troublebreathing ♥
Mythos: Wahre Liebe bis zum Lebensende


Ja, es gibt sie. Die eine wahre, große Liebe. Dieser eine Mensch, ohne den wir nur zur Hälfte da sind. Ohne den das Leben so farblos ist und der als einziger die Buntstifte hat. Der einzige Mensch, mit dem wir uns wirklich ernsthaft vorstellen können alt zu werden. Ich habe ihn gefunden. Und wieder verloren.

Es ist bereits mehr als ein halbes Jahr seither vergangen, doch die Liebe meinerseits ist niemals weniger geworden. Im Gegenteil. Sie wächst noch immer jeden Tag. Und ich kann nichts dagegen unternehmen. Er ist der einzige Mensch, für den ich jemals diese wahren Gefühle hatte. So oft dachte ich, ich sei verliebt. Doch seitdem es ihn in meinem Leben gibt weiß ich, dass alles vorher nicht richtig, nicht echt war. Die erste Liebe, die Jugendliebe, der erste Freund… Es war irgendwas, aber keine Liebe. Nicht einmal annährend. Und dann kam er. Noch nie hat mich jemand so bewegt, so vollendet. Noch nie fühlte ich mich in der Gegenwart eines Menschen so wohl wie in seiner. Er hat alles in meinem Leben auf den Kopf gestellt. Das von dem ich dachte, dass ich es mir wünschte, war schließlich nichts mehr wert, weil es ihn nicht beinhaltete. Er ist alles, wonach ich mich sehne. Jedoch beruht das nicht auf Gegenseitigkeit. Es ist viel leichter, die große Liebe nie zu finden, statt sie zu finden und wieder zu verlieren. Und ich wünschte, ich hätte ihn nie kennengelernt. Könnte mich noch immer mit weniger zufrieden geben. Doch das ist nun nicht mehr möglich.

Und dann gibt es da diese Leute. Die einen nicht verstehen und einreden, dass alles vorbeigehen würde. Dass man jemand Neues findet. Doch wer richtig liebt, weiß, dass das nicht so einfach geht. Da wir aber in einer Wegwerfgesellschaft leben, in der nicht nur Gegenstände schnellstmöglich ersetzt werden, sondern auch Haustiere und Menschen, stoßen solche Aussagen auf Unverständnis. „Du bist doch noch jung, du findest schon noch jemand Neues“ bekomm ich ständig von Freunden und Bekannten zu hören. Doch Kaffee schmeckt mit Salz einfach nicht so gut wie mit Zucker. Und ich weigere mich Salz in meinen Kaffee zu schütten. Ich musste mich schon einmal mit Salz zufriedengeben, weil ich es nicht besser wusste. Das war die schlimmste Zeit meines Lebens. Ich will den Zucker.

Ich bleibe lieber mein ganzes Leben lang alleine, als es mir durch die falschen Zutaten zu verderben. Jedoch würde ich lügen, wenn ich behaupten würde, mich nicht nach diesen Zärtlichkeiten zu sehnen. Nach diesem „wir gehören zusammen“-Gefühl. Diesen Menschen bei sich zu haben, Dank dem man sich nicht einsam fühlt. Zusammen auf den Sofa liegen und einen Film schauen oder einfach nur die Nähe des anderen zu genießen. Sich zu küssen. In guten wie in schlechten Zeiten jemanden an seiner Seite zu haben. Sich auf eine gemeinsame Zukunft mit ihm freuen.

Ich habe versucht, diese Sehnsüchte zu stillen. So wie es immer alle sagen. Noch nie habe ich mich so unwohl, so schmutzig gefühlt. Es war zwar nur gemeinsames DVD schauen, in irgendwelchen Armen liegen, irgendwelche Lippen zu küssen… Doch war es falsch – weil es nicht er war. Ich kann das nicht. Entweder dieser Eine oder Keiner.

Und all diejenigen, die das anders sehen, die meinen ich übertreibe, die dieses Gefühl noch nie fühlen durften und nur dieses 08/15-Geschwätz auf Lager haben, sollen ihren eigenen Kaffee mal mit Salz trinken. Ganz viel Salz. Vielleicht verstehen sie dann, dass es so einfach nicht schmeckt. Und niemals schmecken wird.

8.9.13 22:53


Die Begegnung

Mittagspause.
Es war ein sonniger Freitagmittag. Sie öffnete den Reißverschluss ihrer Jacke. Die Sonnenstrahlen, der jeden Tag wärmer werdenenden Sonne überschütteten sie mit guter Laune. Schon so lange wartete sie auf den Frühling. Nun war er endlich gekommen.
Wie immer saß sie auf einer Bank vor dem Rathaus, nur wenige Meter entfernt von dem Büro, in dem sie arbeitete. Wie immer aß sie erst ihre mitgebrachten Brote. Und wie immer las sie danach während der restlichen Mittagspause ein Buch.
Es war genau 13:26 Uhr als sie im Augenwinkel sah, dass jemand auf sie zukam. Sie hoffte, dass dieser Jemand nicht zu ihr kam. Wenn sie etwas hasste, dann in der sowieso schon zu kurzen Mittagspause gestört zu werden. Und sie hasste es, ein Kapitel mittendrin zu beenden.
Da dieser Jemand lange brauchte, um zu ihr zu kommen, dachte sie, dass er vielleicht tatsächlich nicht zu ihr kam und sie las weiter.
"Hey!", sagte jedoch kurze Zeit später eine Stimme.
Sie blickte von ihrem Buch auf. Vor ihr stand ein Mann und lächelte sie an. Er war dunkelhäutig und sie schätzte ihn auf höchstens 25.
"Hey", begrüßte auch sie ihn.
"Can you speak English?", fragte er sie.
"Ähm... a little bit... But not really good", antwortete sie.
"Okay", grinste er. "Mein Deutch is nicht so good."
Sie grinste zurück. Sie dachte schon, er würde sie nun fragen, wo das nächste Hallenbad ist. Doch stattdessen fragte er sie, was sie gerade liest. Sie zeigte ihm die Vorderseite des Buches und sagte: "Harry Potter..."
Er grinste wieder: "Harry Potter-Fan?"
"No, I only like to read the books. But I'm not Fan."
Er fragte sie dann, was sie hier tun würde. Ob sie in der Stadt arbeitete oder zur Schule ging. Und ob sie in der Stadt wohnte. Sie beantwortete seine Fragen mit Vorsicht. Sie antwortete immer nur soviel, dass seine Frage zwar beantwortet war, sie jedoch nicht zuviele Informationen preisgab.
Er erzählte ihr dafür, er sei Student und lebe ganz in der Nähe vom Rathaus. Er erzählte ihr auch wo er ursprünglich herkam, doch da ihr Englisch während ihrer schullosen Zeit immer schlechter wurde, verstand sie die Hälfte nicht und ständig nachfragen wollte sie auch nicht.
"What's your Name?", fragte er schließlich.
Sie antwortete und fragte nach seinem Namen. Er sagte, er heiße Daniel.
"Äh... Would you like to drink coffee with me?" fragte er schließlich.
Das kam so plötzlich für sie, dass sie erst nicht wusste, was sie sagen sollte. Doch dann entschied sie sich für die Wahrheit.
"No, sorry."
"Why?", fragte er enttäuscht.
"Because, I've a boyfriend..."
"Really?", fragte er mit gequältem Lächeln.
"Yes."
"Sure?"
"Yes!", lachte sie.
"Too bad..."
Er fragte sie noch, ob sie öfter hier saß und meinte, nachdem sie es bejahte, dass sie sich dann bestimmt mal wieder sehen würden.
"Nice too meet you", sagte er.
"Nice to meet you, too", sagte sie.
Er gab ihr die Hand, verabschiedete sich von ihr und ging schließlich weiter.
Sie hatte noch 20 Minuten Pause. Doch auf ihr Buch konnte sie sich nun nicht mehr konzentrieren. Sie saß noch einige Minuten einfach so auf der Bank und erfreute sich an den Überraschungen des Lebens, bevor sie sich auf den Weg zurück ins Büro machte.
28.3.11 17:56


Der Moment

Es läutete an der Tür.
Schon wieder ein Mandant, der ohne vorher Bescheid zu sagen einfach vorbeikommt, dachte sie.
Sie war genervt. Schon den ganzen Tag. Und sie wäre lieber nach Hause gegangen, als in diesem viel zu warmen Büro sitzen zu müssen und langweilige Akten herum zu wälzen.
Ihre Kollegin war ihr gegenüber schon seit einiger Zeit außergewöhnlich kühl und auch der Chef ließ seine schlechte Laune immer häufiger an ihr aus.
Da kamen ihr unangemeldete Mandanten, die meist Spezialaufgaben hatten, nicht unbedingt gelegen.
Als sie die Tür öffnete, stand ein junger Mann vor ihr. Er war ungefähr  Mitte 20. Als sie ihn so vor sich sah, musste sie sofort an Nino aus Die fabelhafte Welt der Amélie denken.
"Ich komme wegen dem kaputten Kopierer", sagte er.
Für einen Bruchteil einer Sekunde blieb sie wie angewurzelt stehen und starrte ihn nur an. Irgendwas an ihm, ließ ihren Blick nicht mehr von ihm weichen.
"Ah! Super, ja", brachte sie dann schließlich hervor.
Sie führte ihn zum Kopierer, der direkt neben ihrem Schreibtisch stand.
"Also, wenn wir im Einzug etwas kopieren wollen, dann bleibt das Papier im Kopierer stecken", erklärte sie ihm.
"Okay, dann schaue ich mir das mal genauer an", lächelte er - leicht verlegen wie sie fand.
Während er ein Blatt Papier in den Einzug des Kopierers legte und versuchte es zu kopieren, beobachtete sie ihn immer wieder aus dem Augenwinkel.
Sie konnte sich kaum noch auf ihre Arbeit konzentrieren. Er machte sie nervös. Und sie hatte keine Ahnung warum.
Es war nicht so, dass sie hin- und hergerissen war von ihm. Im Gegenteil. Er gefiel ihr nicht mal sonderlich gut. Doch irgendwas hatte er, was sie völlig aus der Bahn warf.
Sie spürte ein Kribbeln im Bauch.
Nach gerade mal 10 Minuten teilte er mit: "So, ich bin fertig."
Zum Beweis legte er erneut ein Papier in den Einzug, drückte auf "Kopieren" und heraus kam nicht nur die Kopie, sondern auch wieder das Original.
"Das war übrigens der Grund für den Papierstau", sagte er mit einem gespielten "das gehört da aber nicht rein"-Blick und hielt eine Tackerklammer  in die Höhe.
"Ups... Wie kommt die denn da rein?", fragte sie unschuldig.
Danach sagte er etwas wie: "Sowas sollte man eigentlich vermeiden." Er lachte verlegen.
Ihr Herz schlug wie wild. Die Art wie er es gesagt hatte... Nicht böse und auch nicht wirklich ernst. Als würden sie sich schon ewig kennen.
Sie unterschrieb die Rechnung und er packte seine Sachen zusammen. Schließlich stand sie auf und wollte ihn zur Tür bringen. Doch plötzlich standen sie sich gegenüber. Keiner machte Anstalten sich zu bewegen. Sie sahen sich einfach nur schweigend in die Augen. Ihr Herz schlug wie wild. Er lächelte sie unsicher an. Das war ein Moment, den sie nur aus Büchern oder Filmen kannte. Der Moment, von dem sie nie glaubte, er würde ihr selbst einmal widerfahren.
"So... Ähm... Ja... Danke...", sagte sie schließlich und bedeutete ihm zur Tür zu gehen. Er verabschiedete sich von ihrer Kollegin, die die ganze Zeit still vor ihrem Computer saß.
Sie öffnete ihm die Tür. "Einen schönen Tag noch."
"Ebenso", sagte er lächelnd als er hinaustrat.
Als er ihr den Rücken zudrehte musste sie grinsen. Und sie sah, dass er leicht zurückblickte, als wollte er wissen, ob sie noch an der Tür stand. Und sie sah auch, dass er ebenfalls grinste.

28.2.11 20:29


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