troublebreathing ♥
Kapitel 1 - Neue Schule, neues Glück

Alles begann vor fast drei Jahren. Meine beste Freundin Celina und ich wechselten zusammen auf eine weiterführende Schule. Wir hatten großes Glück, dass wir beide aufgenommen wurden und hofften jetzt nur noch drauf, dass wir auch in dieselbe Klasse kamen.
Da saßen wir also händchenhaltend mit über achtzig anderen Schülern in diesem riesigen Hörsaal. Vorne standen mehrere Lehrer – unter anderem unsere baldigen Klassenlehrer – und der Schulleiter. Letzteres hielt gerade noch eine endlos lange Rede, in der er uns wiederholt darauf aufmerksam machte, dass wir keine Freizeit mehr haben sollten, wenn wir auf dieser Schule sind. Versagen wir auf dieser Schule, dann versagen wir auch im späteren Berufsleben. Während dieser Rede kam ich mir so klein und hilflos vor. Ich bekam Zweifel, ob diese Schule tatsächlich richtig für mich war oder ob es nicht doch besser gewesen wäre, einfach gleich ins Berufsleben einzusteigen. Eigentlich sollte uns so eine Rede vom Schulleiter Mut machen – so war es zumindest immer an meiner alten Schule -, doch stattdessen wurde ich in meinem Sitz immer kleiner und wollte am Liebsten aus dem Raum stürmen.
Mittlerweile kam er ans Ende seiner Rede und gab nun bekannt, die einzelnen Namen für die entsprechenden Klassen aufzurufen. Jetzt wurde mein Händedruck fester und Celina erwiderte ihn. Ich kam mir vor wie Harry Potter, als dieser den sprechenden Hut, der entschied, in welches Haus er kommen sollte, aufbekam. Auch hier ging es darum, ob man zu den Guten oder Schlechten kommt. Zudem hatte ich riesige Angst, ohne Celina diese Schule bestehen zu müssen. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir alles zusammen gemacht. Wir kannten uns bereits seit dem Kindergarten und von da an, gingen wir immer denselben Weg. Auf mich alleine gestellt zu sein war mir völlig fremd.
Der Schulleiter hat bei den drei möglichen Klassen, logischerweise mit der a-Klasse angefangen und bereits die halbe Klasse gefüllt, als er den Namen meiner Freundin aufrief. Angespannt und unsere Hände noch fester gedrückt, warteten wir drauf, dass auch mein Name aufgerufen wurde. Doch schon nach kurzer Zeit bat er die aufgerufenen Schüler, ihrem neuen Klassenlehrer zu folgen. Celina und ich sahen uns verzweifelt und zugleich aufmunternd an, bevor sie aufstand, sich aus der Reihe quetschte und mit ihren neuen Mitschülern den Raum verließ.
In mir stieg die Panik hoch. Ich fühlte mich so allein und hätte fast losgeheult. Doch dafür war keine Zeit. Nun wurde die b-Klasse gefüllt. Kurz vor dem Ende des Alphabetes wurde mein Name aufgerufen. Ich kam mir vor wie das Kaninchen vor der Schlange – absolut hilflos.

Während also meine neuen Mitschüler und ich unsere Klassenlehrerin quer durch die Schule folgten, war mir sofort klar, dass das nicht so bleiben konnte. Ich musste unbedingt die Klasse wechseln.
Auf dem Weg in unser Klassenzimmer fiel mir erstmals auf, wie groß diese Schule doch ist. Überall Treppen, abzweigende Flure, Türen und Menschen. Heute weiß ich, dass mehr als 2000 Schüler jährlich diese Schule besuchen. Meine vorherige Schule unterrichtete höchstens 100 Schüler. Nie glaubte ich mich in diesem riesigen Irrgarten zurechtfinden zu können.
Im Klassenzimmer angekommen, ging es zuerst langweilig weiter. Unsere Klassenlehrerin erklärte uns diverse Regeln, wiederholte noch mal die Rede vom Schulleiter und ging den Stundenplan mit uns durch.
Dann schließlich kam der Teil, vor dem ich mich fürchtete: Die Vorstellungsrunde.
Jeder musste ein Memory-Kärtchen ziehen und das passende Gegenstück, das ja ein anderer Mitschüler gezogen hatte, suchen. Ich selbst hatte Fabius, diesen blau-gelben-Fisch von Arielle. Und ehe ich mich versah, stand er vor mir – der Grund, weshalb ich nun plötzlich keine Lust mehr hatte, die Klasse zu wechseln. Er hieß Lukas und war in meinen Augen ein richtiger Junge.
Vor einigen Jahren – um genau zu sein in meiner Avril Lavigne-Phase – entwickelte sich bei mir diese Vorstellung eines richtigen Jungen. Da stellte ich mir vor, dass richtige Jungs Rock-Musik hören, Skateboard fahren, in ’ner Band spielen und lässige Skater-Klamotten tragen. Und wie ich im Laufe unseres Gespräches herausfand, war Lukas genau SO ein Junge. Mit dem großen Pluspunkt, dass er super nett war. Jedoch gab’s nach einiger Zeit auch einen fetten Minuspunkt, da sich herausstellte, wie arrogant er doch war.
"Hallooo… ich heiße Lukas", stellte er sich mit einem liebenswürdigen Lächeln vor.
Lukas war blond, Brillenträger und klein. Sehr klein. Um genau zu sein, war er nur so groß wie ich – also 1.60 m. Und das war sehr klein, wenn man bedenkt, dass die anderen Jungs in der Klasse, alle mindestens zehn Zentimeter größer waren als ich und demnach auch als er. Zudem sah er vom Gesicht her auch nicht unbedingt aus, als wäre er 16. Nur seine männliche Statur verschaffte ihm die Glaubwürdigkeit.
Mit einem eher unsicheren Lächeln stellte ich mich nun ebenfalls vor: "Hey… ich heiße Franzi."
"Soo… Jetzt wo jeder seinen Partner gefunden hat, versucht ihr soviel wie möglich über ihn herauszufinden", erklärte uns unsere Klassenlehrerin. "Ihr könnt ihn zum Beispiel nach den Hobbies, dem Lieblingsessen oder Geburtstag fragen. Sollte euch nichts mehr einfallen, dann schaut vor an den Tageslichtprojektor, da findet ihr noch paar Fragen. Die Antworten schreibt ihr dann bitte auf und stellt sie den anderen nachher vor."
Wie die anderen setzten Lukas und ich uns an einen Tisch.
"Okay, wer fängt an?", fragte ich Lukas gespielt selbstbewusst.
"Ach frag’ du als erstes", grinste er.
"Na schön..."
Und so fand ich dann diese richtige-Junge-Sache heraus, dass er eine Schwester und im September Geburtstag hat, Basketball spielt und Pizza mag.
"Ähm… okay. Letzte Frage. Was hörst du für Musik? Oder hast du eine Lieblingsband?", fragte ich ihn.
Seine Antwort, die ich ewig lange danach noch nicht glauben konnte, war: "Also, ich höre hauptsächlich Punk-Rock und mag Green Day… und achso, ja. Die Ärzte finde ich total klasse."
Das
war er. Der Hauptgrund ihn zu mögen. Ein Ärzte-Fan in meiner Klasse. Dass ich das noch erleben durfte. Meine alte Klasse bestand zu 98 % aus Hip Hopper. In der neuen Klasse sank die Zahl zwar nur auf 90 %, aber dass gerade ich dann an jemanden gerate, der zu den wenigen Ausnahmen gehörte, fand ich damals schon ziemlich Hammer.
Nachdem ich kurz völlig überwältigt von dieser Antwort war, meinte ich schließlich nur noch: "Echt? Wow, cool. Noch ein Ärzte-Fan."
Nach ungefähr einem Monat stellte sich jedoch heraus, dass er zu dieser Sorte "Fan" gehört, die nur für einen bestimmten Zeitraum Fan von etwas ist. Nach dieser Erkenntnis sah ich ihn zwar mit anderen Augen, jedoch schadete das nur gering unsere gegenseitige Sympathie. In der Schule verstanden wir uns echt super und hatten viel Spaß zusammen. Wir waren uns in vielen Dingen sehr ähnlich, was auch den anderen in unserer Klasse auffiel und sie annehmen ließ, zwischen uns würde sich noch mehr entwickeln als Freundschaft. Totaler Blödsinn. Denn trafen wir uns zufällig außerhalb der Schule oder im ICQ, kam seine arrogante Seite zum Vorschein. Somit entschied ich mich dafür, unseren Kontakt einzig und allein in der Schule aufrecht zu erhalten.
Als ich noch auf meiner alten Schule war, musste ich mich jeden Tag dazu zwingen hinzugehen und empfand die Ferien als das Beste in der gesamten Schulzeit. Seit dem ersten Schultag auf der neuen Schule hingegen, habe ich angefangen den Schulalltag zu mögen und freute mich immer riesig, wenn die viel zu langen Ferien endlich ein Ende nahmen. Das lag einzig und allein an den total coolen Leuten auf dieser neuen Schule. Wie schon erwähnt, wimmelte es an meiner alten Schule nur so von Hip Hopper. An der neuen Schule gab es alles: Hip Hopper, Gothics, Emos, Punks, Normalos und Unzuordbare. Der Hauptgrund, weshalb ich die Schule nun mochte, war jedoch vor allem er.

10.8.09 12:35


Kapitel 2 - Die erste Begegnung

In der ersten Woche, in der ich auf dieser Schule war, hatte ich noch keinen Gedanken daran verschwendet mit meinen neuen Klassenkameraden Freundschaften zu schließen. Vielmehr klammerte ich mich weiterhin an Celina fest und wir trafen uns in jeder Pause. Wahrscheinlich kannten die Lehrer dieses Phänomen bereits, weshalb es genau eine Woche nach der Einschulung für drei Tage auf sogenannte Kennenlerntage ging. Drei Tage, in denen sich die Schüler aller drei Klassen und vor allem die derselben Klasse kennenlernen sollten.
Die Kennenlerntage fanden in einem alten Bauernhaus an einem sehr abgelegenen Ort statt. Weit und breit keinerlei Zivilisation, dafür aber ein Friedhof direkt daneben. Urlaub ist eindeutig etwas anderes. Und das wurde einem auch klar, wenn man in die Zimmer kam: Alt, verstaubt, düster und wo man hinschaut nur Spinnen – das wahrscheinlich Schlimmste für mich in diesen drei Tagen, da ausgerechnet ich das Bett in der dunkelsten Ecke, wo sich diese Viecher in Nest gebaut hatten, bekam und Schwierigkeiten beim Einschlafen hatte, da ich dauernd Angst haben musste, dass eines der Teile auf mir rumkrabbelt oder so.
Ich teilte mir mein Zimmer mit sechs anderen Mädchen aus meiner Klasse: Elena - bei der sich nach diesen drei Tagen herausstellte, dass wir wahrscheinlich getrennte Zwillinge sind, Steffi – die wiederum Sarahs getrennte Zwillingsschwester war, Sarah – Dank deren Offenheit das Eis zwischen uns allen gebrochen war, Judith – mit der nach einer gewissen Zeit niemand mehr etwas zu tun haben wollte, da sich herausstellte, dass sie einzig und allein für die Schule lebte und jeden mit ihrer besserwisserischen Art nervte, Caroline – die einzige "Normale", die dasselbe Wahlfach wie ich gewählt hatte und Sandra – die mir eine Zeit lang ständig hinterher gelaufen ist, nur weil ich sie am ersten Schultag aus reiner Verzweiflung gefragt hatte, ob sie neben mir sitzen möchte.
Und obwohl die Mädels in meinem Zimmer echt cool drauf waren, hingen Celina und ich weiterhin aneinander wie siamesische Zwillinge. Wobei es schwerer wurde, da die Klassen bei den verschiedenen Aktionen immer wieder getrennt wurden. So war es leider am ersten Abend der Fall.

Am zweiten Abend aber hatten wir endlich Freizeit. Ich war gerade auf dem Weg zu Celina, als ich vor ihrer Tür Louisa, die wie Celina in der a-Klasse war, traf. Louisa und ich waren eine Zeit lang die besten Freundinnen, wurden aber durch ihren Umzug in eine andere Stadt getrennt. Wir wohnten zwar nur eine halbe Stunde voneinander entfernt, jedoch lernte sie auf ihrer neuen Schule neue Freunde kennen und so brach der Kontakt irgendwann ab. Erst durch den gemeinsamen Besuch der weiterführenden Schule, kam auch langsam wieder der Kontakt. Zwar war es nicht so wie früher, aber wir verstanden uns dennoch gut und lachten immer noch über die alten Zeiten. Mit 13 hatten wir immer zum Spaß gesagt, dass, wenn wir keine festen Freunde kriegen, würden wir einfach lesbisch werden und miteinander gehen.
Wir standen mittlerweile schon zehn Minuten vor der Tür und quatschten über altes Zeug – unter anderem über einen Insider, der mit dieser Lesben-Sache zu tun hat, bei dem wir so taten, als wären wir total heiß aufeinander -, als zwei Jungs aus Louisas Klasse die Treppe hochkamen.
Und da war sie. Die erste Begegnung mit ihm: Felix. Er und der andere Junge, den mir Louisa als Kevin vorstellte, taten so, als würden sie diese "Lesben-Sache" zwischen uns filmen. Dabei gaben sie immer wieder Anweisungen wie sie es denn gerne hätten und taten so, als würden sie sich fürchterlich aufregen, wenn wir es nicht so machten, wie sie es wollten. Louisa und ich mussten dabei die ganze Zeit lachen, was die beiden noch mehr aufgeregt hatte.
Schließlich verschwanden sie wieder, so schnell wie sie gekommen waren.
Danach gingen Louisa, die im selben Zimmer wie Celina schlief, und ich in ihr Zimmer. Die beiden hatten ihre Betten nebeneinander und so machten wir es uns da mit Handymusik und Äpfeln, die uns die Lehrer in den drei Tagen dauernd andrehten, gemütlich. Auf den restlichen drei Stockbetten machten es sich die anderen Bewohner des Zimmers - alle aus der a-Klasse - gemütlich und mit der Zeit wurde das Zimmer immer voller, als sich dann auch noch Katja, ein Mädchen aus Celinas und Louisas Klasse, und Kevin in Louisas Bett setzten. Zum Schluss, wie sollte es auch anders kommen, tauchte Felix auf und machte es sich irgendwo zwischen beiden Betten gemütlich.
Dieser Abend gehört eindeutig in die Top 10 der schönsten Abende in meinem Leben. Wir hatten soviel Spaß und viel zu Lachen. Und nach meinen bisherigen Erfahrungen war Felix der erste normale und nichtverwandte Junge, der nett zu mir war. Bis zu diesem Abend durfte ich noch nie erleben, dass ein Junge, den ich auf diese Weise kennenlernte, sich mir gegenüber wie ein normaler Mensch verhielt. Immer gab es einen Grund über mich zu lachen oder mich auszuschließen. Typische Mädchen-sind-doof-Haltung eben. Aber an diesem Abend war ich ein ganz normales Mädchen, das endlich wieder Hoffnung hatte, ihren langersehnten Wunsch nach einer Mädchen-Jungen-Freundschaft erfüllen zu können. Ein schwuler Friseur als bester Freund wär' selbstverständlich besser gewesen, jedoch kann man schließlich nicht alles im Leben bekommen.
Der Abend endete schließlich damit, dass wir, nachdem der Fernseher, den wir verbotener Weise in einem der unteren Zimmern benutzten, uns zu langweilig wurde und die Haustür verschlossen war, weshalb uns der nächtliche Besuch auf den benachbarten Friedhof verwehrt blieb, wir einfach um halb zwölf in unsere jeweiligen Zimmer gingen.
Als ich mein Zimmer betrat, war es stockdunkel: Meine Zimmergenossinnen schliefen bereits. Ich versuchte im Dunkeln mein Bett zu finden und stolperte unterwegs über diverse Taschen und einen Stuhl. Als ich mein Bett endlich erreicht hatte, kletterte ich die Leiter hoch und versuchte nicht an die Spinne zu denken, die an eben dieser Leiter am Mittag noch hing. Zum Glück war ich an diesem Abend so müde, dass ich, als ich im Bett lag, sofort einschlief und nicht mehr an die Spinnen dachte, die ich zwar nicht sehen konnte, von deren Existenz in und um meinem Bett herum ich aber eindeutig wusste.
In dieser Nacht träumte ich von Felix.

10.8.09 18:55


Kapitel 3 - Wenn die beste Freundin mit dem Schwarm...

Die Wochen nach diesem Abend mit Felix und den anderen waren… seltsam. Wir fingen nach einiger Zeit an, im ICQ zu schreiben. Er war, wie ich es eben schon von Anfang an wusste oder zumindest bis dahin dachte, einfach der Hammer. Er war super nett, lustig und ein guter Zuhörer. Und obwohl wir nur im ICQ miteinander zu tun hatten, hatten wir nach einiger Zeit diese Art von Freundschaft, die ich mir immer zwischen Junge und Mädchen wünschte. Eben nur im ICQ. Kurze Zeit, schrieben wir uns auch Briefe. Sinnlose Briefe, in denen ich mich darüber aufregte wie frauenfeindlich doch Deutschland wäre, da ich noch nie die Erfahrung machen durfte, eine Biologie-Lehrerin im Unterricht zu haben und ich so zu dem Entschluss gekommen bin, dass es gar keine Bio-Lehrerinnen gibt und nur Männer dieses Fach unterrichten dürfen. Irgendwann mischte sich auch Celina ein und wir schrieben uns im Dreieck Briefe. Weiterhin waren es sinnlose Briefe, deren Umschlag wir so mit Tesa und sonstigem Klebeband zuklebten, dass der Empfänger schon beim Öffnen Probleme damit hatte. Nach einem sechsseitigen Brief von Felix an Celina und mich, hörte jedoch auch diese Geschichte auf. Es störte mich gewaltig, dass sich Celina sofort einmischte, sobald Felix und ich mal etwas ohne sie taten. Ich war sogar richtig eifersüchtig, denn blöderweise blieb es bei mir nicht bei diesen freundschaftlichen Gefühlen und je netter Felix mir gegenüber war, desto mehr wuchsen meine Gefühle für ihn. Bis ich mich schließlich in ihn verliebte.
Doch auch wenn Felix und ich uns super verstanden – außerhalb des Internets waren wir uns fast fremd. Eigentlich redeten wir nur miteinander wenn Celina dabei war. Sie war sozusagen die Brücke, die uns in irgendeiner Weise verband. Sie war auch die Sache, die alles so seltsam machte. Denn nachdem jeder Zweite ihr erzählte, wie gut sie und Felix doch zusammen passen würden (was irgendwie tatsächlich stimmte: beide waren groß, blond, Brillenträger und hatten irgendwas Undefinierbares an sich, das sie gut zusammenpassen ließ ) , fing sie an von ihm zu schwärmen. Natürlich bekam auch Felix das ständig zu hören und ich glaube bei ihm kam dann auch erst dadurch der Gedanke, dass ihm Celina ja gefallen könnte.
Ich weiß nicht mehr warum ich das damals getan habe - wahrscheinlich nagten wieder Selbstzweifel an mir und ich fand Celina würde Felix glücklicher machen -, aber irgendwann habe ich damit angefangen, die Beiden miteinander zu verkuppeln. Das war irgendwie eine kranke und vorallem falsche Situation: Ich versuchte zwar Celina mit Felix zu verkuppeln, wünschte mir aber gleichzeitig im tiefsten Inneren, dass es nicht klappt und die Beiden niemals zusammen kommen würde.

"Ein Kumpel hat mir geschrieben und gefragt was ich gerade mache…", sagte Celinas jüngerer Bruder eigentlich eher zu sich selbst, während er wie gebannt auf sein Handy starrte.
"Höhö… Was machst du grad?", fragte Celina, während sie sich überlegte, welche Schuhe sie anziehen sollte.
Da war er: Der Anfang einer unserer sinnlosen Witze.
"Mich umbringen", war meine Antwort.
"Hooi! Wie?"
"Ja, mit ’nem Messer halt."
"Aso."
"Joa, und was machst du so?"
"Ich langweile mich."
"Cool. Also ich geh dann mal."
"Okay. Viel Spaß. Sagst allen ’nen schönen Gruß. Vor allem meiner Urururururoma. Und Elvis."
"Mach ich. Tschüss."
"Tschüss."
Celinas Bruder seufze: "Oh Mann…"
"Langsam mache ich mir echt Sorgen…", besorgt sah uns Celinas Mutter an.
Keine fünf Minuten später saßen wir im Auto und machten uns auf den Weg, um Felix abzuholen. An diesem Abend gingen wir zu dritt zum Schlittschuhlaufen. Bereits am Vormittag waren wir zusammen in der Stadt beim Einkaufen gewesen. Beides waren eigentlich nur Dates zwischen Celina und Felix, bei denen ich blöderweise auch noch anwesend war.
Beim Schlittschuhlaufen war es eigentlich richtig lustig. Wir drei hatten ein Schließfach zusammen und Celina hatte die ehrenvolle Aufgabe auf den Schlüssel aufzupassen. Irgendwann konnte Felix ihr diesen wegnehmen, woraufhin Celina ihn sich wieder beschaffen wollte und versuchte ihm hinterherzukommen. Felix war auf Schlittschuhen jedoch Einiges schneller und sicherer als Celina und gelangte nach kurzer Zeit wieder bei mir (ich stand irgendwo am Rand und beobachtete die Jagd aus sicherer Entfernung) an. Er drückte mir den Schlüssel in die Hand und raste wieder los. Celina verfolgte ihn weiter und wurde erst auf mich aufmerksam, nachdem sie Felix’ Taschen nach dem Schlüssel durchsuchte und feststellen musste, dass er ihn nicht mehr hatte. Eigentlich bin nicht unbedingt gut im Schlittschuhlaufen, aber nachdem ich sah, wie Celina auf mich zuraste, überschritt ich mein normales Tempo bei Weitem. Und immer wenn Felix wieder bei mir angelangt war, taten wir so als würden wir uns den Schlüssel wieder zuspielen. Manchmal übergaben wir ihn uns auch wirklich, was Celina verrückt machte, da sie irgendwann nicht mehr wusste, wer den Schlüssel nun tatsächlich hatte.
Schließlich hatte Felix den Schlüssel wieder, was Celina auch wusste, und die beiden hingen wieder wie Kletten aneinander. Ich fuhr bis zu den nächsten Sitzgelegenheiten und sah mir das Schauspiel der Beiden von Weitem an während im Hintergrund Clueso mit Keinen Zentimeter lief. Ein Lied, das mich seither immer an Felix erinnert. Er und Celina sahen von Weitem tatsächlich so aus, wie ein bald-Paar. Das gab mir ein Stich ins Herz. Aber ich machte mir Hoffnung, in dem ich mir sagte, dass es ja nicht zwingend soweit kommen muss. Wer weiß, vielleicht lernen sie sich immer besser kennen und merken irgendwann, dass sie doch nicht so gut zusammen passen. Naja, egal wie es ausgehen würde, der Anblick der Beiden stimmte mich trotzdem solange in passive Trauerstimmung, bis ich endlich Daheim in meinem Zimmer war und die aktive Trauerstimmung beginnen konnte – das sinnlose hinterher heulen eines Jungen, für den ich ziemlich intensive Gefühle hegte, der aber wiederum dieselbe Sorte von Gefühle für meine beste Freundin hatte. Nebenher lief Clueso mit Keinen Zentimeter.

Wenige Tage später, saßen wir – wie fast jeden Morgen – zu dritt vor den Klassenzimmern und redeten über die neuesten Kinofilme.
"Achso ja, von Bully kommt ja auch ein neuer Film raus", meinte Felix irgendwann. "Der mit dieser Sissi-Verarsche."
"Oh mein Gott ja!", sagte ich aufgeregt. "Das hätte ich fast vergessen. Den muss ich unbedingt sehen!"
"Ach, bist du auch so ein Fan von den Bullyfilmen?", lachte Felix.
"Fan? Mehr als das. Ich liebe seine Filme", schwärmte ich. "Hmm… okay… die liebe ich eigentlich nur, weil ich Bully selbst liebe und da ist es ja selbstverständlich, dass ich auch seine Filme liebe."
"Achso, okay", lächelte Felix. "Wie siehts bei dir aus, Celina? Hättest auch Lust den Film im Kino zu sehen?"
Celina, die uns bisher still zuhörte strahlte nun und meinte nur: "Ääh, ja klar hätte ich Lust."
"Cool", war nur Felix’ Antwort.
Schon läutete es zur ersten Stunde.

Ich hatte wirklich Lust auf Kino. In diesen Film. Mit Felix. Aber die Tatsache, dass ich Celina versprochen hatte, sie mit Felix zu verkuppeln, ließ mich schließlich die Kinosache absagen. Ich meine, das war doch DIE Chance für die Beiden. Und ich wäre echt eine ziemlich miese beste Freundin, wenn ich Celina diese Chance nehmen würde. Oder?
Eine Woche nach dem Gespräch schrieben Felix und ich wieder im ICQ.

Felix: Ach, übrigens. Am Donnerstagabend gehen wir ins Kino. :-)
Franzi: Aso. Ja. Ich komme nicht mit.
Felix: Och, Schade. Wieso denn das?
Franzi: Keine Zeit. :-(
Felix: Hmm… okay… dann vielleicht ein andermal.

Mir brach es fast das Herz. Kino mit Felix. Und ich war nicht dabei.
Am besagten Donnerstag ging es mir echt dreckig. Dauernd malte ich mir aus, wie die beiden händchenhaltend durch die Stadt liefen. Ständig betete ich dafür, dass es nicht so sein würde. Und als mir Celina dann um halb zwölf nachts eine SMS schrieb, machte mein Herz einen Freudensprung: Die Beiden waren nicht zusammen. Noch nicht.
Am nächsten Tag schrieben Felix und ich wieder im ICQ.

Franzi: Warum hast du sie nicht gefragt? Ich bin doch extra nicht mit ins Kino gegangen!
Felix: Hää? Was? Wen was gefragt?
Franzi: Na, Celina. Ob sie mit dir gehen will. -.-
Felix: So was frag ich doch nicht im Kino. Das ist irgendwie zu unpassend.
Franzi: Ja, wann fragst du sie dann?
Felix: Weiß ich noch nicht.
Franzi: Fragst du sie überhaupt?
Felix: Warum fragst du das alles?
Franzi: Na, wer weiß? Vielleicht willst du ja doch nicht mit ihr gehen und dann muss ich ja wissen, ob ich vielleicht doch ne Chance bei dir hätte. ^^
Felix: What?! xD
Franzi: :-P

Danach musste er zum Glück gehen, weshalb er nicht weiter auf mein "Geständnis" einging. Bereits am nächsten Montag stand Celina in der zweiten Pause mit einem breiten Grinsen vor meinem Klassenzimmer. Mittlerweile verbrachten wir nicht mehr jede Pause miteinander, da wir beide nun auch Anschluss zu den anderen Mädels aus unserer Klasse gefunden hatten und so sahen wir uns in der ersten Pause gar nicht.
Ich sah meine Freundin belustigt an: "Hey, was ist denn mit dir los?"
"Er hat mich gefragt!", quiekte sie.
"Was?", brachte ich nur irritiert hervor.
"Felix hat mich gefragt, ob ich mit ihm gehen will!"
Zum Glück schreien Herzen leise. Ansonsten wäre die ganze Schule auf mein Leiden aufmerksam geworden.
"Wow…", war alles was ich dazu sagen konnte.
"Jaa, ich kanns immer noch nicht glauben…"
Endlich hatte ich mich wieder gefangen und fragte gekünstelt fröhlich: "Wie hat er dich denn gefragt? Und wann? Erzähl mir alles!"
Wir setzten uns vor meinem Klassenzimmer auf den Boden und Celina fing an zu erzählen: "Er hat mich in der großen Pause gefragt, ob er mal mit mir alleine reden kann. Und dann sind wir eben in den Flur gegangen, wo er gemeint hat, dass Katja ihm im ICQ geschrieben hätte, dass ich nicht länger warte, was ja eigentlich gar nicht stimmt, aber egal. Immerhin hat er mich ja jetzt gefragt und am Mittwoch gehen wir nach der Schule zu ihm."
Schon lange nicht mehr, habe ich Celina so strahlen sehen. Und schon lange nicht mehr, wollte ich so dringend nach Hause, um endlich meine Tränen aus ihrem Gefängnis zu befreien. Aber das war unmöglich. Also musste ich mich noch zwei weitere Stunden zusammenreißen, was mich innerlich fast zerriss.
Während meine Mathelehrerin vorne an der Tafel stand und sich wieder tierisch über unsere Ergebnisse in der Mathearbeit aufregte, hielt ich mir dauernd vor Augen, dass Celina nun ausgerechnet mit Felix zusammen ist. Celina und Felix. Klar, sie passen aus irgendeinem Grund super zusammen, aber sie waren doch nicht mal ineinander verliebt! Jedenfalls war es so bei Celina. Das war schon immer so. Sie war mit jemandem zusammen, obwohl sie keinerlei Gefühle für ihn hatte. Sie wollte einfach nur einen Freund. Soll ja echt Menschen geben die so drauf sind. Und nun war Felix der Auserwählte. Das Problem diesmal war allerdings, dass ich in ihn verliebt war. Nein, weit mehr. Ich glaube mich hat es noch nie so erwischt. Für mich, den einsamen Topf, war er DER Deckel. Und nun war Celina das Mädchen an seiner Seite. Der Gedanke daran tat so furchtbar weh, entwickelte sich jedoch mit der Zeit zu Hass. Scheiße, ja. Ich habe angefangen meine beste Freundin zu hassen!

20.8.09 16:42





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