiss dich doch.
Felix: WOOW! Wasn bei dir los? Hab ich irgendwas gemacht?
Franzi: Ich finds so scheiße von euch, dass ihr jedem von unserer Funkstille erzählt und sich alle drüber lustig machen!
Felix: Hää? Wer hat das wem erzählt?
Franzi: Willst du mich verarschen?! Schon vergessen was heute vor den Klassenzimmern war?
Felix: Nein, aber Celina hat niemandem von eurem Streit erzählt.
Franzi: Und warum wusste dann Kevin davon? Und die ganzen anderen Deppen aus eurer Klasse?
Felix: Achso, ja. Also, dass es Kevin weiß, ist halt so passiert, weil er mal wieder ungefragt bei uns rumstand und das eben mitgekriegt hat, als Celina und ich drüber geredet haben. Und die anderen haben halt nur blöd mitgeredet, ohne überhaupt zu wissen, um was es geht. Weißt doch wie die sind.
Franzi: Aha.
Felix: Ja, ist echt so. Und Kevin knöpfe ich mir auch noch vor, das kannst mir glauben.
Franzi: Na, wenn du das sagst.

Ich glaube, ich hätte Felix jede noch so bescheuerte Lüge abgenommen. Einfach, weil er nicht so wie die anderen war, die sich das Leben leichter lügen. Und vielleicht auch, weil ich ja immer noch unsterblich in ihn verliebt war.
Am darauffolgenden Tag saß ich vor unserem Klassenzimmer und hörte Musik, als Kevin vor mich hinkniete und verzweifelt meinte: "Entschuldigung, dass ich dich gestern aus dem Klassenzimmer gezerrt und mich in euren Streit eingemischt hab'."
Ich nahm einen Stöpsel aus dem Ohr und sah ihn irritiert an: "Ähm… jaa… ist schon okay."
"Kannst du dann bitte Felix sagen, dass ich mich bei dir entschuldigt hab’?", bat er mich.
"Äh… kann ich machen…"
"Danke", meinte Kevin erleichtert. "Der ist nämlich total sauer mit mir und hat gesagt, ich soll mich bei dir entschuldigen."
"Okaaaay?", fragte ich eher, als dass ich es sagte.
Eventuell sollte ich noch hinzufügen, dass Kevin in seiner Klasse nicht besonders beliebt war. Und wenn einer sauer auf ihn war, hatte er gleich auch dessen Freunde im Nacken, die ihn piesackten und regelrecht fertig machten. In diesem Fall war Felix sauer auf ihn. Und Felix war überall beliebt und hatte 'nen Haufen Freunde hinter sich, die nur darauf warteten einen Grund zu haben, um auf Kevin herumzuhacken.
"Gut, danke", sagte Kevin nur noch, bevor er wieder in seinem Klassenzimmer verschwand.

Es war Montagnachmittag, als ich die Mittagschule endlich überstanden hatte und völlig fertig im Bus saß. Wenn ich Zeit hatte, stieg ich eine Station früher ein, da bei der Haltestelle direkt vor der Schule meistens 95 % der Schüler einstiegen und ich so nie einen Sitzplatz bekam. Nach der Mittagsschule war das jedoch weniger der Grund, sondern vielmehr wollte ich nicht ewig lang in der Kälte warten und lief so lieber fünf Minuten länger zur Haltestestelle. An der nächsten Station stieg Celina, die zu dieser Zeit ebenfalls Mittagschule hatte, ein. Ich saß im hinteren Teil direkt an der Tür und da der Bus fast leer war, dachte ich, sie würde mich sehen und sich irgendwo vorne hinsetzen. Aber was tat sie? Läuft auf mich zu und setzt sich direkt vor mich hin!
Ich dachte damals schon sie wollte mich ärgern, da sie mich keines Blickes würdigte. Ich musste jedoch schon allein deshalb ständig zu ihr sehen, weil sie ja direkt vor mir saß und es komisch ausgesehen hätte, wenn ich ständig nach rechts, also ins vordere Abteil des Busses, geguckt hätte. Als sie schließlich zwei Stationen vor meiner ausstieg und mich endlich bemerkte, schien sie sich richtig über meine Anwesenheit zu erschrecken. Hab' mir nicht wirklich was dabei gedacht, da ich ja wusste wie verpeilt Celina manchmal sein konnte. Am nächsten Tag erfuhr ich dann jedoch, dass sie nicht umsonst so verpeilt durch die Gegend lief.
Wie fast jeden Abend schrieben Felix und ich und erst nach fast 'ner Stunde erzählte er mir die Neuigkeit.

Felix: Aso, ich hab' mit Celina Schluss gemacht.
Franzi: Waas?! Wann???
Felix: Ähm, am Montag in der Pause.
Franzi: Jaaa wie jetzt? Warum denn?
Felix: Ach weißt, die war in letzter Zeit dauernd so abwesend und desinteressiert. Und hatte dauernd schlechte Laune.
Franzi: Und wie gehts ihr jetzt?
Felix: Ich glaub nicht so gut, aber wir haben gesagt, wir bleiben Freunde.
Franzi: Suuuper Satz. Echt ey... -.-
Felix: Ja, sorry. Wenns nicht passt, dann ists halt so.
Franzi: Oh Mann, die tut mir grad soo Leid und bin nicht für sie da.
Felix: Tja, vielleicht solltest dann mal den Schritt machen und auf sie zugehen. :-)
Franzi: Nein. Das kann ich nicht. Außerdem versteh ich nicht mal, warum immer ICH den ersten Schritt machen soll!
Felix: Naja, wenn du Celina wärst, würdest du dann den ersten Schritt machen?
Franzi: Aber sie hat doch Scheiße gebaut!
Felix: Und du wolltest 'ne Funkstille.
Franzi: Ach Mann. :-( Ist doch Kacke! -.-

Es war nun schon Mitte Februar und obwohl ich es eigentlich noch immer nicht einsehen wollte wieder mal den ersten Schritt machen zu müssen, fasste ich mir doch ein Herz und entschied mich dafür mit Celina zu reden. In der ersten Pause saß sie bereits mit drei anderen Mädchen vor ihrem Klassenzimmer, als ich vor ihr stand und sie einfach ansprach: "Hey, kannst du mal bitte mitkommen?"
Ohne zu zögern stand sie auf und wir gingen vor zu den Schließfächern, wo es schon öfter intensive Gespräche gab. Zum Beispiel das zwischen Felix und Celina, als er sie gefragt hat, ob sie mit ihm gehen möchte.
"Jaa, also, ich wollt' ja eigentlich gar nicht den ersten Schritt machen und so", fing ich an. "Aber ich hab' mich in dich hineinversetzt und mir ist aufgefallen, dass ich, wenn ich dich wäre, ja auch nie den ersten Schritt machen würde, also mach ichs jetzt doch."
Langsam hatte Celina ein unsicheres und zugleich erwartungsvolles Lächeln auf ihrem Gesicht: "Okaay…"
"Mhm… und könnten wir bitte wieder reden?“" fragte ich sie schließlich.
"Oh Mann, natürlich!", war Celinas Antwort, bevor wir uns umarmten.
"Gott, hab' ich dich vermiss", brachte ich nur noch hervor.
Celina erwiderte daraufhin lachend: "Ich dich doch auch, du Nuss!"

15.9.09 23:07





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